Gemeinsam stärker: IT-Kosten durch Co-Sourcing senken

Stadtwerke Herborn sind mit Schleupen.CS als IT-Dienstleister erfolgreich

Mit der Liberalisierung haben nicht nur die Anforderungen an die Informationstechnologie in der Energiewirtschaft zugenommen, in der Folge sind auch die Kosten für Anschaffung und den Betrieb der Lösungen deutlich gestiegen. IT-Prozesskosten in Höhe von 10 % des Gesamtumsatzes sind oft die Regel. Daher tun sich gerade kleine und mittlere Stadtwerke immer öfter zusammen und betreiben im Rahmen des Co-Sourcing ihre Datenverarbeitung im Verbund. Ein durchaus erfolgreicher Ansatz, wie das Beispiel der Stadtwerke Herborn zeigt.

13. August 2003

Mit rund 18.000 Zählern und knapp 30.000 Verträgen aus den Bereichen Strom, Gas und Wasser gehören die Stadtwerke Herborn nicht zu den Großen der Branche. Umso wichtiger war es, mit Hilfe der richtigen Werkzeuge für rationelle Abläufe im Unternehmen zu sorgen, gerade auch mit dem Einsatz von Software-Werkzeugen. Denn nur wer die Möglichkeiten einer Lösung richtig ausschöpft, kann Optimierungspotenziale auch tatsächlich erschließen. Die Folge ist fast automatisch, dass nicht nur das Know-how in Bezug auf die organisatorischen Prozesse im Unternehmen zunimmt, auch die Fachkompetenz in Sachen IT wird größer. Eine Ressource, die eigentlich zu wertvoll ist, um sie nur für die eigenen Zwecke zu nutzen.

& uot;Der Einstieg in das Thema hat sich für uns fast von selbst ergeben. Man kennt sich und unterhält sich mit den Kollegen. Und nachdem wir mit Schleupen.CS im Jahr 2001 eine neue Lösung eingeführt und das entsprechende Know-how aufgebaut hatten, wurden diese Gespräche sehr schnell konkret& uot;, so Wilhelm Pretzlaff, Geschäftsführer der Stadtwerke Herborn. Schon im Februar 2002 ging mit den Stadtwerken Bad Vilbel der erste Kunde mit dem Modul CS.FB Rechnungswesen produktiv, im April folgten dann die Stadtwerke Haiger, mit CS.VA, dem Modul Vertragsabrechnung, im November schließlich auch die Stadtwerke Bad Vilbel mit der Schleupen-Verbrauchsabrechnung. & uot;Wir haben alle dieselben Probleme. Was liegt da näher, als die Aufwendungen für die IT auf mehrere Schultern zu verteilen. Da haben alle etwas davon& uot;, so Wilhelm Pretzlaff. Diese Gemeinsamkeiten sind für ihn auch die Erklärung dafür, dass sich das & uot;Co-Sourcing& uot; zu einem echten Trend in der Branche entwickelt hat - im Gegensatz zum klassischen & uot;Outsourcing& uot;, also dem Betrieb eines Rechenzentrums durch einen IT-Dienstleister.

Einem Externen trauen viele Stadtwerke nicht zu, sie auch fachlich richtig zu betreuen. Das beginnt schon beim immensen Änderungsbedarf: & uot;Die Rahmenbedingungen, die gesetzlichen Vorgaben und Vorschriften in der Energiewirtschaft sind doch ständig im Wandel. Bis man jedes Mal einem externen Dienstleister erklärt hat, wie er das in der Software umsetzen muss, vergeht viel zu viel Zeit& uot;, so Wilhelm Pretzlaff. Mit den eigenen Leuten, die sowohl etwas von der Materie als auch von der Technik verstehen, sei das viel schneller und vor allem unproblematischer umzusetzen. Die Fachkompetenz, über die der IT-Dienstleister & uot;Stadtwerk& uot; verfügt, ist für ihn aber auch aus einem ganz anderen Gesichtspunkt ein Auslöser für diesen Trend. & uot;Vertrauen ist das A und O in dieser Beziehung. Man muss sich prüfen, ob man auch vernünftige Arbeit abliefern kann. Und das fällt natürlich leichter, wenn man auch selbst tagtäglich mit der Software arbeitet.& uot;

