Ermutigende Perspektiven

Experten diskutieren Wege zur Markteinführung

Die Kommerzialisierung der Brennstoffzellen-Technologie, Hemmnisse und Lösungsmöglichkeiten auf dem Weg dorthin, standen neben aktuellen Entwicklungstendenzen im Mittelpunkt des „Tags der Brennstoffzelle“ in München. Große Chancen für eine Markteinführung werden dabei Flottenverkehrs-Anwendungen eingeräumt.

17. Dezember 2001

Brennstoffzellenaktivitäten sind heute längst nicht mehr technologieverliebte Entwicklungsspielerei. Im Gegenteil: Die Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie und deren breiter Einsatz öffnet neue Geschäftsfelder und sichert Arbeitsplätze.“ Dr. Otto Wiesheu, bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr und Technologie zeigte sich beeindruckt in seiner Eröffnungsrede zum „Tag der Brennstoffzelle“ im Mai im Bayerischen Wirtschaftsministerium in München. Neben einigen stationären Anwendungsbeispielen (unter anderem der MCFC von MTU Friedrichshafen) gab die Ausstellung mit acht Brennstoffzellen- und Wasserstofffahrzeugen einen interessanten Ausblick auf die automobile Zukunft.

Bayern will laut den Worten von Minister Wiesheu aktiv an der weiteren Entwicklung der Brennstoffzellen-Technologie partizipieren und plant, bis spätestens 2002 einen Flottenversuch mit zehn Nahverkehrsbussen zu starten. Auch soll ein Wasserstoff-Nachfolgeprojekt für den Münchner Flughafen erarbeitet werden, in das man möglichst viele Hersteller von Brennstoffzellenfahrzeugen einbinden will.

Erste Flottenversuche in den nächsten Jahren

Von der Fahrtüchtigkeit und Marktnähe von Brennstoffzellen- Fahrzeugen konnte sich Dr. Wiesheu bei einer Rundfahrt im „Bayernbus II“ überzeugen - einem Nahverkehrsbus-Projekt der Starnberger Unternehmen Proton Motor Fuel Cell GmbH und Magnet Motor GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bushersteller Neoplan G. Auwärter GmbH & Co., Pilsting. Der Bus, der über eine speziell für Stadtverkehrsanwendungen konzipierte neuartige Antriebskombination aus PEM- Brennstoffzelle und Bremsenergiespeicher verfügt, wurde zusammen mit einem weiteren Brennstoffzellen-Nahverkehrsbus des Firmenkonsortiums MAN AG/Siemens AG/Linde AG erstmals der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Beide Fahrzeuge verdeutlichen, worin sich Verkehrsexperten weitgehend einig sind: Die Kommerzialisierung der Brennstoffzellen-Technologie wird neben Einsätzen in der dezentralen Energieversorgung ihren Anfang in Flottenverkehrs-Anwendungen nehmen - Fahrzeuge, die in einem regional begrenzten Gebiet operieren und über zentrale Wasserstoff-Tankstellen mit Treibstoff versorgt werden.

Wie die Lösung für den Individualverkehr aussehen könnte, darüber herrschte auch auf dem hochkarätig besetzten Symposium zum „Tag der Brennstoffzelle“ Uneinigkeit. Während Dr. Erhard Schubert, Direktor des Global Alternative Propulsion Center (GAPC) von GM/Opel, strikt auf Wasserstoff setzte und den Übergangscharakter von Methanol als Treibstoff hervorhob, vertrat man bei DaimlerChrysler die Auffassung, Wasserstoff für den Einsatz in Flottenfahrzeugen, Methanol für den Individualverkehr nutzen zu wollen. Prof. Dr. Ferdinand Panik, Leiter des Projekthauses Brennstoffzelle bei DaimlerChrysler und Geschäftsführer von Xcellsis, der gemeinsamen Tochterfirma von DaimlerChrysler, Ballard und Ford, machte in seiner Rede jedoch die Einschränkung, dass dies keine dogmatische Position sei.

Speicherung als zentrales Thema

Als größte Herausforderung und zentrale Frage wurde die Entwicklung geeigneter Wasserstoffspeicher angesehen, wobei die einst vielgepriesene Kohlenstoff-Nanofaser-Technologie derzeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Bei Bussen sind Druckgasspeichertanks die bevorzugte Lösung, da hier Gewicht, Platzbedarf und Sicherheitsaspekte aufgrund der Dachintegration keine ausschlaggebende Rolle spielen. Sowohl die zwei am „Tag der Brennstoffzelle“ präsentierten Nahverkehrsbusse als auch die von DaimlerChrysler als Nebus-Nachfolger angekündigte Kleinflotte von 20 bis 30 Citaro-Stadtbussen greifen auf das bewährte Speichersystem zurück. Die Variante Flüssigwasserstoffspeicherung findet dagegen viele Fürsprecher im Pkw-Bereich: In München ausgestellt wurden neben dem Necar 4 von DaimlerChrysler die neueste GM/Opel-Brennstoffzellen-Studie auf Basis des Compactvans Zaphira sowie ein BMW 750 hL mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor.

