Gebäude ›aus der Wolke‹ optimiert

Management

Effizienz - Um den Verbrauch von Liegenschaften zu überwachen und möglichst zu senken, ist eine umfassende Energiebuchhaltung von Vorteil. Eine webbasierte Lösung hilft bei der Optimierung.

06. April 2011

Gebäude verursachen rund 40% des gesamten weltweiten Energieverbrauchs. Wer aktiven Klimaschutz betreiben will, muss hier ansetzen. Voraussetzung ist eine umfassende Energiebuchhaltung, die sämtliche Verbrauchsdaten von Strom, Wärme, Kälte und Wasser über einen längeren Zeitraum genau erfasst und so Optimierungspotenziale identifiziert. Mit der Lösung ›Energy Monitoring & Controlling‹ (EMC) von Siemens lässt sich die aktuelle Energieperformance von Gebäuden und ganzen Liegenschaften auf Basis von gemessenen Verbrauchsdaten ermitteln und analysieren.

»EMC ist eine Technologieplattform, die alle für das Energiemanagement benötigten Funktionen bereitstellt und das Rückgrat für sämtliche Prozesse und Aufgaben in allen Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes ist«, erläutert Winfried Wirth, Senior Product Manager der Siemens-Division Building Technologies.

Zu den in der Gesamtlösung enthaltenen Modulen zählt etwa das Dashboard. In diesem werden für bestimmte Zielgruppen wie Gebäudemanager oder die Unternehmensleitung aggregierte Informationen dargestellt – und zwar über aktuelle Energieverbräuche und -kosten, damit verbundene CO2-Emissionen sowie andere relevante Kenngrößen, etwa in einem Jahresvergleich und für weltweit alle Liegenschaften. Eine Ampelfunktion zeigt an, ob alles im grünen Bereich ist, oder ob an bestimmten Standorten akuter Handlungsbedarf besteht.

Mit dem Analyse-Modul lassen sich statistische Auswertungen durchführen und Prognosen erstellen. Dabei werden Wetterdaten ebenso berücksichtigt wie die Gebäudeauslastung oder die aktuelle Luftqualität. Der Green Building Monitor als jüngstes Modul bereitet die Messwerte endverbrauchergerecht auf und stellt sie auf einem Bildschirm dar. Neben den Daten aus dem jeweiligen Gebäude können auch weitere Informationen eingespielt werden – etwa Energiespar-Tipps, Statements zum Umweltengagement, weitere umweltrelevante Fakten oder Wettervorhersagen.

Die Siemens-Division Building Technologies stellt die Plattform, die auf Servern in zwei Data-Centern in Europa und den USA gehostet wird, als Cloud-Lösung zur Verfügung – quasi aus der Steckdose. Abgerechnet wird pro Zähler, der angeschlossen ist, mit einer laut Unternehmen relativ geringen Jahresgebühr.

»Das System wächst bei Bedarf mit dem Anwender mit«, unterstreicht Wirth. Der Vorteil: Für die webbasierte Energiebuchhaltung sind keine oder nur geringfügige Investitionen, keine zusätzlichen Softwareinstallationen und auch keine speziellen Schulungen nötig.

Gebäude intuitiv gemanagt

Außerdem ist der Zugriff auf die Daten rund um die Uhr weltweit möglich. Zum Gesamtkonzept gehört auch die Integration der Advantage Operations Center (AOC), die 24 Stunden am Tag die Gebäudeleitsysteme in den Liegenschaften überwachen und bei Störungen oder Abweichungen von der Norm sofort eingreifen und das Wartungspersonal vor Ort alarmieren.

»Um den Kunden eine weitergehende Hilfestellung im Bereich Energiemanagement geben zu können, haben wir uns zur Entwicklung einer Online-Plattform auf Webbasis entschlossen«, betont Winfried Wirth. Energieverbrauch und -kosten sollten damit über das Internet – statt wie herkömmlich über Hardware- und Softwaresysteme vor Ort – ausgewertet und überwacht werden können.

Von vornherein war klar, dass zu den Anwendern des Systems vor allem Praktiker aus der Gebäudeverwaltung und -technik zählen würden. »Eine intuitive Bedienung war deshalb genauso gefragt wie der Verzicht auf aufwendige Hard- und Softwareinstallationen vor Ort«, berichtet Michael Deiß, Geschäftsführer des Münchener Siemens-Partners eggs unimedia, der maßgeblich für die technische Realisierung der Plattform verantwortlich ist.

Zielgruppe für die EMC-Lösung sind Kommunen, Krankenhäuser und Energieversorger ebenso wie Unternehmen mit mehreren Standorten und typische Liegenschaftsverwalter. Sinn macht ihr Einsatz vor allem bei mehreren alleinstehenden Gebäuden oder in großen Unternehmen mit weit auseinander liegenden Gebäudekomplexen, in denen bisher ein Verantwortlicher vor Ort – etwa ein Hausmeister – regelmäßig die Verbrauchsstände für Elektrizität, Gas, Öl, Brauchwasser, Kaltwasser oder Fernwärme abliest und die Daten an einem PC erfasst. Durch die automatisierte Zusammenführung und Analyse dezentraler Zählerwerte in einer zentralen Datenbank ist das System speziell für solche Anwender interessant.

Noch effizienter sei der Einsatz der Lösung, wenn die Zählerwerte automatisch erfasst und an das System übertragen werden – auf Wunsch sogar mit Ablesezyklen im 15-Minuten-Intervall und kleiner. Durch die Nutzung des Internet als Datentransportmedium sind die Kommunikationskosten zwischen den Zähleinrichtungen in den Gebäuden des Anwenders und dem zentralen EMC-Server vernachlässigbar, so Siemens.

Auf diesem Server erzeugt ein Energieanalyse-Programm automatisch Reports zu Energie- und Medienverbrauch sowie Emissionen in einem einheitlichen Format, die wiederum dezentral über das Web jederzeit und überall passwortgeschützt abgefragt werden können – sei es für die gesamte Liegenschaft, für jedes Gebäude einzeln oder auch für einen einzigen konkreten Zähler.

Dadurch lassen sich die Hauptenergieverbraucher identifizieren und es kann beobachtet werden, wie sich zum Beispiel die geänderte Einstellung einer Heizungs- oder Klimaanlage auf die Wärme- oder Stromkosten auswirkt. Vergleichbare, witterungsbereinigte Daten ermöglichen außerdem das Errechnen von Benchmarkzahlen, um ähnliche Gebäudetypen miteinander zu vergleichen und nach den Ursachen für erhöhten Energieverbrauch zu suchen. So ist es möglich, kontinuierlich Optimierungspotenziale zu identifizieren und die Qualität und Performance des Gebäudebetriebs zu verbessern.

Erschienen in Ausgabe: 03/2011