Eine Erfahrung, die nicht nur die Stadtwerke Herborn machen. Ganz allgemein ist das & uot;Co-Sourcing& uot; für viele Stadtwerke eine echte Alternative. So hat beispielsweise eine Umfrage der EDNA-Initiative auf der letztjährigen EDMlive in Nürnberg ergeben, dass eine große Mehrheit der befragten Anwender erwarten, dass sich diese Form der IT-Diensleistung auf breiter Ebene durchsetzen wird. Eine Erwartung, die vielerorts bereits Realität geworden ist. Allein im Schleupen-Umfeld hat die Zahl der Stadtwerke, die ihre Informationstechnologie als sogenanntes & uot;Schleupen-Kompetenz-Center& uot; betreiben, in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen. Von der Albatros Servicegesellschaft in Westerland, über die GGEW in Bensheim bis zu den Stadtwerken Radolfzell sind in den vergangenen zwei Jahren überall in Deutschland Kompetenz-Center entstanden, die Informationsverarbeitung als Dienstleistung für benachbarte Stadtwerke mit betreiben.

Diese Form der Zusammenarbeit hat ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile. Zunächst natürlich für das Stadtwerk selbst, das als IT-Dienstleister auftritt. Es kann nicht nur die vorhandene Infrastruktur weitaus besser ausnutzen, als das im reinen Eigenbetrieb möglich wäre. Auch Investitionen in den Ausbau der Lösung oder in neue Technologien rechnen sich weitaus schneller und können auf dieser Basis sehr viel leichter angegangen werden. & uot;Unsere IT-Infrastruktur ist sicherlich sehr viel leistungsfähiger, als man das normalerweise bei einem Stadtwerk unserer Größe erwarten würde& uot;, so Markus Christ, verantwortlich für die VA-Projekte bei den Stadtwerken Herborn. & uot;Davon profitieren sowohl wir selbst, als auch unsere Kunden und Partner.& uot; Die gemeinsame Lösung bringt aber auch weitere Synergieeffekte mit sich. Das beginnt beim Personalaufwand, weil die eigene IT-Abteilung überflüssig wird, und auch der Einführungsaufwand liegt deutlich niedriger, weil man nicht bei Null beginnt, sondern auf in der Praxis erprobte Prozesse zurückgreifen und die entsprechenden Einstellungen übernehmen kann. Im Verbund ist es zudem viel leichter, auf die sich ständig ändernden Anforderungen des liberalisierten Marktes zu reagieren. Denn mit den steigenden Anforderungen werden auch die Lösungen immer komplexer. Das beginnt beim Energiedatenmanagement und den vielschichtigen Problemen des Datenaustausches zwischen den Marktpartnern und geht bis hin zur Integration von Bereichen, die früher eher autark und nebeneinander her gearbeitet haben, wie etwa der kaufmännische und der technische Bereich in einem Stadtwerk.

Das Stadtwerk als IT-Dienstleister - bei den Stadtwerken Herborn hat sich der Einstieg in dieses völlig neue Geschäftsfeld bezahlt gemacht. Sowohl die mit rund 16.000 Zählern und 28.000 Verträgen etwas kleineren Stadtwerke Haiger als auch die mehr als doppelt so großen Stadtwerke Bad Vilbel sind ganz offensichtlich zufrieden mit der Betreuung durch die Kollegen. So etwas spricht sich herum. & uot;Wir könnten sicherlich sehr viel mehr Stadtwerke betreuen“, sagt Markus Christ. „Entsprechende Anfragen bekommen wir inzwischen fast wöchentlich, obwohl wir dieses Angebot in keiner Weise aktiv vertreiben.“ Doch die Stadtwerke Herborn halten sich hier ganz bewusst zurück. „EDV muss solide sein“, so das Credo seines Chefs Wilhelm Pretzlaff. Das bedeutet für ihn auch, dieses neue Geschäft ganz überlegt und keineswegs überhastet auszubauen. & uot;Wir sind derzeit dabei zu Überlegen, wie wir unsere Systeme sinnvoll ausbauen können. Erst wenn das klar ist, werden wir über neue Aufträge reden.& uot;

Erschienen in Ausgabe: 06/2003