Erfahrungsaustausch

Chinesische Delegation informierte sich über Erdgas als Kraftstoff

Auch in China wird über Kraftstoffalternativen nachgedacht: Wegen der großen Erdgasvorkommen würde sich dort der Umstieg auf Erdgas als Kraftstoff lohnen. Was in diesem Fall zu beachten wäre, erfuhr eine chinesische Delegation bei einem Besuch in Deutschland.

17. April 2001

Ungewöhnlichen Besuch hatte die Bayerngas GmbH, München, im Frühling diesen Jahres: Eine Delegation aus China hatte sich angekündigt. Auf einer Tour durch die Niederlande, Deutschland, Österreich und Italien wollten sie erfahren, wie in Europa mit dem Thema Erdgas als Kraftstoff umgegangen wird.

Gas als Kraftstoff ist in China kein Novum, allerdings ist dort LPG verbreitet. Mit Erdgas bestehen keine nennenswerten Erfahrungen. Doch gerade Erdgas wäre besonders attraktiv, denn die gewaltigen Vorkommen, die dort unter der Erde schlummern, bieten sich unter anderem als Kraftstoff an. Vom Brennwert entspricht das chinesische Gas großenteils dem hiesigen L-Gas, das sich im Fahrzeugeinsatz bewährt hat.

Unzählige Fragen brachten die Besucher mit: Wie verdauen die Fahrzeuge schwankende Erdgasqualitäten? Welche Leistungseinbußen sind gegenüber dem Benzinbetrieb zu befürchten? Und welche technischen Änderungen sind am Fahrzeug notwendig? Auch das Thema Sicherheit - bei Fahrzeug und Tankstelle - interessierte sie, weswegen sich neben Vertretern aus der Politik einige Konstrukteure auf den Weg nach Europa gemacht haben.

Antworten fanden die chinesischen Besucher in Fachvorträgen und vor Ort. Zum Thema Verbreitung und Fahrzeugtechnik sowie der Zusammenarbeit von Gaswirtschaft, Politik und Automobilherstellern gaben Referenten der Bayerngas und geladene Redner Auskunft. Bayerngas konnte in den vergangenen Jahren einiges Know-how in Sachen Erdgasfahrzeuge aufbauen, arbeitet engagiert mit Fahrzeughändlern zusammen, ist selbst im Besitz verschiedener bivalenter Fahrzeuge und verfügt außerdem über einen gut motorisierten monovalenten Erdgas-Audi, der die Möglichkeiten der Erdgasnutzung mit Fahrspaß unterstreicht.

Chinesische Politiker und Techniker auf Info-Tour

Auch Dr. Hartmut Hechler, bei der Bayerngas für Marketing zuständig, ist „mit Erdgas mobil“, so dass die Besucher von ihm nicht nur Antworten auf ihre Fragen bekamen, sondern auf der Fahrt zu einer Tankstellenbesichtigung gleichzeitig erleben konnten, wie unproblematisch die Fortbewegung mit Erdgas im Pkw oder Kleinbus ist.

Damit nicht nur graue Theorie das Programm füllt, hat Bayerngas neben einer Ausfahrt mit den Erdgasfahrzeugen auch die Besichtigung einer Tankstelle organisiert. Ziel war die Tankstelle in Freising der Hadersdorfer-Busbetriebe, Moosburg, die rund ein Dutzend Busse anfahren. Eingesetzt werden die Fahrzeuge des Unternehmens im öffentlichen Personennahverkehr in Freising und Umgebung und als Shuttles zum Flughafen.

Nicht zuletzt wegen des Investors hat Manfred Schöffl, Vertriebsleiter beim Tankstellenlieferanten Bauer Kompressoren, München, dieses Ziel vorgeschlagen, denn hier sind keine Gelder der Stadt geflossen, hier ist Wirtschaftlichkeit oberstes Gebot. Sicherlich kostet die Anschaffung einer Erdgastankstelle einiges, doch „die Bürger und Fahrgäste sind froh über die deutlich reduzierten Abgase und Geräuschemissionen“, wie ein Fahrer des Busunternehmens berichtet - ein sauberes Image kann sich auszahlen.