Letzterer ist Teil der von BMW initiierten, 15 Fahrzeuge umfassenden „Clean Energy“-Flotte, die derzeit auf der Expo 2000 im Shuttle- Einsatz ihre Alltagstauglichkeit beweisen soll. Auf Brennstoffzellen- Technologie setzen die Münchener nur im Bereich des Batterieersatzes. Mit der APU (Auxiliary Power Unit) soll, so Dipl.-Ing. Detlef Frank, Leiter Wissenschaft und Forschung BMW Group München, der Wirkungsgrad der Bordstromversorgung verbessert und eine Komfortsteigerung dahingehend erzielt werden, dass Klimaanlage, Standheizung und Kommunikationssysteme sich auch unabhängig vom Antriebsmotor betreiben lassen.

Entwicklungspartner von BMW ist International Fuel Cell (IFC), einer der führenden amerikanischen Brennstoffzellen-Hersteller. Zusammen mit Renault und Delphi Automotive Systems, Rochester/New York, plant BMW zudem, das Batterieersatz-Konzept unter Benutzung einer SOFC-Brennstoffzelle und Benzin/Diesel-Reformer auch auf konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu erweitern und im Markt einzuführen.

BMW ist Mitinitiator der Verkehrswirtschaftlichen Energiestrategie (VES), der neben dem Bundesverkehrsministerium sieben Automobil- und Energieunternehmen angehören (DaimlerChrysler, BMW, VW, MAN, Aral, RWE, Shell). Ziel der VES ist es, sich auf ein oder zwei alternative Kraftstoffe für Personen- und Nutzfahrzeuge zu verständigen. Wie am „Tag der Brennstoffzelle“ zu hören war, tendiert die Gruppe zu Wasserstoff.

(as)

Erdgastankstelle in Graz Gabelstapler fahren sauber

Wie jede Brauerei nutzt auch die Brau-Union, Graz, Gabelstapler für ihre umfangreichen Beförderungsaufgaben. Auf dem Werksgelände der Brauerei Puntigam in Graz, einem der Standorte der Brau-Union, werden täglich etwa 1.600 Paletten befördert. Seit Sommer 1999 steht hier eine Erdgastankstelle, die von der Linde Gas GmbH & Co. KG, Wien, entwickelt wurde. Zusammen mit dem Betreiber Steirische Ferngas AG konnte Linde dieses Pilotprojekt erfolgreich realisieren.

Zunehmende Erschwernisse von Seiten des Arbeitsinspektorats hatten der Brau-Union Probleme bereitet: Für die mit Flüssiggas betriebenen Gabelstapler wurde das Fahren in geschlossenen Hallen mit immer größeren Auflagen verbunden, wie beispielsweise Immissionsmessungen und verstärkte Hallenlüftung. Das nahm Diplomingenieur Klaus Neumann, Steirische Ferngas AG, zum Anlass, sich einen kompetenten Partner zu suchen. Ingenieur Robert Adler von Linde in Wien, löste das Problem. Er nutzte den bereits vorhandenen Erdgasanschluss bei der Brau-Union und entwickelte eine Erdgastankstelle für das Werksgelände. Nach einigen Monaten war es soweit: Innerhalb von knapp drei Wochen schaffte es der Gabelstapler-Lieferant, die rund 30 Fahrzeuge von Flüssiggas- auf Erdgasbetrieb umzurüsten. Inzwischen hat sich das Tanken mit Erdgas längst bewährt, die Vorteile liegen auf der Hand: Die Erdgasstapler dürfen auch in Hallen betrieben werden, das Erdgas ist günstiger und die Betankungszeit erheblich kürzer. Sie liegt bei Erdgas zwischen 30 und 45 s für einen 60-l-Behälter.

Die Tankstelle ist modular aufgebaut und kann beliebig erweitert werden. Jedes Modul verfügt über zwei getrennte Schränke, die auf einem Grundrahmen montiert sind. Durch diesen Aufbau liegen der Kompressorteil und der Antriebsteil separat. Die Leistungsübertragung erfolgt über Hydraulikleitungen. Die Steuerung der CNG 300-30-3 ist frei programmierbar und kann an verschiedene Betriebsbedingungen angepasst werden.

Erschienen in Ausgabe: 08/2000