Entstehende Industrie

markt & meinung

Die - f-cell in Stuttgart bot eine breite Themenvielfalt: So standen etwa Elektromobilität, globale Märkte, Anwendungen und Projekteim Fokus der Vorträge. Unter anderem stellte die VDMA auch ihren Start einer Statistik zur Marktentwicklung vor.

30. November 2009

Ziel ist es, Herstellern von Systemen und Komponenten mehr Planungssicherheit zu verschaffen, Märkte und Potenziale abschätzbarer zu machen. Die VDMA-Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen hatte 2008 zusammen mit dem Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung (ZSW) das Ziel in Angriff genommen, eine professionelle Statistik aufzubauen. »Diese muss noch weiter wachsen«, sagte Johannes Schiel vom VDMA.

2009 haben die Experten den Fragebogen mit Unterstützung der Nationalen Organisation für Wasserstoff-und Brennstoffzellentechnologie (NOW) weiterentwickelt und an über 200 Unternehmen verschickt. Darunter waren Hersteller von BZ-Systemen ebenso wie Zulieferer von Komponenten und Forschungsinstitute. 54 Fragebögen gingen in die Auswertung ein. »Wir sehen eine entstehende Industrie. Die Unternehmen schauen in Bezug auf die Entwicklung zuversichtlich in die Zukunft«, so Schiel.

Nicht repräsentativ, aber Trends sind erkennbar: Ihre Umsätze machen deutsche Komponenten-, wie Systemhersteller noch zu weit mehr als 50% im Inland. Weitere Absatzmärkte im zweistelligen Bereich liegen in Europa, bei den Zulieferern von Komponenten auch in Nordamerika. Investitionen fließen hauptsächlich in Forschung und Entwicklung. Rund 19% investieren die Hersteller in die Serienfertigung.

Ein weiteres Ergebnis: Die Unternehmen schätzen Öffentlichkeitsarbeit dringlicher ein als Aus- und Weiterbildung. Sie schlagen eine gemeinsame bundesweite Initiative zur Promotion vor. Essenziell seien auch Markteinführungsprogramme, damit sich eine Industrie entwickeln könne.

»Die Finanzkrise macht es den Unternehmen nicht leicht, die Finanzierung der Markteinführung hinzubekommen«, sagte Kai Klinder, Geschäftführer von NOW. Während die Förderung in der Phase von Forschung und Entwicklung noch reichlich fließe, nehme sie in der Phase des stärksten Investitionsbedarfes, während der Produktentwicklung, immer mehr ab.

Aber es kommt auch zu Fortschritten. Klinder: »Die Brennstoffzelle ist auf dem Weg vom Labor in die moderne Serienfertigung« auch wenn derzeit noch kein richtiger BZ-Markt bestehe, da noch sehr geringe Stückzahlen vorherrschen. Der Vorteil der BZ liege aber in der hohen Zahl an Gleichteilen, sodass Hersteller schnell mit kleinen Stückzahl-Steigerungen in Serie gehen können.

Unter anderem berichtete Klinder auch von den Entwicklungen beim Leuchtturm ›NEEDS‹ (New ecologic energy decentrally supplied). Ziel ist, rund 60 Hochtemperatur-BZ im Wesentlichen mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Etwa über Biogas in Kombination mit Wärmenutzung im industriellen Bereich. Zwei MCFC-Anlagen, eine in Barth und eine in Gießen, stehen vor der Installation.

Wie gewohnt blickte die f-cell mit ihren Vorträgen auch über den Tellerrand. Förderung, Zusammenarbeit und Vernetzung standen hier im Fokus.

Von dem kanadischen Marktentwicklungsprogramm Hydrogen Village berichtete John Tak, Canadian Hydrogen and Fuel Cell Association. In einem der Projekte installierte Ford eine BZ, die die Emissionen flüchtiger organischer Lösemittel der Lackierung zur Energiegewinnung nutzt . Tak stellte auch den ›Canadian Hydrogen Installation Code‹ vor. Ein Standard, der kanadaweit zu stärkerer Nutzung von Wasserstoff als Energielieferant führen soll.

Schwierige Situation in den Vereinigten Staaten

Auch der Leiter der europäischen Projektgruppe zur Durchführung des Fuel Cell and Hydrogen Joint Undertaking (FCHJU), Phillippe Vannson, sieht Normen und Standards als eine der wichtigsten Herausforderungen, um die Technologie marktfähig zu machen.

