Erfolgsstory ohne Stütze

WÄRMEPUMPE - Steigende Preise für Öl und Gas treiben das Marktwachstum der Wärmepumpe auf 30 % pro Jahr. Die Technik ist effizient und wenig störanfällig. Die Branche bemängelt aber fehlende staatliche Unterstützung.

04. Januar 2006

Wärmepumpen sind wahre Experten in Bezug auf Energieeffizienz: Aus einer Kilowattstunde elektrischer Energie werden vier bis fünf kWh Wärme aus erneuerbaren Energien. Und genau dies ist auch der große Vorteil gegenüber anderen Heizvarianten, denn gas- oder ölbetriebene Heizungen können die zur Verfügung stehende Energie maximal zu 100 % ausnutzen. Kein Wunder, dass der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) kräftig die Werbetrommel betätigt: „Wer bei seiner Heizungssanierung auf Wärmepumpen setzt, kann seine Heizkosten um bis zu 40 Prozent senken“, sagt BWP-Vorstand Karl-Heinz Stawiarski.

Von diesen Zahlen lassen sich immer mehr Verbraucher überzeugen. Im vergangenen Jahr ist der Markt für Wärmepumpen-Heizungen in Deutschland laut BWP um 30 % gewachsen, im Vergleich zu den Absatzzahlen von 1998 hat sich das Marktvolumen sogar mehr als verdoppelt. Über 12.500 Wärmepumpen wurden laut BWP-Statistiken im Jahr 2004 bundesweit verkauft. „Bald dürfte die einhunderttausendste Wärmepumpe in Deutschland installiert werden“, jubelt der Verband. Mitte 2005 hätten bereits über 95.000 Häuser in Deutschland ihre gesamte Heizenergie durch Wärmepumpen gewonnen. Bei günstigen Rahmenbedingungen könnten bis 2020 insgesamt 200.000 Anlagen in Deutschland installiert sein. Die Umwelt würde dadurch jährlich eine Verminderung der klimaschädlichen CO2-Emissionen von 590.000 t erfahren.

Kein Wunder, dass auch die Stromversorger die Wärmepumpe zunehmend als Möglichkeit sehen, um ihren Absatz zu erhöhen. Im RWE-Konzern koordinieren die Lechwerke ein Schlüsselprojekt in diesem Bereich. „Der Markt für Wärmepumpen boomt“, sagt Paul Waning, Vorstandsmitglied der Lechwerke AG (LEW). Das Wachstumspotenzial hänge von mehreren Faktoren ab: der Wirtschaftlichkeit, dem Zinsniveau, der künftigen Wohnbauförderung in Deutschland und einer möglichen Stromsteuerbefreiung der Wärmepumpe.

Waning geht aber davon aus, dass der Boom anhält: „Das Umweltbewusstsein, die ausgereifte Technik und die Preisentwicklung bei den Wettbewerbsenergien Öl und Gas sprechen dafür.“

Alpenländer sind Vorreiter

Im Neubaubereich liegt der Marktanteil bundesweit bei etwa 6,5 %. Die skandinavischen Länder und die Alpenländer Schweiz und Österreich sind hier deutlich voraus. In der Schweiz werden über 50 % der Neubauten mit der umweltfreundlichen Technik beheizt.

Auch bei den Lechwerken zeigen sich erste Erfolge. Im vergangenen Jahr lag der Marktanteil im Neubaubereich bei fast 12 %. „Wir streben bis 2010 einen Anteil von 20 % an. In Bezug auf den Gesamtwärmemarkt traue ich der Wärmepumpe bis zum Jahr 2015 einen Marktanteil von 10 Prozent zu“, prognostiziert Waning.

Um dies zu erreichen fördert die LEW die Markteinführung. Dazu Waning: „Bereits heute ist die Wärmepumpe umweltfreundlich und wirtschaftlich zugleich. Was der Wärmepumpe fehlt, sind staatliche Unterstützung und Bekanntheit.“ Genau hier setzt die LEW an und führt etwa Handwerk und Hersteller zusammen. Neben der verstärkten Werbung bietet der Energieversorger eine gemeinsam getragene Anschubfinanzierung, nach dem Motto: „Und der Strom für das erste Jahr ist auch schon dabei.“ Für längerfristige Zwecke hat man einen Sondervertrag für Wärmepumpen im Portfolio. „Wir behalten uns vor, die angeschlossenen Wärmepumpen für maximal dreimal zwei Stunden pro Tag zu unterbrechen. Nach diesem Sondervertrag ergibt sich für Wärmepumpen-Kunden ein durchschnittlicher Strompreis von 10,76 Cent pro kWh inklusive aller Steuern und Abgaben“, berichtet das LEW-Vorstandsmitglied. Für den erforderlichen Zweitarifzähler mit Rundsteuergerät kommt noch ein jährlicher Betrag von 56,94 € hinzu.