In Freising leistete anfangs eine kleine Compact-Fuel-Station ausreichende Dienste, doch mit zunehmender Anzahl der Busse stieß diese an ihre Grenzen. Heute befindet sich eine Tankstelle vom Typ CFS 28.22-90/22.12-30 auf dem Betriebshof. Sie kann bei einem Druck von etwa 10 bar im Gasnetz insgesamt 535 m3 stündlich bei maximal 300 bar liefern. Die als Duo- Anlage aufgebaute Verdichterstation beinhaltet zwei mit Niedrigtarifstrom betriebene Kompressoreinheiten, die wechselweise betriebskostenoptimiert für ausreichend viel komprimiertes Erdgas sorgen. Die Pufferfunktion übernimmt ein Drei-Bank-Röhrenspeicher mit 14.000 l Volumen und einem gespeicherten Gasgewicht von 3,2 t. So ist sichergestellt, dass mehrere Busse in kurzen Abständen an der Zapfsäule betankt werden können.

Die Besucher aus dem fernen China interessierten sich auch für den Vorgang des Betankens an sich und für technischen Besonderheiten der Busse. Experte Schöffl erklärte die Abrechnung per Tankkarte, die deutschen Sicherheitsvorschriften, die Art der Anschlüsse und Besonderheiten der Fahrzeuge.

Anlagenbauer hoffen auf Chancen in ChinaDas Interesse der Delegation weckt Hoffnungen: Vielleicht eröffnet sich für Anbieter von Erdgastankstellen, Fahrzeugzubehör und dergleichen in der Fremde bald ein lukrativeres Geschäft als hierzulande. Durch die immensen Vorkommen im eigenen Land könnten Chinas Autofahrer leichter für den alternativen Kraftstoff zu begeistern sein als Deutschlands Autofahrer und Flottenbetreiber. (du)

Mit Erdgas-Audi zum 24-Stunden-Rennen Renneinsatz belegt Potenzial der Erdgastechnologie

Zum traditionellen 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring am 24. und 25. Juni 2000 setzt das Team Thyssengas-Abt erneut auf einen erdgasgetriebenen Audi A4 quattro. Stand im Vorjahr bei der Weltpremiere am selben Ort noch die Zielankunft im Vordergrund, wollen Thyssengas und Abt Sportsline jetzt die Leistungsfähigkeit des Erdgasantriebs mit einer Topplatzierung unter Beweis stellen.

Grüne Hölle zweimal rund um die Uhr: Die 24-Stunden-Hatz über die legendäre Nordschleife stellt die wohl größte Herausforderung im Tourenwagensport dar. Einer der ganz heißen Favoriten auf den Gesamtsieg des Langstreckenrennens geht erneut in der Klasse „Alternative Kraftstoffe“ an den Start: Der gemeinsam mit Thyssengas konzipierte und vom renommierten Tourenwagenteam Abt Sportsline eingesetzte Audi A4 quattro Turbo setzt auf Erdgas. „Der Rennsport bietet die ideale Bühne, um die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile dieser Antriebsart unter den Autofahrern bekannter zu machen“, erläutert Bernhard Witschen, Geschäftsführer des in Duisburg ansässigen Energieversorgers Thyssengas. „Erst kürzlich ist Erdgas von einer Expertenkommission als eine von drei Kraftstoffalternativen benannt worden, die künftig Benzin und Diesel ersetzen sollen. Die Zeichen für Erdgas im Verkehr stehen daher auf Grün.“

Abt Sportsline aus Kempten rüstet nicht nur seit vielen Jahren Serienfahrzeuge auf Erdgasantrieb um, die Allgäuer profilierten sich auch als eines der führenden Tourenwagen-Rennteams Deutschlands. So gewann Stammpilot Christian Abt auf einem Audi A4 quattro im Vorjahr die Deutsche Supertourenwagen-Meisterschaft (STW).

Den Audi A4 quattro für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring baute das Abt-Team nach dem aktuellen STW-Reglement auf. Einziger Unterschied des mit hochkarätiger Renntechnik ausgerüsteten Tourenwagens zu Christian Abts Meisterauto: Als Antrieb kommt ein Zweiliter-Fünfventil-Motor mit Turbolader zum Einsatz.

Erschienen in Ausgabe: 06/2000