Gasmarkt – Warten auf LNG

Service/Börsenblick

Erdgas - Im vergangenen Winter haben vor allem hohe und verläßliche Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) in Großbritannien für moderate Preise gesorgt.

03. August 2010

Im Durchschnitt standen in den Wintermonaten rund 55Mio.m3 an LNG zur Verfügung. Zeitweise erreichte das tägliche Angebot sogar 85Mio.m3. Damit deckten die Lieferungen an verflüssigtem Erdgas durchschnittlich 16% der britischen Gasnachfrage.

In Spitzenzeiten wurde fast 30% des Gasbedarfs aus LNG gedeckt. Das hohe Angebot übte schlußendlich einen starken Druck auf die Gaspreise aus: Aufgrund deutlich unterdurchschnittlicher Temperaturen erreichte die Gasnachfrage zu Heizzwecken an einem Januartag bis zu 340Mio.m3. Dennoch bewegte sich der Gaspreis im letzten Winter lediglich zwischen 16 und 48p/th.

Ein Jahr zuvor führte ein derart hoher Gasbedarf der Haushalte noch zu Preisen von bis zu 73p/th. In diesem Sommer hingegen war von einer entspannten fundamentalen Lage auf dem Gasmarkt nichts zu spüren. Das Augenmerk richtete sich zunehmend auf ein schrumpfendes LNG-Angebot und Unsicherheit hinsichtlich zukünftiger Lieferungen. Zum ersten Mal in der Geschichte des britischen Marktes dominierten phasenweise Nachrichten über Wartungsarbeiten an LNG-Trains in Qatar den Markt. Das Angebot an LNG sank von April bis Juni auf um 30 Mio. auf 39 Mio. m3. An einem Junitag summierten sich die Lieferungen auf gerade einmal 25Miom3.

Auf dem Spotmarkt erklomm der Gaspreis die 50-Pence-Marke und überstieg somit den höchsten Preis im Winter von 48p/th. Zusätzlich zu unregelmäßigen LNG-Lieferungen trugen volatile Gaslieferungen aus Norwegen sowie eine bislang ungewohnt hohe Nachfrage des Kontinents nach Gas durch den Interconnector zwischen Bacton (UK) und Zeebrügge (Belgien) zur Preisunterstützung bei. Zeitweise quotierte der Spotmarkt über den Preisen der Frontmonatskontrakte. Mit der Ankündigung erster LNG-Auslieferungen sowie stabilerer Gaslieferungen aus norwegischen Gasfeldern gaben die Frontmonatspreise innerhalb einer Woche um 17% nach.

Erschienen in Ausgabe: 06/2010