Gaspreis wird sinken

Manfred Panitz, VEA, zur Entwicklung des Gas-zu-Gas-Wettbewerbs
10. April 2001

Panitz: Seit April 1998 ist per Gesetz auch der Gasmarkt in Deutschland für den Wettbewerb geöffnet. Dennoch gibt es faktisch keinen Gas-zu-Gas-Wettbewerb, weil es an einer praktikablen Durchleitungsregelung fehlt. Statt eines einzigen ohne Stufen und Entfernungskomponenten versehenen Netzzugangsmodells haben sich die Verbände im Grundsatz auf ein Drei-Stufen-Modell verständigt. Bei einem Punkt-zu-Punkt-Transport ist eine entfernungsabhängige Komponente vorgesehen. Dieses entspricht kaum einer diskriminierungsfreien, transparenten und einfach zu handhabenden Regelung. Damit der Wettbewerb schnellstmöglich in Gang kommt, könnte die vorübergehende Einsetzung eines „Regulierers“ ratsam sein.

ES: Wird die Kopplung des Gaspreises an den des Heizöls bestehen bleiben?

Panitz: Da die internationalen Bezugsverträge häufig eine lange Laufzeit haben, werden die nationalen Gasversorger wenig geneigt sein, von der Ölpreisbindung abzuweichen. Mit der Liberalisierung wird die Stellung der Kunden aber gestärkt. Sie werden zunehmend die Preis- und Vertragsgestaltung (mit)bestimmen. Daraus werden Veränderungen resultieren. Auch werden zukünftig vermutlich die Laufzeiten der Gaslieferverträge erheblich kürzer sein. Eine Ölpreisgleitklausel könnte sich somit erübrigen.

ES: Wie wird sich der Gaspreis entwickeln und wie sollten sich Kunden verhalten?

Panitz: Funktionierender Wettbewerb wird erhebliche Kostensenkungspotenziale freisetzen, die zu günstigen Preisen führen. Kleinere und mittlere Unternehmen sollten sich zu Pools zusammenschließen, um ihre Nachfragemacht zu stärken. Auf keinen Fall voreilig längerfristige Verträge abschließen. Fachkundigen Rat einholen!

Erschienen in Ausgabe: 01/2000