Entlang der Pipeline nach Moskau

ERDGAS Obwohl die Infrastruktur in Osteuropa noch nicht stark ausgeprägt ist, gelang die Fahrt mit Erdgas-Fahrzeugen nach Moskau.

04. September 2006

In Russland ist die Dichte an Erdgastankstellen verglichen mit der Situation in Deutschland noch sehr gering. Wohingegen man hierzulande im Jahr 2008 die 1.000ste Tankstelle eröffnen will, stehen den Russen bisher erst 250 Betankungsmöglichkeiten für Erdgas zur Verfügung. Generell hält man bei der deutschen Erdgaswirtschaft ein offensiveres Herangehen an das Thema Erdgas als Kraftstoff jenseits der Grenzen für wünschenswert. Bisher werde die internationale Ausweitung von Erdgasfahrzeugen durch eine nicht ausreichende Tankstellen-Infrastruktur behindert, beklagt etwa Martina Meyer, Marketingleiterin im Bereich Erdgasfahrzeuge bei der E.on Ruhrgas. „Wenn es gelingt, diesen Wettbewerbsnachteil durch den flächendeckenden Ausbau von Erdgastankstellen auszugleichen“, meint sie, „steht einer europaweiten Verbreitung von Erdgasfahrzeugen in großen Stückzahlen nichts mehr im Wege.“

Wie sich die Situation konkret bei einigen unserer östlichen Nachbarn darstellt, zeigte eine viertägige Reise mit drei Caddy Eco Fuel von Volkswagen über eine Distanz von über 2.000 km. Die Fahrt führte von Hannover vorbei an Berlin nach Poznan und damit zu dem Volkswagen-Werk, in dem die Caddys ursprünglich vom Band gelaufen sind.

Zwischenstopp in Minsk

Weiter ging es über Warschau, durch Weißrussland, mit Zwischenstopp in Minsk, in das russische Smolensk. Die letzte Etappe führte nach Moskau. Damit folgte die Tour grob der Linienführung einer der Hauptversorgungspipelines nach Deutschland.

Ziel war es, allein mit Erdgas auszukommen und nicht auf den zusätzlich verfügbaren 11-l-Benzintank zurückgreifen zu müssen. Die Herausforderungen an Fahrer und Fahrzeuge waren groß: So mussten etwa die 430 km der letzten Etappe nach Moskau ohne Tankstopp zurückgelegt werden, da keine Betankungsmöglichkeit mit Erdgas vorhanden war.

Die drei Teams erreichten trotzdem ihre Vorgaben. „Die Caddy Eco Fuel haben eindrucksvoll bewiesen, dass mit einer Reichweite von 440 Kilometern allein mit Erdgas selbst weite und bisher für den Individualverkehr weitgehend unbekannte Strecken kein Problem darstellen“, sagte Dr. Günther Scherelis von VW Nutzfahrzeuge nach Abschluss der Reise. Recht entspannt sei die Fahrt für die begleitenden Techniker gewesen: „Ihre Ersatzteile und Werkzeuge kamen nicht zum Einsatz.“

Die vier Erdgas-Tanks des Eco-Caddys sind unter Flur - also unter dem Wagenboden - angebracht und beeinträchtigen laut VW weder das Fahrverhalten noch die Lade- und Variationsmöglichkeiten des Caddy. Die Sicherheit der Tanks, die immerhin einen Betriebsdruck von 200 bar verkraften, ist durch eine Reihe von Maßnahmen garantiert. „Ein sicherheitsrelevanter Unterschied zu einem reinen Diesel- oder Benzin-Fahrzeug ist nicht vorhanden“, betont VW.

Der Erdgas-Caddy verkauft sich gut. Von den rund 7.000 im ersten Halbjahr 2006 abgesetzten Erdgasfahrzeugen waren rund 1.700 VW Caddy Eco Fuel. Dies hat auch Auswirkungen auf die Fertigung. So will der Automobilkonzern die Produktionskapazität von derzeit 125 Fahrzeugen pro Woche auf 250 erhöhen.

Welches Potenzial der russische Markt künftig haben wird, ist noch nicht absehbar. Zumindest hat Gazprom angekündigt, stärker in das Geschäft einsteigen zu wollen. Der russische Energiekonzern betreibt heute 185 der insgesamt 250 in Russland vorhandenen Erdgastankstellen. In den nächsten Jahren sollen 300 weitere Stationen hinzukommen.

Einen Schwerpunkt legt Gazprom dabei auf das Projekt ‚Blauer Korridor’ - eine Straßenverbindung, die die Städte Berlin, Warschau, Minsk und Moskau verbindet. Hier hat sich Gazprom eine lückenlose Versorgung mit Erdgas in den Plan geschrieben. Allerdings wird die Strecke von den Besitzern von Erdgas- Fahrzeugen auch in naher Zukunft noch eine gute Vorplanung verlangen. Beschlossen ist nämlich erst der Bau von zwei zusätzlichen Stationen. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 09/2006