Generalisten oder Spezialisten?

Service Anreizregulierung und Emissionshandel generieren einen hohen Consultingbedarf. Während sich die Berater als Spezialisten positionieren, setzen Energieversorger auf die Breite.

02. Oktober 2008

Mehr als 1 Mrd. € geben Energieversorgungsunternehmen (EVU) jährlich für Beratungsleistungen aus – Tendenz steigend. Ein Blick auf die Anbieterstruktur, die von diesem Auftragsvolumen profitieren, zeigt jedoch die spezifische Situation im Beratermarkt. Bezogen auf den mit EVU-Beratung generierten Gesamtumsatz entfällt nur ein Fünftel auf die 20 größten Management- Beratungen. Die übrigen 80 % teilen sich viele kleinere Beratungsunternehmen.

Laut dem Trend- und Marktforschungsinstitut trend:research wirken sich das robuste Investitionsklima und der anhaltend regulatorische Druck positiv aus. EVU müssen rasch Effizienz- und Produktivitätsgewinne realisieren. Auf sie wirkt sich die Fragmentierung und Wettbewerbsintensivierung des EVU-Beratermarktes nachteilig aus. Dies gilt insbesondere für den schleppenden Übergang von effizienz- zu innovationsgetriebenen Beratungsthemen.

Mehr Effizienz als Innovation

Während die Deregulierung der Telekommunikationsmärkte gleichermaßen auf die Förderung von Effizienz und Innovation gerichtet war, setzt die Regulierung im Energiemarkt laut den Bremer Marktforschern bislang einseitig auf Effizienzsteigerung. Auf lange Sicht laufe diese Entwicklung Gefahr, Innovationen zu vernachlässigen.

In der dritten Auflage der Studie ›EVU-Berater 2008‹ greift das Forschungsinstitut dieses Thema auf. Die Präsentation der bekanntesten und besten Berater in der Energiewirtschaft wird auf Basis eines Kriterienkatalogs in einem Ranking dargestellt. Grundlage bilden neben umfangreichem Desk Research die Befragung von über 90 Marktakteuren sowie die Befragungsresultate der Vorgängerstudien. Der Gesamtmarkt für Beratungsleistungen in der Energiewirtschaft besitzt einen Umfang von 1,34 Mrd. € und umfasst die Bereiche Strategie, Organisation, Marketing und Vertrieb, Human Ressource und IT für die Bereiche Erzeugung, Netze, Handel sowie Marketing und Vertrieb.

Den Markt untersuchen die Analysten innerhalb dreier Szenarien (siehe Grafik oben). Das erste Szenario geht von einem unterdurchschnittlichen Wachstum von weniger als 5 % aus. Das Investitionsklima verschlechtert sich und die Nachfrage nach Consultern geht zurück. Neben weiteren Faktoren entsteht ein verstärkter Preis- und Margendruck.

In Szenario zwei – dem Referenzszenario – wird ein durchschnittliches Wachstum von bis zu 7 % angenommen. Es herrscht ein gutes bis sehr gutes Investitionsklima und die Nachfrage nach Beratungsleistungen steigt. Die Preise für diese entwickeln sich hier durchschnittlich, bezogen auf den Gesamtmarkt.

Szenario drei setzt ein überdurchschnittliches Wachstum von über 7 % voraus. Das Investitionsklima ist sehr gut und die Nachfrage nach Consulting steigt stark. Die größte Hebelwirkung auf die dargestellten Szenarien haben jeweils der Bedarf nach Beratungsleistungen und das Investitionsklima. Doch welche Beratertypen werden vor dem Hintergrund dieser Marktentwicklung erfolgreich auf dem Markt agieren?

Laut der Marktforscher droht die Marktbearbeitung der Berater an den Anforderungen der EVU vorbeizugehen: Während viele Berater sich als Spezialisten mit dem Fokus ›Energiewirtschaft‹ positionieren, setzen EVU eher auf breit aufgestellte Unternehmen, die stark in den klassischen Beratungsdisziplinen sind und auch über branchenübergreifende Erfahrungen verfügen.

Klassische Berater bevorzugt

Gefragt danach, welche Gewinner es in Zukunft geben wird, sehen nur die Berater die auf die Energiewirtschaft spezialisierten Berater mit rund 30 % der Nennungen als Gewinner der Marktentwicklung, während die Versorger mit rund 10 % der Nennungen in dieser Frage deutlich zurückhaltender urteilen. Statt der Spezialisten setzen EVU auf klassische Managementberater als Gewinner der Marktentwicklung, während Berater diese Disziplin eher als Verlierer sehen (siehe Grafik unten).

Wie in der letzten Auflage der Studie, steht con|energy im Ranking der Branchenspezialisten auf Platz eins. Auf Rang zwei folgen jeweils mit der gleichen Punktzahl zum einen das BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung und zum anderen die Convergence Utility Consultans.

Die ersten drei Plätze des zweiten Rankings – dem Ranking der Managementberatungen, die Leistungen in der Energiewirtschaft anbieten – nehmen McKinsey & Company, Deloitte Consulting und Roland Berger Strategy Consultants ein.

Erschienen in Ausgabe: 10/2008