Fallstudie auf Rädern

Erdgas

Testfahrt - Mittlerweile gibt es bereits rund 800 Erdgas-Tankstellen. Jedoch bestehen regionale Unterschiede.

08. September 2009

Seit dem 1. Juli dieses Jahres gilt eine neue Kfz-Steuer, die neben dem Hubraum auch den CO2-Ausstoß eines Fahrzeugs berücksichtigt. Erdgasautos werden dadurch begünstigt, weil sie vergleichsweise wenig CO2 produzieren. Die Umweltverträglichkeit beweist auch ein anderes Ergebnis: Als erstes Auto überhaupt erreichte der VW Passat 1.4 TSI EcoFuel beim ADAC-Eco Test fünf Sterne – und damit einen mehr als der bisherige Spitzenreiter der Toyota Prius mit Hybridantrieb. »Das zurzeit umweltverträglichste Auto in Europa fährt mit Erdgas«, sagt Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern.

Dieses Auto verwendete auch Rainer Zietlow Anfang des Jahres bei seiner Tour quer durch Deutschland und die Schweiz, bei der er 815 Erdgas-Tankstellen besuchte. Mit dem laut Zietlow »weltbes-ten Erdgas-Fahrzeug« hatte er keinerlei Probleme, auch nicht bei extrem niedrigen Temperaturen von minus 18 Grad in Niederbayern.

»VW macht bei der Qualität keine Abstriche«, sagt Zietlow, der bei seiner Tour auch mehrere Vertriebs- und Servicezentren von Swagelok besuchte, die sich als Co-Sponsor der Tour engagierten.

Kunden technologie näher gebracht

Swagelok, Hersteller und Entwickler von Fluidsystemen, produziert für den CNG(Compressed natural gas)-Bereich des Autosystems Rohrverschraubungen, Rohrleitungen und Ventile. Außerdem stellt das Unternehmen Edelstahlleitungen für Erdgashochdruck-Tanks im Passat her. »Die Tour war eine gute Gelegenheit Kunden die Technologie näher zu bringen«, sagt Peter Ehlers, Market Manager für alternative Treibstoffe bei Swagelok. Für diese sei dies eine »greifbare Fallstudie auf Rädern« gewesen.

Neben Komponenten für PKW produziert das US-amerikanische Unternehmen auch solche für LKW und Erdgas-Tankstellen. Man arbeite in der Automobilindustrie im CNG-Berich seit über zehn Jahren sehr sorgfältig mit den Kunden zusammen, unter anderem bei der Entwicklung neuer Produkte, sagt Ehlers. So ist etwa die Ventilserie SK ausgelegt auf Arbeitsdrücke bis zu 413bar in einem Temperaturbereich von –40 bis zu 150ºC. »Kugelventile sind sehr dynamische Komponenten. Deshalb verwenden wir hier einige sehr spezielle Materialien«, so Ehlers. Inbesondere im Hochtemperaturbereich sei die Situation kritisch, speziell was die Dichtungen betrifft. Hier habe man zusammen mit Zulieferen unter anderem spezielle O-Ring-Elastomere entwickelt und sie in Standard-Applikationen wie ECR110 qualifiziert.

Der Swagelok-Manager gibt zu bedenken, dass die Herausforderung bei alternativen Treibstoffen darin liege, dass die Komponenten bei Temperaturen von 40 bis zu 128ºC über das gesamten Druckspektrum belastet werden.

Einsatz von Biogas und Deponiegas

Insgesamt blickt er, was den Markt für ›Erdgas als Kraftstoff‹ betrifft, sehr positiv in die Zukunft. Hier ist Ehlers von der Wirkung der Umweltfreundlichkeit und dem geringen CO2-Ausstoß überzeugt. Eine interessante Option bestehe hier im Einsatz von Biogas aus Reststoffen oder auch Deponiegas. »Das verschafft den Ländern die Möglichkeit vermehrt Treibstoffe aus heimischer Produktion einzusetzen.«

Veranstaltungen wie die Tour von Zietlow würden helfen den Bekanntheitsgrad zu steigern. Mit seiner Fahrt sei auch das Bewusstsein hinsichtlich der zunehmenden Verfügbarkeit von Erdgastankstellen in Deutschland gestärkt worden, betont er.

Auch Zietlow ist vom deutschen Erdgastankstellen-Netz beeindruckt. Deutschland stehe hier weltweit an der Spitze mit der höchsten Anzahl von Städten mit Erdgastankstellen. Allerdings sieht er große regionale Unterschiede, so habe er in Mannheim nur eine Station vorgefunden, dagegen seien es in Augsburg vier gewesen.

Die Präsenz hänge stark vom Engagement des jeweiligen Stadtwerks ab, betont er. Doch vom Treibstoff ist er überzeugt: »Wer einmal Erdgas fährt, fährt kein Benzin mehr.« (mn) <

Erschienen in Ausgabe: 09/2009