Energiewende: So viele Kohlekraftwerke wie noch nie

In diesem Jahr gehen so viele neue Kohlekraftwerke ans Netz wie noch nie in den letzten 20 Jahren. Das teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit.

28. Februar 2013

Nach den Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA) werden im Jahr 2013 neue Steinkohle-Kraftwerke mit einer Rekordleistung von fast 5.300 MW erstmals Strom produzieren, so das IWR. Weil voraussichtlich 1.000 MW alte Steinkohle-Kraftwerke stillgelegt werden, drängen unter dem Strich zusätzliche konventionelle Kraftwerkskapazitäten mit einer Leistung von 4.300 MW auf den Markt.

»Der Zuwachs an erneuerbaren Energien und der Rückgang des Stromverbrauchs haben die Stromlücke durch die acht AKW-Abschaltungen im Jahr 2011 bereits heute vollständig kompensiert«, so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch. Sichtbar werde dies auch am deutschen Stromexport-Überschuss, der im letzten Jahr auf 23 Mrd. kWh kletterte und einen neuen Rekordwert erreichte. Auch die Abschaltung der nächsten zwei Atomkraftwerke im Jahr 2015 und 2017 mit einer Gesamt-Jahresproduktion von rund 20 Mrd. kWh führe bei einem kontinuierlichen Ausbau der erneuerbaren Energien an Land und vor der Küste zu keiner erkennbaren Stromlücke, so das IWR. »Es ist erstaunlich, dass sich die politische Debatte um die Energiewende derzeit nur auf das Ausbremsen der erneuerbaren Energien konzentriert, während gleichzeitig weitgehend unbemerkt neue Kohlekraftwerke mit einer Rekordleistung ans Netz gehen«, so Allnoch weiter.

Da in den nächsten Jahren noch weitere große Kohlekraftwerke geplant seien, dürfte sich der Druck auf die Strompreise noch weiter verschärfen. Und die sind für Großabnehmer heute schon so niedrig wie zuletzt 2005. »Wer jetzt Grundlaststrom an der Börse bis zum Jahr 2017 kauft, der zahlt mit knapp über 4 ct/kWh bis zu 55 Prozent weniger als 2008 und hat darüber hinaus für die nächsten vier Jahre Preisstabilität«, so Allnoch.