Gemeinsam groß

Die derzeit größte Solarthermieanlage von Rheinland-Pfalz versorgt die beiden Ortsgemeinden Neuerkirch und Külz. Weitere Wärme kommt aus Bioenergie. Durch den Zusammenschluss der beiden Gemeinden vergrößerte sich der Wärmebedarf, so dass sich das Projekt lohnte.

02. Februar 2017

Auf einer Fläche von zwei Handballfeldern nutzen Vakuumröhrenkollektoren Sonnenenergie zur Wärmeproduktion. Weiterhin erzeugen zwei Holzhackschnitzelkessel Wärme. Diese gelangt über ein sechs Kilometer langes Nahwärmenetz zu den Abnehmern.

„Das kommunale Wärmekonzept ist vorbildlich, weil die Kombination zweier regenerativer Wärmetechnologien zwei Ortschaften versorgen und es so gelingt, pro Jahr über 300.000 Liter Heizöl einzusparen“, erklärt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

Die Agentur zeichnete die beiden Ortsgemeinden Ende Januar für das interkommunale Projekt als Energie-Kommunen des Monats aus.

Bürger mit Ideen

Külz und Neuerkirch sind zwei von 31 eigenständigen Ortsgemeinden, die der Verbandsgemeinde Simmern/Hunsrück im Rhein-Hunsrück-Kreis angehören. In beiden Gemeinden werden seit September 2016 rund 140 Haushalte sowie die Dorfhalle über ein Nahwärmenetz mit der regenerativen Wärme versorgt.

„Der Einsatz der Solarwärme schont die lokalen Biomassepotentiale und ermöglicht, dass diese effektiv genutzt werden können“, sagt Volker Wichter, Ortsbürgermeister von Neuerkirch.

Der Impuls für die Umstellung der Wärmeversorgung ging von den Bürgern der jeweiligen Ortsgemeinde aus. „Ziel der sehr regen Arbeitsgruppen in den beiden Orten war und ist es, die solidarische und lebendige Dorfgemeinschaft zu fördern“, sagt Bernd Ries, Ortsbürgermeister von Külz.

Im Sommer 100 Prozent Wärme aus der Sonne

Weil sich durch den Zusammenschluss der beiden Gemeinden der zu deckende Wärmebedarf vergrößerte, wurde die Kombination von Solarwärme und Holzenergie schließlich eine wirtschaftliche Option, wie die Agentur weiter mitteilt.

Die Solarwärmeanlage erzeugt jährlich rund 650.000 kWh Wärme und deckt so rund 20 Prozent des gesamten jährlichen Wärmebedarfs der angeschlossenen Haushalte von rund 3.100 MWh. Im Sommer reicht die Solarenergie aus, um 100 Prozent des Wärmebedarfs zu decken.

Finanzielle Förderung

Die Errichtung und den Betrieb von Anlagen und Netz haben die Verbandsgemeindewerke Simmern, die Eigenbetriebe der Verbandsgemeinde Simmern/Hunsrück, übernommen. Für die Realisierung des Nahwärmeprojektes investierten sie laut Mitteilung rund fünf Millionen Euro.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Land Rheinland-Pfalz haben das Projekt finanziell gefördert.