Frische Luft für Amman

Erstes Biokraftwerk im Nahen Osten hat sich bewährt

In Jordanien errichtete die farmatic biotech energy ag aus Schleswig-Holstein das erste Biokraftwerk des Nahen Ostens. Die Bilanz fällt nach neun Monaten positiv aus, das Kraftwerk produziert Strom und Dünger und leistet einen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz.

26. Juni 2001

„Wir sind ein armes, aber kein rückständiges Land“, sagt Dr. Mustafa Jaar stolz. Jaar, Projektmanager der farmatic biotech energy ag im Nahen Osten, ist verantwortlich für den störungsfreien Betrieb des Biokraftwerks Amman. Das Kraftwerk läuft seit über neun Monaten erfolgreich und versorgt Stadt und Region mit regenerativer Energie, die aus organischen Reststoffen gewonnen wird. In Auftrag gegeben hatte die im Nahen Osten einzigartige Anlage das jordanische Energieministerium, geplant und gebaut wurde sie von der Nortorfer farmatic biotech energy ag, einem Anbieter von Biogasanlagen.

In Biokraftwerken werden durch das Verfahren der „biologischen Kofermentation“ organische Reststoffe mit Hilfe von Mikroorganismen in Biogas umgewandelt, das zur Erzeugung von regenerativer Energie und Bioflüssigdünger genutzt wird. Drei Wochen dauert dieser Prozess, der im Biokraftwerk Amman vollautomatisch abläuft.

„Die Idee, aus Abfall Strom und Dünger zu gewinnen, ist in der Region neu und stößt bei der Bevölkerung auf großes Interesse. Gerade in einem Land wie Jordanien, indem keine Rohölvorkommen existieren, ist die Gewinnung von Energie mit alternativen Methoden sehr willkommen“, berichtet Jaar.

Das Projekt ist weltweit ein Novum, so farmatic, denn im Gegensatz zu herkömmlichen Biokraftwerken, die hauptsächlich Gülle zusammen mit organischen Reststoffen werden in Amman ausschließlich organische Festabfälle aus der Landwirtschaft als Energiequelle verwendet. Schließlich arbeitet jeder zweite Jordanier im Obst- und Gemüseanbau. So ist das Biokraftwerk Amman in der Lage, täglich 60 t organische Substanzen wie Markt-, Schlachthaus- und Restaurantabfälle anzunehmen und zu vergären. Zusammen mit dem Biogas wird das auf der anliegenden Mülldeponie entstehende Gas abgesaugt, entschwefelt, gereinigt und in elektrische Energie umgewandelt.

Obwohl der Strompreis in Jordanien derzeit bei rund 8 Pf/kWh liegt wollen die Jordanier die Energieerzeugung durch Biokraft vergrößern und auf bis zu 20.000 kW/h aus der Deponie erhöhen. Peter Schrum, Vorstandsvorsitzender von farmatic: „Ein Ausbau des Biokraftwerks ist bereits vorgesehen.“

Neben der Aufgabe der Energieversorgung erzielt die Biokraftanlage Amman weitere Vorteile. Dr. Jaar: „Früher stank die Mülldeponie schon einmal bis in die Straßen der Altstadt hinein, seit letztem Juni ist die Luft in Amman sauberer geworden.“ Der Hauptaspekt ist allerdings die Reduzierung des Methananteils in der Atmosphäre und die damit verbundene Verminderung des Treibhauseffektes.

Neben dem Biokraftwerk errichtet farmatic derzeit eine Anlage zur energetischen Verwertung von Olivenrückständen. Bei der Pressung von 1 t Oliven fallen etwa 0,5 t Presskuchen und 1,5 m³ phenolhaltiges Abwasser an, die bisher nicht aufbereitet werden konnten und Grundwasser und Böden stark belasten. Die von farmatic entwickelte Vergärungstechnik soll diese giftigen Rückstände reduzieren. Das Vorhaben wird gemeinsam mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) durchgeführt.

Schrum macht deutlich, wie wichtig es ist, eine Lösung für das Problem der Olivenrückstände zu finden: „Wenn wir ein Verfahren erarbeiten, das sich in der Praxis auch großindustriell anwenden lässt, dann rechnen wir mit einem erheblichen Käuferpotential in allen Ländern, in denen Olivenöl produziert wird. Eine Pilotanlage kann dann nicht nur den jordanischen Markt, sondern den der gesamten Mittelmeerländer erschließen.“ Für Jordanien schätzt Schrum ein Aufkommen von 25.000 oder 30.000 t pro Jahr. Damit könnten zwei Anlagen ökonomisch betrieben werden.

Erschienen in Ausgabe: 05/2001