Exakter Plan von Prozess und Invest

Managment

Regulierung - Damit EVU bei sich abzeichnenden sinkenden Netzentgelten noch eine akzeptable Rendite erwirtschaften, brauchen sie neue Hilfsmittel.

14. April 2009

Ein wichtiges Ziel der Anreizregulierung sind niedrige Netznutzungsentgelte, die sich über einen effizienten Betrieb im Rahmen des Asset Managements erreichen lassen. Verbesserte Analyseverfahren bis auf Anlagen- und Betriebsmittelebene können Asset Manager bei der strategischen Netzführung und bei der Bewertung von Sach-, Kapital-, Personal- und sonstigen Betriebskosten unterstützen.

Viele Netzbetreiber verfügen über versteckte Reserven etwa bei der Bewertung von Sachanlagen und Netzinvestitionen. Eine feinere, die tatsächlichen Kosten reflektierende Zustandsdiagnostik kann Energieversorgern helfen, einen genaueren Life Cycle Status zu erhalten.

Bei sinkenden Erträgen bemisst sich der Wert eines Netzbetreibers an seinen Anlagen, an seiner Fähigkeit zum wirtschaftlichen Anlagenbetrieb und an seinen Möglichkeiten weitere Kunden wertschöpfend anzuschließen. Da letzteres immer schwieriger darstellbar wird, rückt effizientes Anlagenmanagement in den Fokus. Die hier versteckten Reserven gilt es zu nutzen, auch wenn Veränderungen erst mit einem gewissen Zeitversatz spürbar werden.

Integrierte SAP-Systeme fehlen

Die Ursache hierfür liegt in den Vorgaben der Bilanzierung von Energieversorgungsunternehmen (EVU). Der Großteil der Ausgaben eines Netzbetreibers geht zu Lasten der Netzinvestitionen und deren Erhaltungsaufwendungen. Die Netzbuchwerte werden klassisch über vorgegebene Zeiträume abgeschrieben.

Der Großteil der Infrastrukturen hat viel längere Lebensdauern. Diese sind operativ über Wertmodelle sichtbar zu machen und auszuschöpfen. In diesem Bereich unterstützen detaillierte und realitätsgetreue Zustandsberichte von Prozessexperten die Verantwortlichen, Werte richtig einzuschätzen und Investitionen zu planen. Zur Einschätzung von Assets über die Standardangaben im SAP-Instandhaltungsmodul PM hinaus haben die Netzbetreiber zum Teil detaillierte Instandhaltungsfahrpläne mit Inspektionskarten entwickelt, mit der sich der Zustand von Anlagen genau ermitteln lässt. Integrierte Systeme auf SAP-Basis gibt es für die Energiewirtschaft jedoch noch nicht.

Darüber hinaus mangelt es vielen EVU an der notwendigen Transparenz, von der Zustandserfassung beim Asset Service bis hin zur Planungsunterstützung des Asset Owners. Viele Netzbetreiber haben verstanden, dass sie einen detaillierten Überblick über ihre Prozesse und Bestände benötigen, und erstellen seit geraumer Zeit Konzepte für eine effiziente Asset-Nutzung. Beispielsweise wurden Aufstellungen von Risiko-, Portfolio- und Profitabilitätsansätzen in Prozessketten übergeführt. Allerdings genügen diese punktuellen Ansätze nicht, da sie Systembrüche in der Betrachtung auf Lebenszyklusperspektive implizieren. Eine richtige Entscheidung auf Organisationsebene, zum Beispiel über die Netzerweiterung, kann aus der Gesamtperspektive Schwächen zeigen.

Um diese Transparenz zu ermöglichen, gibt es effizientere Ansätze. Rollenbasierte Konzepte, zum Beispiel über prozess-übergreifende Portale, erlauben umfassende interdisziplinäre Sichten aus ingenieur- und betriebswirtschaftlichen Inhalten nutzerspezifisch abzubilden. Asset Management von der Beauftragungs- hin zur Wertsteuerung zu vollenden, wird dadurch möglich. Die Anreizregulierung zeigt uns den Weg auf, indem sie fordert, Kostengefüge kurz und langfristig beeinflussbarer Art auf das tatsächlich wertsteigerndste Maß zu bringen.

Hierfür lassen sich zum Beispiel vordefinierte Branchen-Kriterienkataloge zur Erfassung und Bewertung nutzen, über Scorecards verdichtete Ist-/Plandaten an das Management spiegeln und vorbereitete Entscheidungen über Simulation verifizieren. Ist diese Bestandserfassung in die IT-Anwendungen wie SAP-Systeme integriert, lassen sich schnell Zeit- und Kosteneinsparungen nachweisen.

Die größeren EVU administrieren regelmäßig weit über 100 verschiedene Anwendungen und haben häufig Nachholbedarf bei der Integration und Verwaltung der komplexen Infrastruktur. Durch zahlreiche proprietäre Insellösungen und Medienbrüche sowie einen mangelhaften übergeordneten Prozessabgleich und daraus hervorgehende Datenqualitätsmängel entstehen hier häufig Probleme.

Die Komplexität wird durch eine Fokussierung auf die Kernanwendungen und Systeme beherrschbar. Neben SAP und Geoinformation (GIS) sind NLS/SCADA und DMS die wichtigsten Applikationen rund um den Netzbetrieb.

Die Nutzung und Integration dieser Systemumgebungen entscheidet über die intelligente Asset Management-Steuerung der nächsten Generation.

Dirk Peper (CSC Deutschland Solutions)

Stromnetz

Weniger Ausfälle

Während im Jahr 2006 die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit noch bei 21,53 Minuten je Letztverbraucher lag, ist der Wert für 2007 auf 19,25 Minuten gesunken. Dies vermeldet die Bundesnetzagentur. Insgesamt haben 858 Netzbetreiber circa 236.000 Versorgungsunterbrechungen gemeldet. In die Berechnung gehen nur die ungeplanten Unterbrechungen ein, die länger als drei Minuten dauern und deren Ursache in die Zuständigkeit des Netzbetreibers fallen. Die Ursache ›höhere Gewalt‹ wird nicht berücksichtigt.

Erschienen in Ausgabe: 04/2009