Das FCHJU ist eine Private-Public-Partnership von EU, Industrie (NEW-IG) und Forschung (N.ERGHY), die bis Ende 2017 läuft. »Eine Partnerschaft ist der einzige realistische Weg, um die Marktfähigkeit zu erreichen. Wir müssen zusammenarbeiten«, so Vannson. Ziel der Gemeinschaft ist es, Entwicklung und Einsatz der BZ voranzutreiben und eine technologische Grundlage für die Kommerzialisierung zu schaffen. Unter anderem fördern die Partner auch Projekte für stationäre, portable und mobile Anwendungen.

Die derzeitigen Schwierigkeiten in den USA stellte Robert Rose vom US Fuel Cell Council vor: »Die Obama-Regierung zeigt sich enthusiastisch gegenüber der Brennstoffzelle, aber sehr skeptisch gegenüber Fahrzeugen und Wasserstoff als Treibstoff.«

Der Energieminister Steven Chu sehe einer baldigen Kommerzialisierung der Brennstoffzelle eher skeptisch entgegen. Erste Anwendungen lägen nach seiner Auffassung eher im stationären Bereich. Robert Roses Fazit: »Es ist immer noch viel zu tun, um Brennstoffzelle und Wasserstofftechnologien in Obamas Energiepolitik zu integrieren.«

In Japan, dem Vorreiterland der BZ, sieht die Situation etwas anders aus: Die stationäre Brennstoffzelle im Haushaltskundenbereich entwickelt sich gut. »Wir stehen kurz vor der Marktdurchdringung«, so Kunihiro Nishizaki von Tokyo Gas. Über 3.000 PEMFC-Systeme laufen, gefördert durch das Demonstrations-Projekt von METI.

Einige Hersteller und Wasserstofflieferanten, darunter Tokyo Gas, haben nun damit begonnen kommerzielle Produkte der PEMFC zur Warmwasserbereitung unter dem einheitlichen Markennamen ›ENE FARM‹ einzuführen. Um die Marktdurchdringung voranzutreiben, unterstützt die japanische Regierung Kunden, die das System installieren, mit entsprechenden Geldern. »Die größte Herausforderung bleibt bestehen: Die Kostenreduktion«, fasst Nishizaki zusammen. Um diese zu bewältigen, müsse man etwa Techniken zur Massenproduktion einführen.

Im portablen Segment spielt die Brennstoffzelle ihre Trümpfe in Nischenmärkten aus: dort wo es um wochen- oder monatelange netzunabhängige Stromversorgung kleiner Systeme geht, etwa der Sensorik in Mess- und Überwachungsstationen.

Darunter fällt auch das Container-Tracking. Dieses Einsatzgebiet für Mikrobrennstoffzellen sieht Alexander Dyck, Projekt-Manager für BZ bei FWB Kunststofftechnik in Primasens, als zukunftsträchtig an. »Die Wege besonders wertvoller oder gefahrenträchtiger Güter fernzuüberwachen ist bislang mit Akku-Einsatz sehr aufwendig.« Hier böte die Zelle Möglichkeiten.

Das von FWB in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE entwickelte Mikrobrennstoffzellensystem soll bis 2012 im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) umfangreiche Praxistests bestehen.

Aus Handys oder Laptops wird die Brennstoffzelle die Akkus aber in absehbarer Zeit nicht verdrängen: »Das ist ein kostengetriebener Massenmarkt, auf dem die Brennstoffzelle nicht mithalten kann«, hieß es auf dem Brennstoffzellen-Fachforum.

Gute Marktchancen für die Technologie sieht Ulf Groos vom Fraunhofer ISE indes bei Handy-Ladestationen, die mit Brennstoffzelleneinsatz netzunabhängig funktionierten. Die EU setze sich derzeit für standardisierte Schnittstellen bei Handys ein. Das könne den Weg für die Ladestationen frei machen. (mwi) •••

f-cell Award

Alltagstauglich

Daimler hat den mit 12.500€ dotierten f-cell Award in Gold für seinen neuen Bus erhalten. Gegenüber dem Vorgängermodell verbrauche er bei höherer Reichweite und längerer Lebensdauer 50% weniger Wasserstoff, so die Juroren. Den silbernen Award teilen sich Ekpro und Schunk für eine innovative Produktionstechnik.

Erschienen in Ausgabe: 04/2009