Gateway Admin.: Spreu trennt sich vom Weizen

Spezial - IT & Sicherheit

Smart Metering - 2020 werden voraussichtlich nicht mehr als 20 Dienstleister Gateway Administration betreiben. Wirtschaftlich ist das Angebot erst ab rund 500.000 Zählpunkten.

04. Februar 2016

Bis Redaktionsschluss Ende Januar war noch nicht absehbar, wann das neue Digitalisierungsgesetz in diesem Jahr in Kraft tritt. Kurz vor Weihnachten hatte der Bundesrat zu dem Gesetzesentwurf Stellung genommen. Für Anfang Februar wurde die erste Lesung im Bundestag erwartet.

Bis dahin musste die Bundesregierung eine Gegenäußerung zu der Stellungnahme des Bundesrates erarbeiten. Erst wenn diese vorliegt, kann der Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht werden. Ist das Gesetz dann eines Tages in Kraft, dann rechnen Experten damit, dass zunächst etwa 50 bis 65 Akteure Gateway Administration anbieten werden. Das ergab eine Umfrage der Marktforscher von Trend research. »Während zunächst viele Messstellenbetreiber die Grundzuständigkeit beibehalten wollen, konsolidiert sich der Markt im Laufe der Jahre«, so das Unternehmen, das für die Erhebung 79 EVU und Dienstleister befragte.

Neue Aufgaben und Prozesse

Nach Ansicht der Befragten werden letztendlich im Jahr 2020 durchschnittlich 15 bis 20 Marktakteure erwartet – mit kontinuierlicher Konsolidierung zu wenigen großen Akteuren nach 2020. Nach Ansicht der befragten Dienstleister werden durch die Smart Meter Gateway Administration für sämtliche Marktteilnehmer – insbesondere für die Messstellenbetreiber – zahlreiche neue Aufgaben und Prozesse umzusetzen sein. Darüber hinaus sieht knapp ein Viertel der Befragungsteilnehmer insbesondere durch die Installation der Systeme weitere Aufgaben auf die Messstellenbetreiber zukommen.

Die Smart Meter Gateway Administration wird nach Ansicht von 19% der befragten Dienstleister zukünftig durch die Messstellenbetreiber übernommen werden. Die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen bezogen auf die Gateway Administration wird von der Mehrheit der befragten EVU und Dienstleister angestrebt beziehungsweise bereits umgesetzt. Kernziel ist hierbei vor allem die Umsatzsteigerung.

Mengeneffekte

Das Produktportfolio ist dabei abhängig von der Durchdringung mit intelligenten Messsystemen bei Kleinkunden: Je mehr Messstellen der Kunden mit Jahresstromverbrauch unter 6.000kWh zusätzlich umgerüstet werden, desto mehr Produkte und Dienstleistungen werden angeboten; darunter sind beispielsweise Energieberatung oder Visualisierung von Verbrauchswerten.

Mit zunehmendem Rollout verringern sich die Kosten pro Messstelle sehr stark, sodass vor allem Mengeneffekte zu einer Wirtschaftlichkeit der Gateway Administration führen.

Im Durchschnitt erwarten die befragten Energieversorger, dass die Gateway Administration ab durchschnittlich einer halben Million Zähler wirtschaftlich betrieben werden kann.

Moderates Umsatzpotenzial

Insgesamt werden jedoch die Umsatzpotenziale, die sich in der laufenden Gateway Administration ergeben, aufgrund des hohen IT- und Automatisierungsanteils gering sein. Die wesentlichen Umsätze sind für Anbieter im Rollout der Systeme und in den weiteren Umsetzungsaufgaben bezüglich IT-Sicherheit, IT-Systeme, Prozesse und Marktprozesse zu erwirtschaften, die zudem mit Beratungs- und Schulungsleistungen flankiert werden können.

Rollout erst 2018?

Die Befragten gehen davon aus, dass sich der Starts des Rollouts um ein Jahr verzögert, sodass der Umstellungsprozess bis Ende 2033 dauern könnte. Dies hat nach Ansicht der Befragten auch Auswirkungen auf die Zertifizierung der Smart Meter Gateways. Unterschiedliche Angaben machten die Umfrageteilnehmer zu der Frage, wann der Markteintritt erfolgten sollte. »Im Rahmen der Befragung zeigt sich, dass die Energieversorger zwar einen Markteintritt für 2017 für geeignet halten«, so Trend research, »jedoch kleinere Marktakteure zu Beginn des Rollouts eher eine abwartende Haltung in Bezug auf ein Engagement als grundzuständiger Messstellenbetreiber und Gateway Administrator einnehmen werden.« Als Gründe für einen späteren Markteintritt wurden unter anderem fehlende Erfahrungen und gesetzliche Unklarheiten genannt.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Smart Meter Gateway Administration sind noch nicht vollständig verabschiedet, doch die Entwicklung von BSI-konformen Gateways, neuen IT-Systemen und Prozessabläufen ist in vollem Gange. Viele der Marktakteure sind seit Jahren in der Entwicklung geeigneter Hard-, Software und Prozesse tätig.

Bundesrat will Korrekturen

In seiner Sitzung am 18. Dezember 2015 nahm der Bundesrat umfangreich zum Gesetzentwurf zur Digitalisierung der Energiewende Stellung. Unter anderem möchte er die dort vorgesehene Speicherfrist für Energieverbrauchswerte von 24 auf 12 Monate verkürzen dies sei im Sinne des Datenschutzes.

Endverbraucher mit einem Jahresstromverbrauch bis zu 6.000kWh sollten zudem die Einbindung ihres Messsystems in ein Kommunikationsnetz ablehnen können. Bei privaten Energieverbrauchern soll bereits die Ausstattung mit intelligenten Messsystemen nur auf freiwilliger Basis geschehen.

Energieeffizienz

Der Gesetzentwurf der Regierung sieht vor, Verbraucher von Strom und Gas künftig mit sogenannten intelligenten Messsystemen auszustatten. Er stellt hierfür Mindestanforderungen an die Datensicherheit der Geräte auf. Ziel des Entwurfs ist es, durch die modernen Messsysteme für mehr Energieeffizienz zu sorgen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2016