Führende Position angestrebt

BP drängt auf den deutschen Gasmarkt

Nach dem Erwerb der E.ON-Tochter Veba Oel/Aral will die Deutsche BP nicht nur ihre führende Stellung im Tankstellen-, Schmierstoff- und Solargeschäft ausbauen, sondern auch den Gasmarkt erobern. Mit dem Verkauf der Ruhrgas-Anteile hat man sich von dem passiven Investment getrennt. Jetzt will BP ihre Ambitionen auf dem deutschen Gasmarkt eigenständig und aktiv entfalten.

04. September 2003

Auf der ersten Jahrespressekonferenz der „neuen“ Deutschen BP AG machte der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bonse-Geuking die Positionierung des Unternehmens im Energiemarkt deutlich: „Wir sind die Nummer Eins auf dem Tankstellen- und Schmierstoffmarkt. Wir sind der Marktführer bei Solarzellen, wachsen schnell im Stromhandel und fassen im Gasmarkt Fuß.“

Besonders das Gasgeschäft hat es der BP nach dem Ausstieg aus der Ruhrgas AG angetan. Auch ohne eigenes Leitungsnetz drängt der Konzern jetzt in den deutschen Gasmarkt. Die Ziele sind klar: In den nächsten vier bis fünf Jahren will Bonse-Geuking einen Marktanteil von 5 % erreichen, langfristig seien gar über 15 % möglich.

Angesichts der Entwicklungen im Mineralölmarkt und im Klimaschutz gehöre es zu den strategischen Zielen von BP, auf dem Welterdgasmarkt neue Wachstumspotentiale zu eröffnen. Bereits heute würden über 40 % der weltweiten BP-Förderung und die Hälfte der Reserven auf Erdgas entfallen. Die Deutsche BP sei daher bereit, im Zuge der politisch gewünschten Liberalisierung der Märkte als „gewichtiger“ neuer Wettbewerber auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt anzutreten. „Hierfür sind aber - besonders auf dem Gasmarkt - wesentliche gesetzliche Verbesserungen erforderlich“, stellt Bonse-Geuking klar. Die Verbändevereinbarung II habe sich als nicht hinreichend wettbewerbsfördernd herausgestellt.

Der Chef der Deutschen BP hofft, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Weichen für einen „offenen und wirkungsvollen“ Energiemarkt stellt. Er hat dabei die konkreten Erwartungen, dass ein Regulator ein transaktionsunabhängiges System einrichtet, eine durchgreifende Trennung des Netzbetriebs von den Vertriebs- und Handelsaktivitäten erreicht wird, sowie die Installation eines zentralen, unabhängigen Systemdienstleisters für den Netzbetrieb. „Nur bei gleichen, fairen Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer kann der Wettbewerb funktionieren.“

Bislang würde man von den etablierten Gasunternehmen - die zudem intern mit anderen Netzkosten kalkulierten als extern - im Markt eklatant behindert. Von den hundert Angeboten, die in der Vergangenheit Gasabnehmern gemacht wurden, hatten nur drei zum Erfolg geführt (industrielle Großkunden). An Erdgas mangele es dem Unternehmen jedenfalls nicht - ob auf dem freien Markt oder eigene Vorräte, die über Pipelines oder als LNG (verflüssigtes Gas) per Schiff nach Europa gelangen sollen. Unter gleichen Bedingungen werde BP die Stärke ihres internationalen Gasgeschäftes erfolgreich zur langfristigen, sicheren Versorgung des deutschen Marktes einsetzen können.

Zwei Gesellschaften kümmern sich um die Vermarktung von Energie und Energiedienstleistungen an Weiterverteiler und Industriekunden im Strom- und Gassektor. Ende des Jahres 2002 wurde dazu die Veba Oil & Gas GmbH in BP Gas GmbH umbenannt. Diese werde künftig als Betriebsführungsgesellschaft für die Deutsche BP AG im Erdgasgeschäft tätig sein. Die BP Energie Marketing GmbH soll sich auf das Stromgeschäft konzentrieren. In diesem Marktsegment sei es im vergangenen Jahr bereits mit „erfreulichen“ Vertragsvolumen gelungen, sich als einer der erfolgreichsten Neueinsteiger in Deutschland zu positionieren.

Das Jahr 2002 war für die Deutsche BP maßgeblich durch den Erwerb der E.ON-Tochter Veba Oel/Aral und deren Einbindung geprägt. Die Zahl der Mitarbeiter in der Deutschen BP Gruppe hat sich mit 11.300 mehr als verdoppelt. Der Mineralölproduktenabsatz erreichte 40,1 Mio. t und damit das Zweieinhalbfache des Vorjahresniveaus von 16,1 Mio. t. Infolge des stark ausgeweiteten Geschäftsumfangs hat sich der Umsatz (inklusive Mineralölsteuer) von 14,7 Mrd. € auf 40,3 Mrd. € fast verdreifacht, wie Finanzvorstand Thomas Hetmann ausführte. Es konnte ein Jahresüberschuss von 1,9 Mrd. € erzielt werden - gegenüber einem Jahresfehlbetrag von 223 Mio. € in 2001.

Mit dem Erwerb des Aral Tankstellennetzes hat die Deutsche BP die Marktführerschaft im Tankstellengeschäft in Deutschland übernommen, die sie auch nach Erfüllung der Kartellamtsauflagen behalten hat. Nach dem Verkauf von 494 Tankstellen an PKN Orlen (Polen) und 247 an OMV (Österreich) verbleiben 2.646 Straßen- und 91 Autobahn-Tankstellen. Etwa vier Prozentpunkte Marktanteil (von rund 26 %) wurden damit abgegeben. Doch Dr. Uwe Franke (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen BP AG) unterstrich, dass man versuchen werde, dadurch verlorenes Terrain zurück zu gewinnen. Derzeit werden rund 650 BP-Tankstellen einheitlich auf die blau-weiße Aral-Marke umgeflaggt. Die Aktivitäten im Bereich der Erdgas-Tankstellen seien durch eine Kooperation mit erdgas mobil weiter verstärkt worden. 250 Projekte sollen bis Ende 2004 umgesetzt werden. Im Frühjahr sei die Zahl der BP/Aral-Erdgastankstellen in Deutschland bereits auf 40 gestiegen.

Zur Freude der deutschen BP-Dependance wurde die Aral-Forschung in Bochum neben zwei weiteren Forschungszentren in den USA und Großbritannien zum dritten globalen Zentrum der BP Global Fuels Technology. Bonse-Geuking kündigte an, dass Bochum noch in diesem Jahr zum wichtigsten Kraftstoff-Prüfzentrum der BP in Europa ausgebaut werde.

Regenerative Energien und neue Technologien wie die Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe ersetzen zwar Mineralöl, sie eröffnen aber auch neue Geschäftsfelder. In enger Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie würden Wasserstoff, Erdgas, unterschiedliche biogene Rohstoffe wie Pflanzenöle und Alkohole sowie synthetische Kraftstoffe als Antriebsstoffe und als Kraftstoffbestandteile untersucht. Noch in diesem Jahr werde der Gesetzgeber in Deutschland die Beimischung von Bio-Komponenten zu Kraftstoffen ermöglichen. BP/Aral werde diese Entwicklung nicht nur mitmachen, sondern auch aktiv fördern, unterstrich Bonse-Geuking. „Wir sind wieder einmal Trendsetter, wenn es um wirklich zukunftsgerichtete und umweltfreundliche Kraftstoffqualitäten geht.“

Erschienen in Ausgabe: 08/2003