Ein Pluspunkt der Wärmepumpe ist die hohe Zuverlässigkeit. Dies hat auch eine Umfrage der LEW bei Anwendern ergeben. „Die Sparsamkeit einer Wärmepumpe wurde ganz klar als wichtigstes Kriterium für die Kaufentscheidung genannt“, berichtet Waning. Es folgten Zuverlässigkeit, Umweltfreundlichkeit und Unabhängigkeit. Alle vier Kriterien wurden mit einer Eins oder Zwei innerhalb einer Fünferskala bewertet. Doch auch die Platzersparnis war für viele Befragte ein durchaus schlagendes Argument.

Besonders beeindruckend sei die Tatsache, dass 86 % die Wärmepumpe an Freunde und Bekannte weiterempfehlen würden, sagt der LEW-Vorstand. Nachbesserungsbedarf gebe es im Gegensatz zur Technik und Umweltfreundlichkeit bei der Koordinierung der Handwerksleistungen. „Um eine Wärmepumpe fachgerecht einzubauen, müssen Architekt, Heizungsbauer, Elektriker, Brunnenbauer oder Geologen Hand in Hand arbeiten. Dies scheint nicht immer gut zu klappen.“

Die Lechwerke reagieren darauf und werden zusammen mit Herstellern und Handwerk ein Netzwerk aufbauen das „reibungslos zusammenspielt und von dem alle etwas haben“.

Auch im Altbau ist die Wärmepumpe eine Alternative. Das zeigten die täglichen Beratungsgespräche, sagt Waning. „Nicht selten errechnen wir Energiekosten-Einsparungen von mehr als 1.000 Euro pro Jahr.“ Natürlich sei es schwierig, eine Sole-Wärmepumpe mit Flächenkollektor für den Altbau einzubauen. Hier eigneten sich in erster Linie Luft-Wärmepumpen.

Dazu Waning: „Da in unserem Netzgebiet reichlich Grundwasser vorliegt und die Arbeitszahl einer Grundwasser-Wärmepumpe über der einer Luft-Wärmepumpe liegt, entscheiden sich viele Kunden bei der Althaussanierung auch für diese Variante.“

Auch der Sektor Gewerbe- und Industrie scheint attraktiv, obwohl dort häufig höhere Temperaturen benötigt werden. „Die Wärmepumpe ist eher für Büroräume einsetzbar“, sagt Waning. Immer häufiger würden dort aber gleichstromgesteuerte Inverter-Wärmepumpen eingesetzt. Ihr Vorteil: Sie könnten reversibel betrieben werden. Das heißt, sie kühlen im Sommer und heizen im Winter. Größere Filialunternehmen beheizten und kühlten ihre Shops bereits damit, berichtet der LEW-Vorstand.

Für öffentliche Gebäude hat sich in der Schweiz noch eine andere Wärmepumpentechnologie entwickelt. Hier werden in öffentliche Abwasserkanäle Wärmetauscher eingebaut. Dem Abwasser wird Energie entzogen und einer Wärmepumpe zugeführt.

Trotz der positiven Vorzeichen fehlt der Branche die politische Unterstützung. „Ein Indikator für die politische Nichtbeachtung dieses hocheffizienten Produktes ist die nicht existente Förderung und damit Diskriminierung gegenüber anderen erneuerbaren Energien“,

beklagt etwa Dr. Heinrich-Hermann Schulte vom Verband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH). Kriterium für die Förderung von Technologien soll deren Effizienz sein - ohne jede Festlegung auf eine einzelne Systemtechnik, fordert Dr. Schulte.

Politische Rückendeckung vermisst auch Paul Waning: „Die Wärmepumpe wird oftmals als Stromheizung missverstanden. Das Problem dabei ist, dass der sehr große regenerative Wärmeanteil außer Acht bleibt.“ Nachdem die Wärmepumpe eine der effizientesten Möglichkeiten zur CO2-Reduktion und zur Vermeidung von Feinstäuben sei, wäre es sinnvoll, dass die Politik nicht nur Hackschnitzel, Pellets oder Biomasse fördert, sondern auch die Wärmepumpe. Die beste Möglichkeit zur Förderung einer Wärmepumpe wäre eine Befreiung von Strom- oder Ökosteuer.

Trotzdem soll sich die bei der LEW gesammelte Expertise weiter auszahlen. „Unsere zwei großen Schwestergesellschaften, die RWE Rhein-Ruhr und die RWE Westfalen-Weser-Ems Rhein-Ruhr sowie die Pfalzwerke werden Anfang 2006 unsere Vermarktungsideen übernehmen“, berichtet Waning.

Erschienen in Ausgabe: 12/2005