Erkannt, doch nicht gebannt

Menschen

Weiterbildung - Zwar erkennen Geschäftsführer und Personaler den hohen Wert, handeln aber nicht alle entsprechend. Das ergab die Umfrage ›VDI educating II‹.

24. April 2012

>Bereits jetzt für die Qualifizierung von morgen sorgen – das spielt auch unter dem Gesichtspunkt des demografischen Wandels eine Rolle. Doch derzeit wird in der Energiebranche nicht genügend für die Weiterbildung getan, um dementsprechend gegenzusteuern.

Das ist ein Ergebnis der Umfrage ›VDI-educating II‹, die das VDI Wissensforum unter Geschäftsführern und Personalverantwortlichen auch von Unternehmen aus der Energiebranche durchgeführt hat. Zwar sind ausnahmslos alle befragten Geschäftsführer und Personaler in der Energiebranche überzeugt, dass die Qualifikation der Mitarbeiter für ihr Unternehmen ein wichtiger Wettbewerbsvorteil ist (100%) und auch, dass Weiterbildung maßgeblich zum Unternehmenserfolg beiträgt (96,1%). Allerdings geben 12,8% der Befragten an, ihren Mitarbeitern nicht ausreichend Weiterbildung zu bieten.

Taten folgen lassen

Der Meinung, dass technische Fach- und Führungskräfte nicht genügend Weiterbildung erhalten, ist knapp ein Drittel der Geschäftsführer und Personalverantwortlichen, nämlich 30,8%. »Dieses Ergebnis ist nicht nachvollziehbar«, sagt Timo Taubitz, Geschäftsführer des VDI Wissensforums. »Erstaunlicherweise erkennen so gut wie alle Geschäftsführer und Personaler den hohen Stellenwert der Weiterbildung an – jedoch handeln nicht alle auch entsprechend konsequent. Nur wer den Worten auch Taten folgen lässt, bleibt am Puls der Zeit und damit wettbewerbsfähig.«

Im Jahr 2010 hatte das VDI Wissensforum technische Fach- und Führungskräfte in verschiedenen Branchen nach ihrer Weiterbildungssituation befragt. In der Energiebranche hatte mit 55% mehr als die Hälfte die Fortbildungsmöglichkeiten für nicht ausreichend gehalten.

Mittel zur Bindung

Befragt nach den möglichen Gründen für diese Aussage geben nun knapp ein Drittel der Geschäftsführer und Personaler zu, dass diese Einschätzung verständlich ist, da tatsächlich weniger Weiterbildung angeboten wird als nötig ist.

Mit 66,7% sind dagegen etwa zwei Drittel der Meinung, das Weiterbildungsangebot werde von den Mitarbeitern geringer wahrgenommen als es tatsächlich ist. Knapp die Hälfte sagen, dass andere Unternehmen offenbar weniger in Weiterbildung investieren als sie selbst - nämlich 48,7%.

Einig sind sich die Geschäftsführer und Personalverantwortlichen jedoch darüber, welche Art von Schulung am wichtigsten ist: 91,1% der Befragten sehen die Fachkompetenz als wichtigste Kompetenz an. Sie liegt auf Platz eins oder zwei der angestrebten Weiterbildungsmaßnahmen.

Danach folgen mit Abstand soziale Kompetenz mit 38,5%, unternehmerische Kompetenz mit 30,8% sowie personale Kompetenz mit 28,2%. »Die Bewertung zeigt, dass Fachkompetenz die wichtigste Voraussetzung ist und bleibt, um mit den aktuellen technischen Entwicklungen mitzuhalten«, kommentiert Taubitz das Ergebnis.

Mit Blick auf die Zukunft bewerten die Befragten Weiterbildung eindeutig als wichtigsten Faktor, um qualifizierte Mitarbeiter zu halten: Ausnahmslos alle geben an, dass dies das Mittel der Wahl sei. 87,2% nutzen zudem Prämien, um Mitarbeiter an sich zu binden. Flexible Arbeitszeitmodelle bieten 78,2%, während 75,6% Wert auf die Unterstützung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie legen. 69,2% gewähren Zuschüsse zur Mitarbeiterversorgung.

Außerdem wird sich nach Meinung der Geschäftsführer und Personalverantwortlichen in den kommenden zehn Jahren der demografische Wandel eindeutig negativ auswirken: 87,2% sehen künftig Probleme beim Recruiting von Nachwuchsingenieuren – dicht gefolgt vom Verlust des Know-hows von Ingenieuren, die in Rente gehen (85,9%). Auch sehen 43,6% der Befragten Probleme darin, Senior-Ingenieure halten zu können. Nur 21,8% erachten es als schwierig, die bereits eingestellten Ingenieure zu qualifizieren.

»Wenn Unternehmen Weiterbildungsmöglichkeiten als wichtigstes Mittel sehen, um gute Mitarbeiter zu halten, und gleichzeitig befürchten, Probleme beim Recruiting und beim Verlust von Know-how zu bekommen, liegt es auf der Hand, dass sie schon heute für morgen qualifizieren sollten«, sagt Taubitz abschließend.

Erschienen in Ausgabe: 04/2012