"Europas Batterie für grünen Strom"

Markt

Norwegen - Wind und Gas stehen derzeit im Fokus der deutsch-norwegischen Kooperation. Die Skandinavier spielen auch für das Energiekonzept eine Rolle.

31. Januar 2011

Deutschland und Norwegen pflegen seit vielen Jahren intensive Energiebeziehungen. Neben Russland gehört der skandinavische Nachbar zu Deutschlands wichtigsten Lieferanten für Öl und Gas. Durch den Ausbau der Erneuerbaren und dem Plan eines EU-Supergrids ergeben sich weitere Anknüpfungspunkte.

So bekräftigten der deutsche Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Jochen Homann und seine norwegische Amtskollegin Sigrid Hjørnegård auf der 1. Deutsch-Norwegischen Energiesicherheitskonferenz im Dezember auch in Zukunft eng zusammenzuarbeiten.

Wichtiger Partner

Sie machten deutlich, dass vor den Herausforderungen im Bereich der Versorgungssicherheit sowie schwindender fossiler Ressourcen die bilaterale Zusammenarbeit beider Länder weiter an Bedeutung gewinnen wird. Gas wird auch zukünftig einen wesentlichen Beitrag für Deutschlands Energiesicherheit leisten.

Als wesentliche Treiber in der bilateralen Zusammenarbeit beider Länder sieht Homann neben der im November vorgestellten Energiestrategie der EU das deutsche Energiekonzept. Damit habe die Bundesregierung erstmalig seit vielen Jahren wieder eine Roadmap für die Energiepolitik. Ganz wesentlich werde die Förderung der Erneuerbaren sein.

Das für 2011 geplante Konzept ›Zielnetz 2050‹ wird ergänzend zum Energiekonzept den wesentlichen Infrastrukturbedarf in Deutschland aufzeigen, um die Erneuerbaren auch sinnvoll einbinden zu können, so Homann weiter. Ganz oben auf der Agenda steht die Schaffung von Speichermöglichkeiten, um Schwankungen besser auszugleichen sowie der Ausbau von Interkonnektoren.

Norwegen sei dabei ein wichtiger Partner, so Homann, auch aufgrund der vorhandenen Pumpspeicherkapazitäten. Der skandinavische Nachbar speist bereits heute 60% seines Gesamtbedarfs aus erneuerbaren Energien. Das ist dreimal so viel, wie das von der EU gesetzte Ziel für 2020. Bei der Stromerzeugung steigt dieser Anteil dank Wasserkraft sogar auf 99%.

Zweiergespann Wind und Wasser

Unter anderem um den Ausbau der Offshore-Windenergie stärker voranzubringen, hat die Europäische Kommission außerdem Mitte November das Energieinfrastrukturpaket veröffentlicht. Darin werden prioritäre EU-Korridore zur Förderung des Strom- und Gassektors vorgestellt.

Das Offshore-Netz in den nördlichen Meeren gehört zu den ausgelobten Regionen, für die ab 2012 zusätzliche Baugenehmigungen sowie EU-Fördermittel bereitgestellt werden. Ziel ist dabei auch, eine bessere Verbindung der Netze von Nord- und Zentraleuropa.

»Mit diesen Verbindungen können wir Europas Batterie für grünen Strom werden«, betonte Øyvind Isachsen, Managing Director von NORWEA, dem größten Wind-Branchenverband in Norwegen. Grüner Strom heißt für Isachsen vor allem Energie aus den geplanten Offshore-Windparks in der Nordsee. Mit seinen zahlreichen Stauseen und Pumpspeicherwerken bietet Norwegen beste Voraussetzungen, die gewonnene Energie zwischenzuspeichern.

In der Umsetzung großer Windanlagen suchen norwegische Unternehmen gezielt die Zusammenarbeit mit Deutschland. »Wir profitieren von den Erfahrungen der deutschen Kollegen«, so ein Mitarbeiter von Statkraft. Vor allem der Offshorebereich stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Während Windparks bisher vor allem in flachen, küstennahen Gewässern errichtet wurden, verlagern sich neuere Projekte immer weiter in die offene See.

Die erneuerbaren Energien werden damit künftig eine stärkere Rolle in den deutsch-norwegischen Beziehungen spielen. Die ersten Grundsteine dazu sind sowohl von Regierungs- als auch Unternehmensseite gelegt. Will die Bundesregierung die ehrgeizigen Ziele des Energiekonzeptes erreichen, wird dies jedoch nicht ohne die Einbindung von Gas möglich sein. »Wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht, sind Erdgas-Kraftwerke eine sinnvolle Ergänzung«, betonte Jan Rune Schøpp, Vice President, Natural Gas, von Statoil.

Gegen die Unsicherheit

Als kohlenstoffarmer Rohstoff bietet Erdgas eine wichtige Ergänzung für einen nachhaltigen Energiemix. Norwegen ist hier seit Jahren ein verlässlicher Partner. So verfügt der skandinavische Nachbar über Erdgasvorräte in der Nordsee, der Norwegischen See und der Barentssee.

2009 deckten norwegische Gaslieferungen bereits mit nahezu 35bcm 29% des deutschen Gasbedarfs. Während die Bundesregierung langfristig einen Rückgang im Gasbedarf sieht, geht Statoil, größter Gas- und Ölproduzent in Norwegen, jedoch von einem weiter steigenden Bedarf aus.

Staatssekretärin Hjørnegård verwies dabei auf die Gasreserven im norwegischen Kontinentalschelf, der erst zu 20% erforscht ist. Experten vermuten dort 25% der weltweiten Öl- und Gasreserven. Diese zu erschließen dürfte aufgrund der rauen Bedingungen und der nicht vorhandenen Infrastruktur jedoch nicht unproblematisch sein.

Vor diesem Hintergrund verdeutlichte Martin Bachmann, Vorstandsmitglied von Wintershall, einem der größten Lizenzhalter auf dem norwegischen Schelf: »Unternehmen brauchen von den Regierungen der Importländer ein klares Bekenntnis, dass Gas auch künftig eine wichtige Rolle im Energiemix der Zukunft spielen wird. Nur so können sie Investitionen in Forschung und Entwicklung sicherstellen.«

GASBESCHAFFUNG

Studie: Handelspreise immer wichtiger

Die Beschaffung über Handelspunkte führt nicht nur zu günstigen Bezugskonditionen, sondern auch zu neuer Transparenz im deutschen Gasmarkt. Der Festpreis ist neben dem Handelspreis wichtigstes Prinzip zur Bepreisung geworden. Das sind Ergebnisse einer Studie der PA Consulting Group.

Regionalversorger und Stadtwerke sehen besonders in der Art der Produkte und der Entwicklung der Handelsplattformen eine Annäherung an den Strommarkt. Die Preisbildung über Börsen ermöglicht gerade für Sondervertragskunden eine bisher nicht erlebte Transparenz. Versorger können nicht mehr mit traditionellen Preismodellen überzeugen, sie müssen sich dem Wettbewerb stellen.

Die Beschaffung über Handelspreise erfordere veränderten Umgang mit Flexibilität. Bereits geringe Abweichungen von Jahresabnahmemengen werden bei Geschäften mit Handelsprodukten zu Risikoposten.

Die Ergebnisse zeigen, dass traditionelle, flexible Beschaffungsarten , die Spielraum in der Jahresmenge ohne Preisanpassung zulassen, weiter als attraktiv angesehen werden. Im vergangenen Jahr geriet noch jedes fünfte der befragten Unternehmen mit bestehenden Take-or-Pay-Verträgen in Schwierigkeiten.

Erschienen in Ausgabe: 01/2011