"Für Mehrerlöse entscheidend"

Spezial

KWK - Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz 2016 verpflichtet bestimmte Anlagen zur Direktvermarktung. Dr. Hans-Joachim Röhl, im Vertrieb bei Next Kraftwerke, über Erlöspotenziale und Herausforderungen.

25. April 2017

Anlagen ab einer installierten Leistung von 100kW, die dem KWKG 2016 unterliegen, sind zur Direktvermarktung verpflichtet. Dies kann etwa mit einem Unternehmen wie Next Kraftwerke geschehen. Durch unsere langjährige Trading-Erfahrung sowie unser hauseigenes Analysen- und Händlerteam können wir im Handel sehr gute Ergebnisse erzielen, so dass die Unternehmen mit veritablen Mehrerlösen rechnen können.

Mit welchen Erlösen darf man in der Direktvermarktung an der Strombörse rechnen?

Förderungsseitig sind die Zuschläge nach durchschnittlichem Einspeiseleistungsanteil von acht Cent pro kWh, bei kleineren Mengen bis 3,1 Cent ab zwei MW, gestaffelt. Da anders als in der Direktvermarktung nach EEG kein durchschnittlicher Monatsmarktwert existiert, sondern der zur Zeit der Erzeugung gültige Strombörsenpreis berechnet wird, ist die Erlösberechnung nicht ganz einfach. Für Mehrerlöse über den durchschnittlichen Marktpreis hinaus ist aber entscheidend, wie gut man den erzeugten Strom am Markt platziert – etwa über bedarfsorientierte Einspeisung.

KWK-Anlagenbetreiber können also mittels der bedarfsorientierten Einspeisung Erlöse über dem marktüblichen Durchschnittspreis an der Strombörse erzielen?

Genau. In der bedarfsorientierten Einspeisung wird Strom nur dann erzeugt und verkauft, wenn er an der Strombörse einen guten Preis erzielt. Die tatsächlichen Mehrerlöse hängen vom bisherigen Einspeiseprofil und den Restriktionen der Anlage ab, können aber aktuell bis zu einem Cent mehr pro kWh gegenüber der bisherigen Fahrweise betragen. Beispielsweise durch Wärmepuffer kann hier noch mehr Flexibilität geschaffen werden, die sich natürlich auszahlt.

Welche Herausforderungen liegen für Sie in der Umsetzung von KWK-Konzepten, speziell im gewerblichen Umfeld?

Für manche Unternehmen ist die komplexe Kosten- und Erlöskalkulation problematisch, beispielsweise die Frage, wie viel Flexibilität für die bedarfsorientierte Einspeisung aus einer KWK-Anlage vorgehalten werden müsste. So kann die Auslastung vom Sommer mit geringem oder keinem Wärmebedarf zum Winter, wo die Wärmeerzeugung der Anlage an die Auslastungsgrenze kommt, sehr unterschiedlich sein. Diesen Problemen können wir jedoch mit einer ganzheitlichen Betrachtung der Betriebsprozesse und einer fundierten Beratung gut begegnen.

Ihre Aufgabe ist somit, hierbei zu beraten?

Absolut, denn neben Stromdirektvermarktung und Wärmelieferungsverpflichtungen kommen immer stärker Konzepte wie die Sektorkopplung in den Fokus: Lohnt eine zusätzliche PV-Anlage auf dem Dach oder eine effizientere Gasturbine? Können Gabelstapler oder Elektrofahrzeuge geladen werden? Kann Regelenergie aus den Stromerzeugungs- und Verbrauchsprozessen angeboten werden, die weitere Erlöse bringt?

Erschienen in Ausgabe: 04/2017