Führungskräfte ohne Selbstvertrauen

Menschen

Prognose - Führungskompetenz in Unternehmen? Führungsnachwuchs, der zukünftigen Aufgaben gewachsen ist? Fehlanzeige in beiden Fällen, sagt DDI.

02. März 2012

Die Prozesse und Methoden der Führungskräfteentwicklung müssen sich fundamental ändern, damit Unternehmen im sich beschleunigenden Wandel der Wirtschaft mithalten können. Diesen Schluss legt die sechste ›Global Leadership Forecast‹-Studie des Talent-Management-Partners DDI. Die Prognose zeichnet ein besorgniserregendes Bild von der Führungskompetenz in Unternehmen.

Die Antworten von über 12.000 Führungskräften und 1.800 HR-Verantwortlichen aus 74 Ländern zeigen auf, dass sehr viele Führungskräfte nur wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben - insbesondere fehlen ihnen nach eigener Einschätzung diejenigen, die zukünftig im Business erforderlich sind. Auch würden die Unternehmen nicht über ein ausreichendes Reservoir an geeignetem Führungsnachwuchs innerhalb ihrer Organisation verfügen.

Skepsis zu FührungsQualität

Nur 38% der befragten Führungskräfte bezeichneten die Qualität der Führung in ihrem Unternehmen als hoch. Auch bezeichnen 62% der befragten Führungskräfte die Entwicklungsmaßnahmen, an denen sie teilnehmen, als wirkungsvoll. Noch schlechter als die Führungskräfte selbst werten ihre Kollegen aus dem Personalbereich: Hier sind nur 25% überzeugt, ihr Unternehmen habe eine hohe Führungsqualität. Weit besorgniserregender ist, dass weltweit nur 18% aller HR-Verantwortlichen der nachwachsenden Generation an Führungskräften die Fähigkeiten zusprechen, die für künftige Unternehmensherausforderungen erforderlich sind.

Dabei gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Führungsqualität und dem Unternehmenserfolg: Führungskompetenz zahlt sich als echter Wettbewerbsvorteil aus – so haben die Unternehmen mit hoher Führungskompetenz im Vergleich 2,8-fach höhere Geschäftsergebnisse, 4,6-fach höhere Kundenzufriedenheit, eine um das 4,7-fach höhere Produktivität und eine um das 4,4-fach höhere Servicequalität. Die Studie untersuchte auch, ob die Fähigkeiten, die Führungskräfte heute haben, die gleichen sind wie die Fähigkeiten, die in den kommenden Jahren als relevant gesehen werden.

Einige entscheidende Kompetenzen bleiben demnach unverändert wichtig: Veränderungen vorantreiben und managen, andere Mitarbeiter coachen und entwickeln sowie Unternehmensstrategien umsetzen. Doch gewinnen mit der Identifizierung und Förderung von Talenten sowie der Förderung von Kreativität und Innovation künftig zwei Fähigkeiten an Bedeutung, die in der Vergangenheit deutlich weniger Relevanz hatten.

Budgets umschichten

Wolfgang Doerfler, Geschäftsführer der DDI Deutschland GmbH, Meerbusch: »Um die erforderlichen Führungskräfte in der Zukunft zur Verfügung zu haben, müssen Unternehmen die Art verändern, wie sie diese Führungskräfte finden, entwickeln und befördern. Die jährlichen Investitionen in die Führungskräfteentwicklung in Höhe von geschätzten 16 Milliarden Euro müssen zielgerichtet umgeschichtet werden.«

Erschienen in Ausgabe: 02/2012