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Technik

Bürgerbeteiligung - Die Bevölkerung ist der Motor der Energiewende. Über Bürgersolarparks können Kommunen ihre Bürger direkt einbinden. Anleger können sich außerdem so an Projekten der Energieversorger beteiligen und diese mitfinanzieren.

05. Mai 2011

„Wir sind Überzeugungstäter. Wir denken, dass 100 Prozent erneuerbare Energien machbar sind und dass dies ganz bewusst von der Basis der Gesellschaft aus geschehen muss“, sagt Thomas Prudlo, Geschäftsführer von Green City Energy.

Unternehmen wie der Münchner Energieversorger binden Bürger ganz bewusst in ihre Strategie ein. Seit der Gründung 2005 habe man sich von einer lokalen Umweltinitiative zu einem alternativen Energiedienstleister entwickelt, führt Prudlo weiter aus.

„Auf unserem Weg war das Prinzip der Bürgerbeteiligung immer unser Erfolgsrezept. Ich glaube, dass die Einbindung der Bevölkerung auch für die ganze Branche die Grundlage sein muss, um die Demokratisierung der Energieversorgung und damit die vollständige Energiewende zu erreichen.“ Denn durch dezentrale Strukturen und die Integration jedes Einzelnen sinke auch „die exponierte Machtstellung der großen Energieversorger in Deutschland“.

Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien für private Anleger gibt es mittlerweile viele. Die Geldanlagen basieren in der Regel auf den Rahmenbedingungen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG).

Darunter fallen Angebote, wie der kommunale Bürgersolarpark Garching, der kürzlich unter die Top 3 der nachhaltigsten Initiativen Deutschlands gewählt wurde.

Der geschlossene Fonds stand den Bürgern der Stadt zur Zeichnung offen. So konnte die Kommune einen wichtigen Schritt zur Umstellung der Versorgung auf Erneuerbare Energien gehen und gleichzeitig durch die direkte Beteiligungsofferte die Bürger in das Projekt einbinden. „Das Interesse der Bürger am Solarpark Garching war von Anfang an sehr groß. Die Resonanz durchweg positiv, innerhalb von nur fünf Wochen waren alle Anteile gezeichnet“, erklärt Hannelore Gabor, Bürgermeisterin von Garching bei München.

Ein anderes Projekt ist in Form eines Bürgerbeteiligungs-Modells in Augsburg und Ingolstadt entstanden. Private Anleger konnten sich in Form eines geschlossenen Fonds am „Solarpark Bayern von Green City Energy beteiligen. Eine der beiden Anlagen mit 1MWp hat der Energieversorger auf dem Hallendach des ehemaligen Werks des Unternehmens Höchst im Industriepark von Bobingen bei Augsburg installiert.

Eine weitere Anlage mit rund 500kWp Leistung befindet sich am Stammsitz von Audi in Ingolstadt. Auf einer Dachfläche von rund 7.500m² kommen Dünnschichtmodule des Unternehmens Inventux zum Einsatz. Bereits im Herbst 2009 konnte der Versorger eine andere Ausschreibung für die Installation von Solaranlagen auf den Dächern von Audi für sich entscheiden. Dieses Projekt mit einer Leistung von 1,12MWp wurde im „Solarpark Ingolstadt gebündelt, der in einer Woche vollständig platziert wurde.

Speziell nach den schrecklichen Ereignissen im japanischen Kernkraftwerk Fukushima entdecken immer mehr Anleger das Potenzial ökologischer Geldanlagen für die private Altersvorsorge in Form von Genussrechten und Fonds. Doch wird die bestehende Erfolgsformel dieser alternativen Geldanlagen auch in Zeiten einer zwangsläufig sinkenden EEG-Vergütung noch aufgehen?

Im Fall seines Unternehmens sieht Prudlo positiv in die Zukunft: „Wir haben den Markt genau analysiert und uns dementsprechend aufgestellt. Mit Sonne, Wind, Biogas und Wasserkraft sind wir in verschiedenen Geschäftsfeldern vertreten.“

Während der letzten fünf Jahre habe man eine enorme technologische Entwicklung in allen Bereichen beobachtet. „Bis zur Netzparität ist es nicht mehr weit, schon jetzt profitieren wir unabhängig vom EEG von sinkenden Gestehungskosten und steigenden Erträgen.“

Diese Einschätzung teilt auch das Institut EuPD-Research, das im Auftrag des Solarverbandes BSW-Solar eine regelmäßige Befragung von 100 Installateuren durchführt und etwa belegt, dass PV-Anlagen seit 2006 um 50% günstiger geworden sind. So kostete ein fertig installiertes Komplettsystem je kWp installierte Leistung im 1.Quartal 2011 durchschnittlich 2.546€ zuzüglich Umsatzsteuer.Angesichts dieser Entwicklungen lässt sich hoffen, dass die Energiewende in Bürgerhand in der gesamten Bundesrepublik machbar ist. Baden-Württemberg hat hier ein erstes Zeichen gesetzt. Der Achtungserfolg der Grünen ist auch als Zeichen der Bürger für die nach wie vor unabdingbare politische Unterstützung der Erneuerbaren zu verstehen.