Für oder gegen Fahrverbote?

Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten sind nach geltendem Recht zulässig, so hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Seitdem diskutieren Diesel-Liebhaber und -Gegner das Thema im Netz. Social-Media-Analysten haben sich damit näher beschäftigt und eine erste Auswertung durchgeführt.

02. März 2018

Um die Netz-Stimmen zum Thema Diesel-Fahrverbot zu analysieren, hat das Unternehmen Vico Research & Consulting über 77.000 öffentliche Beiträge aus Twitter, sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+, Blogs, Foren, sowie News-, Q&A-, Video- und Bild-Portalen erfasst und alle Beiträge mit wertenden Aussagen analysiert.

Das Ergebnis: Die klare Mehrheit der Social Media-Nutzer ist gegen Diesel-Fahrverbote.

Fahrverbot-Gegner: "Inkompetente Umweltpolitik"

In insgesamt 64,1 Prozent der erfassten Beiträge mit wertenden Aussagen wird ein mögliches Diesel-Fahrverbot negativ bewertet. Fahrverbot-Gegner argumentieren unter anderem, dass ein Fahrverbot nicht auf eine bestimmte PKW-Gruppe beschränkt werden dürfe und die Dieselfahrer nur Sündenböcke einer inkompetenten Umweltpolitik seien.

Auch kritisieren sie, dass es an Kapazitäten für die nötigen Kontrollen fehle und Schiffen und Flugzeugen in der Konsequenz auch Fahr- beziehungsweise Flugverbote erteilt werden müsste.

Zudem fordern viele Sonderregelungen für gewerblich genutzte Diesel-Fahrzeuge. Einige der Diesel-PKW-Fahrer äußern sich im Netz dahingehend, dass sie sich kein neues Auto leisten könnten.

Fahrverbot-Befürworter: Durch Grenzwertüberschreitung notwendig

In 35,9 Prozent der wertenden Beiträge zum Thema wird ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge positiv bewertet. Fahrverbot-Befürworter argumentieren unter anderem, dass andere Länder ähnliche Maßnahmen zur Luftreinheit hätten und dieser Schritt aufgrund der alarmierenden Stickstoffdioxid-Überschreitungen in vielen Städten nötig sei.

Einige Nutzer fordern in diesem Zusammenhang, dass die Autobauer betroffene Autos auf ihre Kosten nachrüsten müssten.

“In unserer Analyse konnten wir deutlich sehen, dass die von den Fahrverboten betroffene Gruppe erheblich lauter ist als die Befürworter des Urteils. Wie die tatsächliche Verteilung der Meinung in der Bevölkerung ist, lässt sich daraus nicht ableiten",  kommentiert Marc Trömel, Geschäftsführer von Vico Research & Consulting, die Analyse.

“Aber es ist klar zu erkennen, dass sich eine Bewegung formiert, die bereit ist, Widerstand zu leisten. Es bleibt abzuwarten, auf welche Weise dies geschehen wird. Das Echo ist jedenfalls groß und wird im Zuge der ersten durchgesetzten Fahrverbote sicher noch größer werden.”