Gabriel spricht sich gegen Kapazitätsmärkte aus

Energieminister Sigmar Gabriel hat sich im Vorfeld der 22. Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft 2015 gegen Kapazitätsmärkte zur Stützung nicht mehr lukrativer Kraftwerke ausgesprochen. In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte er, das Interesse vieler Kraftwerksbetreiber bestehe darin, »existierende Überkapazitäten auf Kosten der Stromverbraucher zu konservieren«.

21. Januar 2015

Bevor die Überkapazitäten nicht abgebaut sind, will die Regierung keinen Kapazitätsmarkt, so Gabriel weiter. Stattdessen solle der Strommarkt so reformiert werden, dass er zeitenweise auch hohe Preise erzeugt, die es dann wieder wirtschaftlich machen sollen, Kraftwerke zur Versorgungssicherheit am Netz zu halten.

E.on-Chef Johannes Teyssen erwartet jedoch, »dass die Kapazitätsmärkte sowieso kommen, vielleicht erst in einem zweiten Schritt«. Aber in der Europäischen Union werde intensiv darüber diskutiert, wie der Strommarkt künftig aussehen solle. »Deutschland muss aufpassen, dass es nicht als Bremser am Ende steht«, sagte Teyssen in seiner Eröffungsrede auf der Jahrestagung.

Gabriel verweigere die von ihm selbst angekündigte ergebnisoffene Debatte, kritisierte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller. Gabriel konterkariere damit den von ihm selbst angestoßenen Diskussionsprozess zum Strommarkt der Zukunft. »Das ist mehr als erstaunlich. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem dringlichsten Problem des Energiemarktes sieht anders aus.«