Gas im KWK-Konzept

Technik

Industrie - Die geplante Gasturbinenanlage im Industriepark Höchst soll unter anderem die eigene Erzeugungskapazität erhöhen.

29. April 2010

Bunt sieht es aus, das Heizkraftwerk im Industriepark Höchst. Und es soll bald Gesellschaft bekommen: Infraserv Höchst will eine neue Gasturbinen-Anlage errichten, die aus zwei Gasturbinen mit jeweils rund 50MW elektrischer Leistung und einem Abhitzekessel bestehen wird.

Diese soll nämlich nahe dem schon bestehenden Kraftwerk im Nordteil des Industrieparks entstehen und Ende dieses Jahres in Betrieb gehen. Beide Turbinen erzeugen dann in einem gemeinsamen Abhitzekessel Dampf, der anschließend in den schon bestehenden Dampfturbinen zur Stromerzeugung genutzt und in das Dampfversorgungsnetz des Industrieparks eingespeist wird. »Es handelt sich um eine hocheffiziente und dementsprechend Ressourcen schonende Anlage«, erläutert Geschäftsführer Roland Mohr.

Weniger CO2-Emissionen

Die Standortbetreibergesellschaft erweitert mit dieser neuen Gasturbinenanlage das Kohle-Heizkraftwerk im Industriepark, das in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben wird. Die Realisierung der geplanten KWK-Lösung mit der Gasturbinenanlage führt laut Angaben der Betreibergesellschaft zu einer signifikanten Reduktion der strombedingten Kohlendioxid-Emissionen.

»Ein herkömmliches Konzept wäre im Vergleich zu der geplanten Gasturbinen-Anlage deutlich billiger, doch die Summe der strombedingten CO2-Emissionen wäre fast doppelt so hoch«, führt Mohr aus. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Lösung – reine Dampferzeugung im Industriepark und Bezug des Stroms vom Markt – werde mit der neuen Gasturbinenanlage jährlich 224.000t weniger Kohlendioxid emittiert.

Die Standortbetreibergesellschaft investiert dabei rund 70Mio.€ in das Projekt, das sie Ende 2008 öffentlich gemacht hatte. Das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für die neue Gasturbinenanlage im Industriepark Höchst ist seit kurzem abgeschlossen. Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte die Errichtung und den Betrieb der neuen Anlage Mitte März 2010 genehmigt. »Wir freuen uns sehr über den positiven Bescheid des Regierungspräsidiums«, sagt Mohr. »Mit diesem Projekt optimieren wir ein weiteres Mal die Energieversorgung unseres Standortes.«

Denn das Großprojekt ist ein Baustein im Konzept der Gesellschaft, um die eigenen Energieerzeugungskapazitäten am Standort zu erweitern. Dabei setzt sie laut eigenen Angaben durch Kombination des bestehenden Kohlekraftwerkes mit KWK, der in Inbetriebnahmephase befindlichen Ersatzbrennstoff-Anlage und der neuen Gasturbinen-Anlage bei Energieträgern auf einen vielseitigen Mix.

Der zweite wichtige Punkt im Gesamtkonzept: »Wir reduzieren mit der Gasturbinenanlage auch die Abhängigkeit von externen Strommärkten und erschließen unseren Kunden Kostenvorteile«, so Mohr. Das wiederum steigere die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Standortes.

Standort Höchst

644 Mio. Investiert

Der Industriepark ist Standort für rund 90 Unternehmen, unter anderem aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie, Chemie und Dienstleistungen. Etwa 22.000 Menschen arbeiten dort. Die Unternehmen investierten 2009 rund 644Mio.€ am Standort. Damit erhöht sich die Gesamtinvestsumme seit 2000 auf etwa 4,3Mrd.€.

Erschienen in Ausgabe: 04/2010