Großer Schritt in eine saubere Zukunft

Kraftwerk Cottbus: Moderne Technik besitzt nun Marktreife

Dass die Cottbuser stolz auf ihr neues Heizkraftwerk sind, hat zwei Gründe. Nicht nur, dass die Anlage gegenüber dem alten Heizkraftwerk pro Megawattstunde 68 % Kohlenmonoxid, 96 % Schwefeldioxid, 46 % Stickoxide und 87 % Staub weniger produziert als sein Vorgänger - die Anlage weist einen für ein Kohlekraftwerk extrem hohen Wirkungsgrad auf.

04. Februar 2002

Als „großen Schritt in eine saubere Zukunft“ bezeichnete Vasa Energy- Geschäftsführer Dr. Herbert Aly das neue Heizkraftwerk (HKW) Cottbus. Die installierte Braunkohlewirbelschicht-Technologie setzt neue Maßstäbe in der Kraftwerkstechnik.

Das Heizkraftwerk erzeugt bis zu 74 MWel und maximal 220 MWth, die in das Fernwärmenetz der Stadt eingespeist werden. Es löst eine Anlage ab, die über 30 Jahre hinweg für Behaglichkeit in den Wohnungen der 1.650 vom HKW Jänschwalde und HKW Cottbus belieferten Wärmekunden gesorgt hat, allerdings die technischen Anforderungen nicht mehr erfüllen konnte. So entschlossen sich die Verantwortlichen 1993, das HKW zu ersetzen und spätestens 1999 in Betrieb zu nehmen, denn dann sollte die alte Anlage vom Netz gehen.

Pläne für Gaskraftwerk wurden verworfen

Zunächst wurde damals der Bau eines Gaskraftwerkes in Betracht gezogen, doch schließlich konnten sich die Befürworter einer Braunkohlenanlage durchsetzen. Eberhard Walter, Geschäftsführer der Stadtwerke Cottbus GmbH: „Angesichts der Tatsache, dass die Braunkohle preislich nur beim halben Erdgaspreis liegt und langfristig kalkulierbar ist, eine richtige Entscheidung.“

Waldemar Kleinschmidt, Oberbürgermeister der Stadt Cottbus, lobte die Technik anlässlich der Einweihung im März diesen Jahres: „Mit einem Wirkungsgrad der Gesamtanlage von mehr als 40 Prozent - einem Spitzenwert für Braunkohlekraftwerke -, einem Brennstoffnutzungsgrad durch Kraft-Wärme-Kopplung von rund 87 Prozent und einer Brennstoffersparnis von 10 bis 15 Prozent gegenüber der herkömmlichen Technologie spielen die Cottbuser Stadtwerke in der ersten Liga.“

Möglich werden diese Spitzenwerte erst durch den 40 m hohen Druckwirbelschichtkessel, in dem Wirbelschichtbraunkohle bei einem Überdruck von 12 bar verbrannt wird. Der Kessel dient der Dampferzeugung und ist zugleich eine Art externe Brennkammer für die Gasturbine. Durch den kombinierten Einsatz von Gas- und Dampfturbinen wird der Wirkungsgrad der Anlage erheblich verbessert, gemessen an der herkömmlichen Braunkohleverstromung. Dies war auch ein wesentlicher Grund für die Anerkennung des Heizkraftwerkes als externes Projekt der Expo 2000. Als Reserve und zum Abdecken der Spitzenlast stehen zwei Kessel zur Verfügung, die zusätzlich die Mittel-/Niederdruck-Dampfturbine speisen können.

Weitere Optimierung in der Sommerpause

Realisiert wurde das 350-Millionen-Mark-Projekt in der relativ kurzen Zeit von zweieinhalb Jahren: Im Mai 1997 war Grundsteinlegung, Ende 1998 wurde die erste Braunkohle verbrannt. Die offizielle Übergabe durch den Hauptauftragnehmer - die ehemalige ABB Kraftwerke AG, Mannheim (gemeinsam mit ABB Carbon) - an den Eigentümer Vasa Energy fand im Dezember vergangenen Jahres statt.

Während des Projektes leisteten die Mitwirkenden Pionierarbeit. Dabei stießen sie auch auf Hindernisse. Eberhard Walter zu den Problemen: „Einen Schatten warf der Brand an einem Förderband im vergangenen Jahr auf das Werk, und die neuerliche Inbetriebnahme verlief zögerlich. Nicht nur noch mehr Sicherheiten wurden installiert, sondern abgesehen vom Schadenseintritt mussten auch Erfahrungen gesammelt werden, die durch späte ingenieurtechnische Durchdringung auf dem Tisch der Bauleitung landeten.“

Einige Restarbeiten stehen also noch an, die spätestens während des Sommerstillstands erledigt werden sollen. Dann werden Optimierungsmaßnahmen dem Kraftwerk den letzten Schliff geben und die Attraktivität des Vorzeigekraftwerks erhöhen.

Lausitz: Kein Reservat für veraltete Technik

„Die Lausitz ist kein Reservat für veraltete Technologien“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe anlässlich der Einweihung des neuen Heizkraftwerkes (HKW) Cottbus am 23. März 2000. Mittels modernster Technik wird veredelte Lausitzer Braunkohle in Wärme und Strom für die Cottbuser Einwohner umgewandelt. Bei der in Cottbus realisierten innovativen Technologie der stationären druckaufgeladenen Wirbelschichtfeuerung kommt Wirbelschichtbraunkohle zum Einsatz, die am Veredlungsstandort Schwarze Pumpe der Lausitzer Braunkohle Aktiengesellschaft (Laubag) durch Zerkleinerung und Trocknung von Rohbraunkohle (natürlicher Wassergehalt: 53 bis 58 %) aufbereitet und in einer neu errichteten Siloanlage mit automatisierter Verladung zwischengelagert wird.

Der körnige Energieträger Wirbelschichtbraunkohle hat einen Wassergehalt von etwa 18,5 %, und der Heizwert liegt bei 19.000 kJ/kg. Durch Zumischen von Luft nimmt die Wirbelschichtbraunkohle einen fluiden Zustand ein und bietet somit ein vorteilhaftes Handling. Die Kombination von günstigen brennstoffspezifischen Eigenschaften mit innovativer Anlagentechnik eröffnet der Wirbelschichtbraunkohle Perspektiven vor allem im kleinen und mittleren Leistungsbereich.

Für die Laubag bedeutet die Versorgung des HKW Cottbus eine kontinuierliche Abnahme von etwa 1.000 t Wirbelschichtbraunkohle pro Tag bei Volllastbetrieb. Diese Kohle wird per Schiene in modernen Schüttgutkesselwagen, die zu Ganzzügen zusammengestellt werden, von Schwarze Pumpe nach Cottbus befördert.

Sämtliche Transport- und Umschlagprozesse der Wirbelschlichtbraunkohle, des Kalkadditives und der Verbrennungsrückstände werden in geschlossenen Systemen, realisiert. Die gesamte Logistik der Brennstoffbereitstellung sowie des Abtransportes der Asche und deren Verwertung werden durch die Laubag, organisiert. Sie sind Bestandteile eines langfristigen Liefer- und Abnahmevertrages.

Neben dem bisher gebräuchlichen Einsatz von Braunkohlenstaub in Heizwerken und Heizkraftwerken bietet die Wirbelschichttechnologie eine weitere effiziente Möglichkeit des Heizkraftwerkbaues in Städten ab mittlerer Größenordnung.

Erschienen in Ausgabe: 05/2000