Ergebnisse der Kosten-Nutzen-Analyse für Smart Meter veröffentlicht

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat die lange von der Branche erwarteten Ergebnisse der Kosten-Nutzen-Analyse für einen flächendeckenden Einsatz intelligenter Messsysteme veröffentlicht.

31. Juli 2013

Diese war Grundlage für die sogenannte ›Rollout-Verordnung‹, die die zukünftigen Rahmenbedingungen beim Einsatz von Smart Metern in Deutschland verbindlich vorschreiben sollte. Die Studie ist nun zu dem Ergebnis gekommen, dass das beschriebene EU-Szenario für Deutschland nicht zu empfehlen ist.

»Die Ergebnisse zeigen, dass wir in Deutschland den Ausbau von intelligenten Messsystemen und Zählern gezielt, nämlich Energiewende-konform, ausgestalten müssen; pauschale Ansätze sind nicht situationsgerecht«, so Staatssekretär Stefan Kapferer. Die Studie, die das BMWi bei Ernst & Young in Auftrag gab, zeige, dass insbesondere bei Letztverbrauchern mit geringem Jahresverbrauch die Kosten für ein intelligentes Messsystem deutlich die durchschnittlich zu erzielende jährlichen Energieeinsparmöglichkeiten übersteige. »Ein verpflichtender Einbau wäre somit unverhältnismäßig und wirtschaftlich unzumutbar«, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

Die Mitgliedstaaten der EU sollen grundsätzlich bis zum Jahr 2022 80 % aller Haushalte mit intelligenten Messsystemen für Strom ausstatten. Grundlage dafür sind Bestimmungen aus dem 3. Binnenmarktpaket und Empfehlungen der EU-Kommission. Als Alternative gab es die Möglichkeit eine Kosten-Nutzen-Analyse durchzuführen. Auf deren Ergebnissen aufbauend die Länder eine eigene Smart-Meter-Strategie entwickeln können.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt insbesondere, dass der Messstellenbetreiber mit den meisten Zählpunkten innerhalb des Gebietes die neu geschaffene Rolle des ›Smart Meter Gateway Administrator‹ grundsätzlich innerhalb eines Verteilnetzgebietes übernimmt. Diese Grundzuständigkeit liege damit bei nur einem Unternehmen pro Netzgebiet, also dem regulierten Verteilnetzbetreiber. Dieser habe jedoch die Möglichkeit zu Kooperation beziehungsweise zur Beauftragung Dritter. Der Letztverbraucher erhalte im Sinne des Wettbewerbs das Recht, einen vom grundzuständigen abweichenden der Smart Meter Gateway Administrator zu wählen.

Aufgabe des Smart Meter Gateway Administrators ist es, die zentrale Rolle im intelligenten Energiesystem zu übernehmen. Er überwacht, konfiguriert und steuert das Smart Meter Gateway. Die Verpflichtung zum Einbau intelligenter Zähler und Messsysteme liegt nach wie vor beim Messstellenbetreiber.

Der VKU begrüßt auch, dass man bei Erneuerbare-Energien- und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, d.h. Altanlagen und Anlagen mit einer Anschlussleistung zwischen 0,25 kW und 7 kW, zukünftig intelligente Messsysteme einbauen muss. Damit werde sichergestellt, dass diese Anlagen einen Beitrag zum netzentlastenden Verhalten leisten können und gleichzeitig besser in das Energiesystem integriert werden können.

VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck lobt, dass es nun »endlich klare Rahmenbedingungen« gebe. Komme es zu dem von der Studie empfohlenen ›Rolloutszenario Plus‹, müssten etwa 50 Mio. intelligente Messysteme und Zähler für Strom und weitere 14 Mio. für Gas bis 2029 eingebaut werden. Außerdem würde die bisher festgelegte Einbauverpflichtung für einen Schwellenwert von 6.000 kWh in diesem Szenario nicht weiter abgesenkt werden.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt die klare Aussage, dass ein flächendeckender Rollout von intelligenten Messsystemen für den Großteil der Kunden unwirtschaftlich ist. Der Verband sieht sich eigenen Angaben zufolge auch in seiner bisherigen Aussage bestätigt, dass der zentrale Nutzen sich erst im Zusammenspiel zwischen intelligenten Messsystemen und steuerbaren Erneuerbaren Energie-Anlagen ergibt. So sollte nach Einschätzung der Gutachter der Rollout intelligenter Messsysteme nicht ohne entsprechende Anpassungen im EEG erfolgen, da erst die Einbeziehung der Möglichkeit, Erneuerbare Energien-Anlagen bis zu maximal 5% ihrer Jahresenergiemenge anlagenscharf fernsteuern zu können, die gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit des Rollouts sicher stellt. Gerade für die Verteilnetzbetreiber stelle das in der Studie angeregte, aktive Einspeisemanagement der EEG-Anlagen eine wichtige Option für den auch künftig sicheren Netzbetrieb und eine effiziente Netzausbauplanung dar.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) will als nächstes die Ergebnisse prüfen und in den Folgeveranstaltungen mit den Teilnehmern der Netzplattform diskutieren.

Über die Netzplattform-Arbeitsgemeinschaft Intelligente Netze und Zähler haben Verbände und Verbrauchervertreter nun Gelegenheit, die Ergebnisse der Studie mit den Gutachtern zu diskutieren. Der Endbericht der Studie steht auf der Seite des BMWi zum Download bereit (externer Link).