Große Namen im Rennen

markt & meinung

Bei stationären Brennstoffzellengeräten hat Japan die Nase vorn. Auf dem internationalen Forum f-cell im September in Stuttgart informiert der Branchenberater und Vorsitzende der interlink corporation, Takehiko Kato, über den Markt in seiner Heimat.

08. September 2009

••• bzm: Wie sieht es auf dem japanischen Brennstoffzellen-Markt derzeit aus?

Japan ist in diesem Bereich sehr aktiv und auch sehr solide aufgestellt. Wir haben viele große und renommierte Unternehmen im Rennen. Das schafft sozusa-gen Back-up-Kapazitäten. Stationäre Ein-Kilowatt-PEM-Brennstoffzellen liefern vor allem Panasonic, ENEOS Celltech und Toshiba Fuel Cells. Außerdem sind Hitachi, Fuji Electric und Mitsubishi Heavy Industries in dem Bereich aktiv.

bzm: Und im mobilen Bereich?

Dort gibt es ebenfalls drei Hauptakteure: Das sind Toyota, Honda und Nissan. Sie investieren in die Entwicklung von Hybrid-Fahrzeugen mit Brennstoffzellen und Lithium-Ionen-Batterien. Außerdem kümmern sich auch Suzuki und Daihatsu um die Entwicklung für Kleinwagen. Hitachi, Yamaha und Mitsubishi Gas Chemicals entwickeln Direkt-Methanol-Brennstoffzellen zwischen 600Watt und einem Kilowatt für kleine Fahrzeuge, Motorroller und portable Generatoren. Die Entwicklung portabler Brennstoffzellen unter 150 Watt für die Stromversorgung von Computern oder Handys werden von Toshiba, NEC, Hitachi und Fujitsu vorangetrieben. Das sind alles große Namen und solide Unternehmen. Das unterscheidet den japanischen von Märkten in anderen Ländern.

bzm: Macht sich die Finanz- und Wirtschaftskrise bemerkbar?

Ja, einer der führenden Brennstoffzellen-Anbieter, das Unternehmen Ebara Ballard stieg im Mai aus dem Brennstoffzellen-Geschäft aus. Die offizielle Begründung für den Rückzug war die Wirtschaftskrise. Bereits im April 2008 geriet die Brennstoffzellen-Sparte bei Sanyo in eine Schieflage und fusionierte mit Nippon Oil. Es entstand das Unternehmen ENEOS Celltech. In der ein oder anderen Weise wird die Wirtschaftskrise den Brennstoffzellenmarkt noch tangieren, da bin ich mir ziemlich sicher. Die Pläne der Hersteller sehen den Verkauf von 7.000 stationären Ein-Kilowatt-Brennstoffzellen zwischen April 2009 und Ende März 2010 vor.Ob die Men-schen die Anlagen angesichts der Krise auch kaufen, werden wir sehen.

bzm: Wie geht es speziell bei der Haus-energie in Japan voran?

In Japan können Endverbraucher stationäre Brennstoffzellen für die Hausenergieversorgung bereits kaufen. Zurzeit sind 3.000 Anlagen im Einsatz. Im Zeitraum von April 2009 bis Ende März 2010 rechnen die Hersteller mit einem Absatz von weiteren 7.000 Geräten. Zurzeit kostet eine stationäre Ein-Kilowatt-Brennstoffzelle etwas über drei Millionen Yen (rund 22.400€; die Redaktion). Die japanische Regierung subventioniert diesen Preis mit bis zu 1,4 Millionen Yen (rund 10.500€), um den Absatz anzukurbeln. Unsere derzeitigen Ein-Kilowatt-Anlagen sind, aus meiner Sicht, die besten, die es momentan weltweit gibt. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen Material und Technik noch weiter verbessert und die Lebensdauer verlängert werden. Ehrlich gesagt dachte ich noch vor einigen Jahren: Wen interessieren denn Ein-Kilowatt-Brennstoffzellen? Doch es stellt sich heraus, dass das genau der richtige Weg war. Die Ein-Kilowatt-Brennstoffzelle ist jetzt die Grundlage für die Entwicklung größerer Brennstoffzellen. Das stellt kein Problem mehr dar.

bzm: Wie bringen sich die japanischen Energieversorger in das Thema ein?

Die japanischen Energieversorger liefern entweder Strom oder Gas beziehungsweise Öl. Das sorgt für einen gesunden Wettbewerb und ist anders als in Deutschland. Die Gasversorger sind sehr stark engagiert, wenn es darum geht, Brennstoffzellen im Markt zu etablieren.

bzm: Welche Tipps würden Sie den Deutschen geben, um die Markteinführung voranzutreiben?

Stationäre Brennstoffzellen bieten einen guten Mix aus Infrastruktur- und Geräte-Geschäft. Die Deutschen müssten aber noch genauer definieren, was sie machen wollen.Japankönnteeingutes Modellabge-ben – sowohl für die Regierung als auch für die Industrie. Jemand sollte sich das japanische Vorgehen einmal gründlich anschauen und es auf die deutschen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen zuschneiden. Denn jedes Land ist anders, die Energiepolitik und auch die Perspektive der Geräte-Hersteller unterscheiden sich. •••

Erschienen in Ausgabe: 03/2009