Freiheit für Energieschienen

ENERGIEVERTEILUNG Das System LD lässt sich unkompliziert montieren. A+C Plastic Kunststoff GmbH erledigte dies in Eigenregie.

28. September 2006

Wie oft ist zu hören, „wenn ich noch einmal von vorne anfangen könnte, würde ich Vieles anders machen“. Einen solchen Neuanfang musste der Kunststoffspezialist A+C Plastic Kunststoff in Eschweiler unfreiwillig starten, da die Fertigungseinrichtungen des Unternehmens den Flammen zum Opfer fielen. Im erforderlichen Neubau der großen Maschinenhalle wurde ein interessantes elektrisches Anschlusskonzept umgesetzt.

Statt der sonst üblichen Leitungsverlegung für die Energieversorgung der einzelnen Maschinen entschieden sich die Verantwortlichen für ein modernes Schienenverteiler-System, das modular aufgebaut ist und sehr einfach montiert werden kann. Weitere Vorteile sind die hohe Kurzschlussfestigkeit, die mit maximal 286 kA deutlich über der von Kabeln liegt und die erheblich niedrigere Brandlast - für diesen Anwender ein ganz wesentlicher Punkt.

Das verwendete Schienenverteiler-System des Typs LD von Siemens deckt einen Strombereich von 1.100 bis 5.000 Ampere (A) ab und erlaubt dem Anwender in einem 400-V-Netz generell die Wahl zwischen 4- oder 5-Leiter-Systemen. Da die Kostenfrage wegen des Brandes natürlich im Mittelpunkt stand und auch alle Arbeitsplätze sicher erhalten bleiben sollten, entschied sich die Elektroabteilung der A+C Plastic für die kostengünstigste Lösung, nämlich die Eigenmontage der gesamten Stromversorgung.

Sehr schnell zeigte sich, wie problemlos das möglich ist. Die Niederspannungs-Hauptverteilung ist in der neuen Halle zentral angeordnet, so dass eine Mitteneinspeisung erfolgen kann. Die Einspeisung erfolgt über einen Abgangskasten, der eine einfache Verbindung mit den entsprechenden Stromschienen ermöglicht. Alternativ könnte beim LD-System sogar eine Einspeisung von einem Transformator zum Schienenverteiler über Einspeisekästen mit Anschlussfahnen, die für Trafokerzenabstände von 150 bis 750 mm vorbereitet sind, erfolgen.

Begehbarer Unterflurversorgungsschacht

Durch die Möglichkeit, alle Maschinenversorgungen vollkommen neu planen zu können, entschieden sich die Verantwortlichen in Eschweiler für einen begehbaren Unterflur-Versorgungsschacht. Darin befinden sich sämtliche Zuführungen für die Maschinen, unter anderem auch die Stromschienen. Diese sind aufgeständert am Boden montiert und ziehen sich auf einer Länge von etwa 50 m quer durch die Halle.

Mit einem Querschnitt von gerade mal 24 x 18 cm lassen sich maximal zulässige Ströme von 5.000 A übertragen. An den Stellen, wo die Kunststoffmaschinen stehen, befinden sich Abzweige, die über Leistungsschalter bis 150 A abgesichert sind. Über die in der Planung bereits vorgesehenen Durchbrüche erfolgt der direkte Anschluss der Maschinen nach oben. Der Vorteil am Stromschienensystem ist, dass diese Abgänge exakt dort platziert werden können, wo sie gebraucht werden; somit ergeben sich kurze Wege und Leitungslängen.

Jedoch sind die Elektriker mit dem System LD auch bei Erweiterung oder Umstellung des Maschinenparks extrem flexibel. Denn Abgangsstellen für Abgangskästen lassen sich nachträglich an beliebigen Stellen einbringen, indem das betroffene Schienenstück nach oben oder unten entnommen und ein Modul mit Abgangsstelle eingesetzt wird. Diese Flexibilität gibt es auch bei der eigentlichen Schienenverlegung. Richtungsänderungen sind in drei Freiheitsgraden gegeben, womit beliebige räumliche Gestaltungen einfach zu verwirklichen sind.

Abgänge können auch unter Spannung gesteckt werden

Bei den Abgangskästen bietet Siemens etwas sehr Praktisches: Bis 1.250 A können sie unter Spannung gesteckt oder gezogen werden. Daran angeschlossene Verbraucher müssen lediglich abgeschaltet sein. Den sicheren elektrischen Kontakt ermöglicht eine integrierte Einbolzenklemme. Ein weiterer wichtiger Vorteil dieser Verbindung ist, dass sie einen sehr geringen Übergangswiderstand aufweist und zudem wartungsfrei ist. Durch entsprechende Tellerfedern wird im montierten Zustand erreicht, dass die Einbolzenklemme stets mit dem Montage-Anpressdruck von 80 Nm auf die einzelnen Schienenverbindungen drückt.

Für die A+C Plastic war diese Tatsache bei der Auswahl des passenden Schienenverteiler- Systems wichtig, weil die bei der Produktion eingesetzten Extruder viel Energie benötigen.

Vor allem bei hoch beanspruchten Schienenverteiler-Systemen ist der gleich bleibende Kontaktwiderstand in den Verbindungen und Abgängen entscheidend. Durch die besondere Art der Krafteinleitung kann auf eine Anzugskontrolle, wie sie bei anderen Systemen nach bestimmten Zeitvorgaben notwendig ist, verzichtet werden. Die Konsequenz daraus ist, dass solche Verbindungen im System LD wartungsfrei sind.

Knapp ein Dutzend Maschinen mit modernen Dosiereinheiten produzieren in der neuen Halle PE-Folien oder anspruchsvolle Kunststoffteile. Das Unternehmen verfügt - laut eigenen Angaben - in der prozessgesteuerten Fertigung über einen der modernsten Maschinenparks Europas. Dazu passend sollte natürlich auch die Energieverteilung diesen Maßstäben genügen, weshalb man sich für das System LD entschieden hat. Die reibungslose oder schnelle Installation sowie der problemlose Betrieb bestätigt die Entscheidung.

Reinhard Fürus, Siemens A&

www.siemens.de/sivacon

www.ac-plastic.de

Erschienen in Ausgabe: 10/2006