Erdgas-Kooperation noch zu voreilig

Börsen Das Zusammengehen von EEX und Powernext betrifft den Stromhandel. Auch beim Erdgas scheint dies möglich, doch zuerst muss hier der Markt im Inland liquider werden.

18. Februar 2008

Die Zusammenlegung der Strom- Spot- und -Terminmärkte von European Energy Exchange (EEX) und Powernext in eigene Gesellschaften trägt »den Bestrebungen nach einer Europäisierung des börslichen Energiehandels Rechnung«, heißt es in der Pressemitteilung der Leipziger Energiebörse. Der Beschluss schließe auch die Weiterverfolgung eines mit der belgischen Energiebörse Belpex abgeschlossenen ›Letter of Intent‹ zur Kooperation ein.

Während die gemeinsame Spotmarktgesellschaft ihren Sitz in Paris haben wird, soll der Terminmarkt in Leipzig angesiedelt werden. Die Abwicklung aller Produkte aus dem Spot- und Terminmarkt, das sogenannte Clearing, wird über die European Commodity Clearing AG (ECC) in Leipzig erfolgen.

Für Maik Neubauer, Vorstandsmitglied der EEX AG, ist klar, dass der Kunde sowohl von den länderübergreifenden Standards als auch von der gestärkten Transparenz profitiert: »Die Marktgebiete, die die Kooperation umfasst, stehen für 36 Prozent des physischen Verbrauchs in Europa. Dadurch wird noch mehr Liquidität als bisher auf einer Handelsplattform gebündelt. Das davon ausgehende Preissignal als Referenzpreis wird aussagekräftiger und verlässlicher.«

Die Energiebörsenlandschaft in Europa entwickelt sich rasant. Allein im Strombereich gibt es inzwischen etwa 20 Börsen und Börseninitiativen. Hinzu kommen Internetplattformen und Broker. Dazu Neubauer: »Diese Marktplätze treten in starken Wettbewerb zueinander.« Ein logischer Schritt ist der der Konsolidierung. Dies scheint auch von der EU gewünscht.

Der EU-Kommissar für Energie, Andris Piebalgs, sagte bereits Mitte 2007, dass die EEX zwar ein gutes Modell für eine europäische Strombörse sei, aber bisher noch nicht groß genug. Das Idealbild des Energiekomissars ist eine europäische Strombörse mit verschiedenen Standorten.

Und wie sieht es mit dem Modell einer europäischen Gasbörse aus? Neubauer: »Seit 2006 kooperieren wir bereits sehr erfolgreich mit der niederländischen Derivatebörse ENDEX. Aus Leipzig heraus bieten wir für den niederländischen Gasterminmarkt das Clearing und Settlement an.« Weitere Kooperationen seien denkbar – derzeit sei dies jedoch aufgrund des jungen Marktes in Deutschland noch »etwas voreilig«.

41 Teilnehmer bei Erdgas

Die EEX startete im Juli 2007 den börslichen Handel mit H-Gas sowohl im Spotals auch im Terminmarkt. Bis dahin wurde Erdgas in Deutschland vor allem über langfristige Lieferverträge gehandelt, kurzfristige Geschäfte konnten nur bilateral in den sogenannten OTC-Märkten abgeschlossen werden. Einen allgemein anerkannten Marktpreis für Erdgas wie in Großbritannien gab es noch nicht.

Der Spothandel war zunächst auf das Marktgebiet des Ferngasnetzbetreibers BEB begrenzt, auf das 15 % des deutschen Transportvolumens entfällt. Im Terminmarkt der EEX wird Erdgas in den zwei Marktgebieten Deutschlands, BEB und E.on Gastransport, für den aktuellen Monat, die nächsten sechs Monate, sieben Quartale und sechs Kalenderjahre gehandelt. Mit Beginn des neuen Gaswirtschaftsjahres am 1. Oktober 2007 hat die EEX den Spothandel im Marktgebiet der E.on Gastransport eröffnet, das nach dem Zusammenschluss der ursprünglich drei Marktgebiete rund 45 % des deutschen H-Gas-Volumens umfasst.

Zum Jahresende zog die Energiebörse eine positive Zwischenbilanz: Die Zahl der Teilnehmer sei von 26 bei Handelsbeginn auf nunmehr 41 angestiegen. Weitere Teilnehmer befänden sich im Zulassungsprozess, betont die EEX, die für 2008 hofft, dass sich weitere Händler und Versorger beteiligen werden.

Diese Erwartungen beziehen sich auch auf die sogenannten Market Maker. Wie im Strommarkt sind diese notwendig, um die Grundliquidität in dem noch jungen Markt zu sichern. »Nach anfänglichen Schwierigkeiten unterstützen unsere Market Maker mit einer marktorientierten Quotierungspolitik das Wachstum des Marktes«, berichtet Neubauer. Auch mit den gehandelten Volumina zeigt sich die EEX zufrieden. Am Spotmarkt waren es seit Handelsbeginn 404.670 MWh. Neubauer: »Das Spothandelsvolumen lag somit schon in den ersten Monaten höher als die börslich gehandelten Spotmarktgasgeschäfte am TTF in Holland.« Am Terminmarkt wurden im selben Zeitraum 3.697.920 MWh Erdgas gehandelt. Darin sind 58.300 MWh aus dem OTC-Handel enthalten.

Langfristig will die Energiebörse den Erdgashandel als weiteres Standbein neben dem Stromhandel etablieren. Neubauer dämpft hier jedoch die Erwartungen ein wenig: »Bis sich für Deutschland ein anerkannter Marktpreis für Erdgas ausbildet, wird es noch dauern.« Positive Impulse erhofft sich die EEX von der weiteren Zusammenlegung von Marktgebieten.

Durch die jüngst angekündigte Zusammenlegung der Marktgebiete von E.on und bayernets verringert sich die Zahl der H-Gas-Marktgebiete in Deutschland von neun auf acht. Laut Bundesnetzagentur sollen es zum nächsten Gaswirtschaftsjahr, das am 1. Oktober 2008 beginnt, lediglich noch sechs H- und zwei L-Gas-Gebiete geben. Die Erwartungen der EEX sind hoch: »Langfristig können so für die beiden Gasqualitäten einheitliche Marktgebiete geschaffen werden, um somit eine maximale Liquidität an den virtuellen Handelspunkten zu erreichen «, ist sich Neubauer sicher.

Weniger euphorisch äußert sich der europäische Stadtwerkeverband GEODE, der »noch keine Grund zum Feiern bei acht Marktgebieten« sieht. Wichtiger als die reine Reduzierung der Anzahl der Gebiete sei eine Untersagung der Marktgebiete, in denen keinerlei nennenswerte Handelsaktivitäten stattfänden. GEODE fordert deshalb, dass die »Kleinteiligkeit der Marktgebietslandschaft ein schnelles Ende finden muss«.

Um den Handel zu stärken, verlängert die EEX die ›Fee Holiday‹ für Erdgas. Für Day-Ahead-Kontrakte und Weekend-Baseload-Kontrakte mit Erdgaslieferungen in Deutschland wird jetzt anstatt der üblichen 4 Ct/MWh ein ermäßigtes Transaktionsentgelt von 1 Ct/MWh erhoben. Bei Futures auf Erdgas sowie OTCGeschäften (EFP) wurde von einem auf 0,5 Ct/MWh reduziert. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 01/2008