Ganz reale Visionen

Editorial

In Zeiten der Wirtschaftskrise verschieben sich schnell einmal die Realitäten.

18. August 2009

Was vor Kurzem noch galt, kann heute oder morgen schon ganz anders sein. Das gilt für die Ziele, die sich ein Unternehmen gesteckt hat ebenso wie für den persönlichen Bereich, wenn es beispielsweise um den eigenen Arbeitsplatz geht.

Mit Realitätsverschiebungen der ganz besonderen Art hat es derzeit die Energiebranche zu tun. Gemeint ist hier insbesondere das Projekt Desertec. Riesige Solarkraftwerke in den Wüsten Nordafrikas sollen einmal 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Für die einen handelt es sich dabei um eine unrealistische Vision, für die anderen um eine interessante Alternative, mit der sich im großtechnischen Maßstab netzfreundlich Strom produzieren lässt. Ganz real haben sich kürzlich die Stadtwerke München und die Kölner Rheinenergie an einem entsprechenden Projekt in Südspanien beteiligt. Seite 20Brisanz bergen auch die Realitäten auf dem deutschen Gasmarkt. Laut einer Studie von Ernst&Young steht das Thema an oberster Stelle bei den Energieversorgern und hat dem Strom den Rang abgelaufen.

Einen Beitrag leistet hier nicht nur der zunehmende Wettbewerb, sondern auch die Komplexität, die die Regulierung mit sich bringt. Der neue Wingas-Chef Dr. Gerhard König sieht die Entwicklung kritisch. Die engen Regulierungsvorgaben verhinderten Investitionen in neue Leitungen. Seite 44

Einen wichtigen Schritt weiter ist Europa bei der Nabucco Erdgas-Pipeline. Das Transitland Türkei unterzeichnete ein entsprechendes Abkommen. Sowohl Desertec als auch Nabucco sollen den Energiebezug Europas verbreitern. Denn eines ist sicherlich real: Die Strukturen auf dem nationalen wie auch globalen Energiemarkt werden sich verändern.

Erschienen in Ausgabe: 7-8/2009