Geothermie-Bohrung: Gasaustritt in St. Gallen verhindert

Am frühen Samstagmorgen konnten Projektverantwortliche des Geothermieprojekts im schweizerischen St. Gallen einen Gasaustritt verhindern. Nun werden die Ergebnisse der laufenden Nachuntersuchungen abgewartet.

23. Juli 2013

Das berichtet das Wirtschaftsforum Geothermie nach diesem vorliegenden Informationen und begrüßt den sicherheitsorientierten Umgang. Zu den Ursachen des Bebens, das der Schweizer Erdbebendienst SED auf der II- bis IX-stufigen Skala seiner ShakeMap als II bis IV einstuft, gebe es bisher noch keine abschließenden Angaben.

»Fest steht aber: Die Bohrarbeiten waren bereits abgeschlossen und haben diese Seismizität nicht verursacht. Der Gaseintritt wurde erst bei nachfolgenden Arbeiten registriert, in deren Folge das Beben auftrat«, erklärt Professor Thomas Kohl vom Institut für Angewandte Geowissenschaften am KIT in Karlsruhe.»Im Alpenraum sind Tiefengas-Vorkommen nicht unüblich. Diese sind geologisch bedingt, beim Bohrprozess wird auf ihr Vorhandensein Rücksicht genommen«, betont Kohl.

Die Bohrfirmen sind daher auf das Auftauchen von Gasblasen im Gestein vorbereitet. Die Sicherheitstechnik muss für einen raschen Druckausgleich stets am Bohrplatz vorhanden sein. Es ist die gleiche, wie sie auch bei Erdöl- oder Erdgasbohrungen verwendet wird.

Dr. Erwin Knapek, Vorsitzender des Wirtschaftsforum Geothermie e.V., sagt: »Das Vorgehen der Projektverantwortlichen und des Baustellen-Teams in St. Gallen entspricht den Regeln der Technik. Die Sicherheit der Bevölkerung und der am Bohrloch tätigen Mitarbeiter hatte oberste Priorität. Der Betreiber hat bewiesen: Sein Konzept für schnelles Eingreifen ist wirksam, der drohende Gasaustritt wurde verhindert.«

Kohl verweist auch darauf, dass die Schweizer Geologie mit ihrer dicken, kompaktierten Molasseschicht und der darunter liegenden, Heißwasser führenden Malmkalk-Schicht im Vergleich zum Bayerischen Molassebecken einige Unterschiede aufweist: Die Molasse bei München hat eine reduzierte Mächtigkeit und Ausprägung im Vergleich zu St. Gallen. »Dies führt auch zu anderen Gebirgsspannungen, als in Bayern. Aber das ist bekannt«, sagt Professor Kohl.

»Mit jeder Bohrung wächst das Wissen, das wir über die Erdwärmenutzung aus mehreren tausend Metern Tiefe haben«, sagt Knapek. Daher ist es sinnvoll, nun auf Ursachensuche zu gehen, und daraus Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten. »Wir begrüßen die Umsicht, die Arbeiten nun ein paar Tage auszusetzen, um den Forschern genug Zeit zu geben, die Fakten zu sammeln und auszuwerten.«