Feinstaub belebt das Geschäft

Tankstellen - Erdgas als Kraftstoff profitiert von der Feinstaub-Diskussion. Dazu kommt: Diverse Neuerungen machen das Tanken kundenfreundlicher.

08. September 2005

Bis vor etwa zwei Jahren verlief der Markt für Erdgastankstellen relativ unstetig, Mitte 2003 trat eine deutliche Belebung ein, verursacht im Wesentlichen durch das ›erdgas mobil Projekt‹ der deutschen Gaswirtschaft für PKW-Tankstellen. Das hat zumindest Franz Braun so erkannt. Er ist Geschäftsführer der Greenfield Deutschland GmbH, einer Tochter des schweizerischen Anbieters von Erdgastankstellen Greenfield.

»Wir beobachten in den letzten Wochen eine deutliche Zunahme der Anfragen für neue Projekte«, berichtet Braun. Dies schreibt er der seit Anfang des Jahres anhaltenden Feinstaubdiskussion und den damit zusammenhängenden Problemen zu, aber auch den Chancen, vor denen der ÖPNV heute steht. »Es ist unstrittig, dass Erdgas plötzlich eine echte Alternative darstellt.«

Die Kunden seien anspruchsvoller geworden. Während noch vor einigen Jahren im Tankstellenbereich oft dubiose Billig-Kompressoren und

-Systeme eingesetzt wurden, trenne sich nun mit steigender Tankstellenbelastung die Spreu vom Weizen.

Beengte Verhältnisse

»Wir sehen uns als Qualitätsführer und beobachten mit Freude, dass sich die Kunden wieder auf Qualität besinnen«, sagt Braun. Zudem sei die Erkenntnis gereift, dass »für eine Tankstelle nicht Investitionskosten das entscheidende Kriterium sind, sondern die Betriebs- und Bezugskosten für das Erdgas.»

Eine Herausforderung, mit der sich Hersteller von Erdgastankstellen zu beschäftigen haben, ist das beengte Platzangebot im Betankungsbereich, speziell dann, wenn die Erdgas-Betankung nachgerüstet wird. Neben der Platzwahl für das Verdichtergebäude ist hier auch die Auswahl des Standortes für die Erdgaszapfsäule oft ein schwieriges Unterfangen. »Die marktüblichen Erdgaszapfsäulen haben einen relativ hohen Platzbedarf und können nicht ohne weiteres auf vorhandenen Tankinseln neben Benzin- und Diesel­zapfsäulen aufgestellt werden«, berichtet Barun.

Die Folge sei, dass diese abseits stehen und dem Erdgasfahrzeugfahrer vermittelt wird, dass er einen alternativen Kraftstoff tankt, der eben auch mit mehr Umständen verbunden ist. Erschwerend komme hinzu, dass Fahrer von bivalenten Fahrzeugen beim zusätzlichen Tanken von Benzin oft gezwungen seien, ihre Fahrzeuge von der einen zur anderen Zapfsäule umzurangieren.

Einfache Integration

Da der Komplettaustausch von Multiproduktzapfsäulen gegen solche inklusive Erdgas sehr teuer ist, hat Greenfield mit der kleinsten derzeit auf dem Markt in Europa befindlichen Erdgas-Zapfsäule ›Compact‹ ein Produkt mit geringem Platzbedarf (0,5 x 0,65 m) entwickelt. Die Zapfsäule lässt sich in den meisten Fällen problemlos neben bestehende Zapfsäulen integrieren. Vorhandene Leerrohre zwischen Kassenraum und Multiproduktzapfsäule können mitgenutzt werden. Geschäftsführer Braun hebt als Vorteil hervor, dass »insgesamt deutlich weniger Bauarbeiten vor Ort erforderlich sind.« Damit habe man eine Lösung zum unabhängigen und blockierungsfreien Tanken von konventionellen und alternativen Kraftstoffen aufgezeigt. Dazu sei die Funktion der Zapfsäule ›Compact‹ in die Steuerung der Verdichteranlage integriert. Gasmessung und -anzeige können so über die Mehrproduktzapfsäule durch Mitnutzung der entsprechenden elektronischen Teile realisiert werden.

250-bar-technik kommt

Braun fasst die Vorteile so zusammen: »Der Einbau der Erdgaszapfsäule wird deutlich preisgünstiger, wodurch künftig nicht nur eine, sondern mehrere dieser Zapfsäulen kostensparend integriert werden können.«

Der Experte für Erdgas-Tankstellen weiß, dass die Entwicklung damit noch nicht abgeschlossen ist: »Wir erwarten, dass, wie in Nordamerika bereits praktiziert, auch in Europa die 250-bar-Technik, und damit das Betanken des Fahrzeugtanks mit 250 bar bezogen auf 15 °C übergreift.« Man habe deshalb die Tankstellen bereits jetzt darauf vorbereitet. Zudem rechnet er damit, dass die Qualität von Erdgas als Kraftstoff neu definiert wird und Anforderungen an den maximal zulässigen Öl-Eintrag festgelegt werden. Im Zapfsäulenbereich prognostiziert er eine einheitlichere Benutzerführung als bisher. »In Nord- und Südamerika beobachten wir einen Trend zu Bildschirm-Menü-Führung und nehmen an, dass dieser Trend auch irgendwann nach Europa überschwappt.« Auch hier produziert Greenfield bereits für den amerikanischen Markt entsprechende Zapfsäulen. Generell sieht Braun gute Chancen, dass das Tanken von Erdgas nutzerfreundlicher wird: »Bei der Integration von Erdgas-Zapfsäulen in Mineralöltankstellen glauben wir, dass sich die Erkenntnis durchsetzen wird, trotz höherer Investitionskosten, Erdgas an möglichst vielen Zapfpunkten zur Verfügung zu stellen um das Blockieren von Zapfsäulenbereichen durch rangierende oder wartende Erdgasfahrzeuge auszuschließen.«

Zumindest sollte bereits jetzt bei der Planung von Tankstellen die kostengünstige spätere Integration von weiteren Zapfpunkten berücksichtigt werden, rät Braun.

Michael Nallinger

Erschienen in Ausgabe: 08/2005