Glückliche Gastochter

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Erdgas Gegen den Branchentrend macht Gazprom Germania auch in Krisenzeiten gute Geschäfte – dank des Mutterkonzerns.

06. Juli 2009

> Nach dem Rekordjahr 2008, in dem die deutsche Gazprom-Tochter ihren Erdgasabsatz um 169Mrd. auf 634Mrd.kWh steigern und den Umsatz auf knapp 14,7Mrd.€ fast verdoppeln konnte, rechnet Geschäftsführer Hans-Joachim Gornig für 2009 mit einer Eintrübung des Marktes. »Wir sehen eine stark rückläufige Entwicklung«, so Gornig. In den ersten vier Monaten habe sich der Produktionsrückgang der Großindustrie deutlich bemerkbar gemacht.

Zudem hätten die großen Gaseinkäufer primär auf Speicher zurückgegriffen sie hofften auf sinkende Preise im zweiten und dritten Quartal. Spürbar sei die gegenwärtige Zahlungsschwäche in Ländern mit einst hoher wirtschaftlicher Dynamik wie die Ukraine oder Kasachstan: Durch starke Abwertung der nationalen Währungen hätten sich die Gaspreise dort schlagartig um 30 bis 50% erhöht.

Gazprom Germania verzeichnet im ersten Quartal 2009 dennoch ein Absatzwachstum von 28%. Dank »glücklicher Umstände« konnte man weitere Lieferpositionen übernehmen, so Gornig. Ein Grund dafür sei die »Eigenschaft als Tochter«, erläutert Dr. Claus Bergschneider, Generalbevollmächtigter und Geschäftsführer der Handelstochter ZMB. »Wir haben vom Mutterkonzern Handelsgeschäfte, zugeteilt bekommen.«

Nicht nur die Zahlungsfähigkeit der Kunden habe sich verschlechtert, auch Kredite für Handelsgeschäfte und Investitionen seien schwerer zu bekommen, sagt Gornig: »Natürlich sind auch wir von der Krise betroffen. Aber wir bleiben mit unseren Investitionen in die Infrastruktur auf Kurs.«

2008 investierten sie gut 33Mio.€ in das usbekische Förderprojekt Gissarneftgaz, 18Mio.€ gingen in Erdkundungsprojekte in der Nordsee und fast 23Mio.€ in Speichervorhaben. Im April haben Probebohrungen für den Speicher Schweinrich bei Wittstock in Brandenburg begonnen, bei vermuteten Lagerkapazitäten für 8 bis 10 Mrd.m³ Gas. Für Hinrichshagen in Mecklenburg-Vorpommern hätten Voruntersuchungen ein Speichervolumen von bis zu 5Mrd.m³ ergeben. In der Investitionsphase befinde sich der Kavernenspeicher Etzel in Nordwestdeutschland, die Inbetriebnahme sei für 2011 geplant. Dagegen stecke das gemeinsame Vorhaben von Gazprom und Wingas im britischen Saltfleetby noch immer im Genehmigungsverfahren, so Gornig. Alle vier Projekte sollen »Flexibilitäten« für die geplante Ostseepipeline Nord Stream schaffen. Mit Kraftwerksprojekten beschäftigt sich Gazprom nach wie vor nur »konzeptionell«.

Derzeit seien die Bedingungen für einen Einstieg in die Stromerzeugung ungünstig: wegen des rückläufigen Strombedarfs infolge der Konjunkturflaute und mangels »Stimulanzen aus dem Markt« für Spitzenlast aus Gaskraftwerken. So sei das in Lubmin gemeinsam mit E.on geplante 1.200-MW-Kraftwerk »zurückgestellt, aber noch nicht ad acta gelegt«. Eine positive Entscheidung für die in Eisenhüttenstadt geplante 800-MW-Anlage ist laut Gorni dagegen eher unwahrscheinlich. <

Hans Forster

www.gazprom-germania.de

Erschienen in Ausgabe: 06/2009