Energiewette gewonnen

Spezial

Effizienz Auch im Neubau ist Potenzial: Durch viele Einzelmaßnahmen sparen die Betreiber der Allianz-Arena über 1Mio.kWh ein.

29. Januar 2010

Direkt unter der Außenhülle auf der obersten von sechs Ebenen ist die gesamte Energietechnik des Stadions untergebracht. Dort, rund 35m über dem Spielfeld, steht Jürgen Muth vor einem der beiden Heizkessel mit je 5,2MW Leistung. Er berichtet von der Neuprogrammierung der Steuerung. Dadurch sind weniger Startvorgänge der Brenner erforderlich. Das wiederum bedeutet einen geringeren Energieeinsatz. »Pro Jahr werden wir so 200.000 Kilowattstunden einsparen«, erklärt der Geschäftsführer der Stadiongesellschaft der Allianz-Arena.

Eine weitere Optimierung wollen die Be-treiber durch eine bessere Sauerstoffregelung der Brenner erreichen. Das kann den Gas- und Stromverbrauch des Brennergebläsemotors verringern.

Angefangen hatte alles mit einer Wette zwischen dem Energieversorger E.on und Uli Hoeneß, dem damaligen Manager und jetzigem Präsident des FC Bayern: 1Mio.kWh weniger Energieverbrauch pro Jahr in der Allianz-Arena. Der Startschuss für die Effizienzoffensive fiel im Februar 2009. Im November fand sie ihren Abschluss, die Energieexperten hatten genug Einsparpotenzial zusammen und die Wette gewonnen.

»Mit einem Gesamtenergieverbrauch von jährlich 23 Gigawattstunden sind wir immer an innovativen und vor allem schnell umsetzbaren Vorschlägen interessiert«, sagt Muth. Mitarbeiter des Energieversorgers seit Anfang 2009 Stromlieferant des Stadions machten sich zusammen mit Fachleuten von der DEKRA auf die Suche. Mehrere Tage lang prüfte das Expertenteam die Heiz-, Kühl- und Belüftungsanlagen, analysierte den Stromverbrauch und führte viele Gespräche mit den Technikern vor Ort.

Herausgekommen ist eine Energiepotenzialanalyse mit einer Reihe von Empfehlungen für alle verbrauchsrelevanten Bereiche und Anlagen. Eine Erkenntnis fasst E.on-Experte Roland Hofer zusammen: »Wie bei fast allen neuen Gebäuden lassen sich Effizienzpotenziale nur durch eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen heben. Denn die energietechnischen Anlagen sind auf dem neuesten Stand und die Betreiber waren bereits sensibilisiert.« Muth ergänzt: »Den einen, ganz großen Einsparknaller gab es daher nicht.«

450 Bewegunsmelder

Auf der Technikebene des Stadions sind die beiden Heizkessel mittlerweile abgehakt und Jürgen Muth steuert die 50m entfernt stehenden Kältemaschinen an. »Die Experten haben bei der Analyse im Winter festgestellt, dass trotz niedriger Außentemperaturen eine Kühlmaschine durchgehend in Betrieb war.« Die Anlage ist nun umprogrammiert, und in einem gemäßigten Temperaturbereich erfolgt die Kühlung alleine über die Nutzung der Außenluft.

Im Büro des Hausherrn auf Ebene 4 erläutern Jürgen Muth und Roland Hofer anschließend die Systematik der Effizienzmaßnahmen, die sich grob in zwei Kategorien unterteilen lassen. Zum einen in technische Anpassungen, wie sie beim Heizsystem vorgenommen werden. Auch der Einbau von 450 Bewegungsmeldern für die Lichtsteuerung gehört in diese Kategorie. Manuelle Lichtschalter finden sich in vielen Bereichen im Gebäude nicht mehr. Mit insgesamt 690.000kWh brachte die Optimierung der Beleuchtung die größte Einsparung.

»Der zweite Hebel ist für uns als Betreiber eine Herausforderung. Denn da geht es um die Menschen und ihr Verhalten«, sagt Muth. Hier setzt die Stadiongesellschaft vor allem auf die Mithilfe aller Mitarbeiter, Partner und Kunden. So melden Kunden Besuche in den Firmen-Logen vorher an. Erst dann fahren die Mitarbeiter der Steuerungszentrale Heizung oder Kühlung hoch. Ähnlich ist die Reinigung organisiert. Die Beleuchtung wird nur für den betroffenen Termin und Stadionbereich eingeschaltet.

Für die Betreiber sind die bisherigen Optimierungserfolge längst kein Grund, sich zurückzulehnen. Denn die Suche nach Verbesserungen geht weiter. Dabei geht es nicht nur um Kostenoptimierung, erklärt Muth. »Wir haben jede Woche zehntausende Besucher zu Gast und damit eine wichtige Vorbildfunktion. Hier gilt das Motto: Wir zeigen im Großen, was jeder teilweise auch zu Hause verwirklichen kann.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2010