"Es fehlt noch immer ein genauer Zeitplan"

Management

Anreizregulierung - Alexander Springer, Vorstand des IT-Anbieters prevero AG zum aktuellen Stand und dem ›Draht‹ zur Bundesnetzagentur.

29. Januar 2010

es: Wie stellt sich die Situation nach rund einem Jahr Anreizregulierung aus Ihrer Sicht eines IT-Dienstleisters heute dar?

Der im Herbst stattgefundene Regulierungskongress gab ein ganz gutes Bild der Lage: Das System ist etabliert, man hat sich mit der Grundphilosophie der Anreizregulierung abgefunden. Der durchschnittliche Effizienzfaktor ist höher als man vielleicht vermutet hatte, und die Einschnitte in der Profitabilität sind insgesamt geringer ausgefallen als von mancher Seite erwartet.

es: Das klingt nach einem zufriedenstellenden Zustand.

Ganz so ist es nicht. Es sind noch einige Fragen offen. Über die Qualitätsregulierung wird seit Langem gesprochen, aber es fehlt noch immer ein genauer Zeitplan, auf den sich die Versorger einstellen können. Des Weiteren wird den Netzgesellschaften immer mehr abverlangt, beispielsweise hinsichtlich der Anbindung und Vergütung von dezentralen Einspeisern. Dies sind zwar alles sinnvolle Entwicklungen, aber es wird sich bei der Planung solcher Dinge meiner Meinung nach zu wenig Gedanken gemacht, wer die damit verbundenen Kosten tragen soll.

es: Beklagt wird ja insgesamt die mangelnde Berücksichtigung des Investitionsbedarfs.

Ja. Der große Investitionsbedarf in die Netze wurde bei dem Entwurf der Anreizregulierung zu wenig beachtet. Die Eigentümer werden sich über die nächsten Jahre laufend Gedanken machen müssen, wie denn die Profitabilität im Netz zu erhalten ist.

es: Wie gestaltet sich die Kommunikation mit der Bundesnetzagentur?

Die Versorger haben inzwischen einige Übung in der Kommunikation mit der Bundesnetzagentur und den Landesregulierungsbehörden. Der Ablauf ist einigermaßen eingespielt und zum Teil auch gut planbar. Allerdings steigt die Anzahl der Anfragen laufend und auch der Personalaufwand, verbunden mit den Berichtspflichten, ist relativ hoch. Einige Anfragen werden auch kurzfristig gestellt. Es ist allerdings kaum möglich eine Anfrage zu übersehen, da man durch verschiedene Communities wie den VKU permanent informiert und mit vielen Informationen und Erinnerungsmails versorgt wird. Unsere Kunden arbeiten mit einem speziellen Regulierungskalendern, sodass eine einheitliche Struktur und Übersichtlichkeit gewährleistet werden kann. Dieser Community-Gedanke wird auch von uns verfolgt, er ist ein wichtiger Bestandteil innerhalb der prevero-User-Group. Die Mitglieder tauschen sich untereinander aus und unterstützen sich durch Best-Practice-Lösungen gegenseitig.

es: Wie lässt sich die Situation verbessern?

Es ist nicht einfach, den Kommunikationsprozess noch besonders stark zu standardisieren, da sich die Anfragenformate sehr oft ändern und angepasst werden müssen. Hier haben wir sogar schon den Versuch gestartet, gemeinsam mit anderen Anbietern von Regulierungsmanagement-Lösungen mit der Bundnetzagentur in Kontakt zu treten, um die Berichtsabgabe stärker zu automatisieren. Doch bisher leider ohne Erfolg.

es: Welche Rückschlüsse lassen sich aus Ihrer Sicht aus diesen Erfahrungen auf die Etablierung eines möglichst effizienten Regulierungsmanagements in den Unternehmen ziehen?

Man benötigt eine konsistente, einheitliche und zentrale Datenbasis, um den Anforderungen einer externen und internen Anfragenverwaltung problemlos gerecht zu werden. Dabei ist die Erfüllung gesetzlicher Berichtspflichten nur ein Teil des Regulierungsmanagements. Der andere Teil zielt auf Regulierungsmanagement im Zusammenhang mit dem Controlling ab. Das heißt: Das Regulierungsmanagement darf man nicht als Selbstzweck sehen, sondern als elementaren Bestandteil der Steuerung der Netzgesellschaft.

es: Inwieweit sind diese praktischen Erfahrungen in Ihre Software-Lösung bereits eingeflossen?

Indem wir das Thema Integration nicht nur in Broschüren transportieren, sondern in prevero energy auch umgesetzt haben. Wir bieten eine Suite zum Netzcontrolling an, die das Regulierungsmanagement, Bewertungsfragestellungen, Netzentgeltkalkulation, Simulationsszenarien, Planung, Berichtswesen und generell Performance-Management-Fragestellungen – sprich: wie erhalte und steigere ich die Profitabilität im Netz – in einem System abbildet. Unsere Suite basiert auf einer integrierten, einheitlichen und konsistenten Business-Intelligence-Plattform, die die Bereiche Planung, Analyse und Berichtswesen vereinigt.

es: Haben Sie weitere Optimierungen geplant?

Aktuell haben wir eine Optimierung in der Paketierung unserer Lösung durchgeführt. Das Netzcontrolling haben wir in diesem Zusammenhang in sechs modulare Bestandteile aufgeteilt. Das Ziel dahinter ist es, auch einzelne Bestandteile zu verwenden und eine schrittweise Einführung in diese Thematik zu ermöglichen. Netzcontrolling ist ein komplexes Thema, das durch unseren Ansatz zur Modularisierung in eine strukturierte Form gebracht wurde. Somit ist es für alle Anwender deutlich transparenter. Neu ist auch eine klar definierte Schnittstelle zum Asset Management und zur Asset Simulation mit unserem Partner intellgenio. Ziel ist, das Berichtswesen noch stärker auszubauen. (mn)

NETZAGENTUR

4,3Mrd.€ genehmigt

Die Bundesnetzagentur hat im Jahr 2009 über rund 200 Anträge auf Genehmigung von Investitionsbudgets entschieden. Insgesamt wurden Investitionsmittel in Höhe von rund 4,3Mrd.€ genehmigt. Hiervon entfallen etwa 4Mrd.€ auf Investitionen in die Übertragungsnetze (Strom), rund 80Mio.€ auf Investitionen in die Fernleitungsnetze (Gas) und rund 230Mio.€ auf Investitionen in die Stromverteilernetze. Insgesamt sind an die Behörde in den Jahren 2008 und 2009 rund 480 Anträge gestellt worden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010