Grüne Konzepte für ›One IT‹

Rechenzentrum Durch die Virtualisierung der Server spart Vattenfall Europe Energie und Kosten ein. Das neue ›Data Center‹ in Hamburg spiegelt den Trend der Branche zur energieeffizienten Infrastruktur wider.

02. Oktober 2008

Der IT-Gedanke färbt sich in den Köpfen der Energiebranche zunehmend grün: Knapp mehr als die Hälfte der Befragten einer Partnerumfrage des IT-Dienstleisters Cisco Systems schätzen momentan die Bedeutung umweltfreundlicher und energieeffizienter Hochleistungsrechner für ihr eigenes Unternehmen als »hoch« bis »sehr hoch« ein. Für 91 % wird die Rolle der Grünen IT in den nächsten zwei Jahren eine »steigende« oder gar eine »hohe« Bedeutung einnehmen.

Zum Spiegel dessen werden auch die Beratungsgespräche rund um das Thema IT. »Die zunehmende Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen macht ein größeres Know-how in diesem Sektor erforderlich «, so Jan Roschek, Leiter des Green Board bei Cisco Deutschland. »Langfristig wird dieses Wissen ein entscheidender Faktor in der Positionierung gegenüber dem Wettbewerb sein«. Insbesondere wirtschaftliche Berechnungen reizen die Unternehmen zur Optimierung ihrer Rechner. Im Mittelpunkt stehen Ressourcenschonung und Energieeffizienz, wie etwa bei 43 % der Befragten die Einsparpotenziale beim Stromverbrauch.

Um etwa 1.700.000 kWh jährlich kann beispielsweise Vattenfall Europe seinen Verbrauch durch die nun abgeschlossene Rechenzentrumkonsolidierung und die Inbetriebnahme des neuen ›Data Centers‹ in Hamburg senken.

Dort sind zentral Hochleistungsrechner des Energiekonzerns zusammengefasst, auf denen zuvor IT-Systeme an sechs Standorten in Deutschland liefen. Die europaweite Ausschreibung der eingesetzten Hardware gewannen IBM für die Unix- und Hewlett Packard für die Windows- und Linux-Systeme. »Durch die Serverkonsolidierung konnten wir erreichen, dass heute 300 physische Server weniger im Betrieb sind und dadurch der Stromverbrauch sinkt, obwohl gleichzeitig die Menge der angeforderten IT-Ressourcen zugenommen hat«, resümiert der Leiter des neuen ›Data Centers‹, Frank Gessert.

Der geringere Kühlungs- und Wartungsaufwand sowie die niedrigeren Stromkosten führen laut Konzernaussagen zu Kosteneinsparungen im sechs bis siebenstelligen Bereich. Das von der Vattenfall IT Infrastructure Services gemeinsam mit der Vattenfall Europe Information Services realisierte Projekte stellt einen wichtigen Schritt dar zum Aufbau des geplanten länderübergreifenden Rechenzentrums des Unternehmens. In diesem will der Konzern nach aktuellen Planungen ab 2010 alle wichtigen IT-Anwendungen zentral vom Standort Hamburg betreiben. Das Projekt hierzu ›One IT Infrastructure‹ startete bereits im Juni 2006.

»Solche ehrgeizigen Vorgaben sind nur durch eine konsequente und zentrale Bündelung der technischen Ressourcen und exzellentes Know-how möglich«, erklärte Ernst Wudtke, Geschäftsführer von Vattenfall Europe Information Services im Rahmen der offiziellen Einweihung in Hamburg. Höchste Sicherheitsstandards hat das mit Sicherheitstüren, Notstromaggregaten und Feuerlöschanlagen ausgestattete Rechenzentrum zu erfüllen. Ein zweites, komplett autarkes Rechenzentrum an einem zweiten Standort kann zudem bei einem lokalen Katastrophenfall alle geschäftsrelevanten IT-Lösungen jederzeit vorhalten.

Akzeptanz als Gemeinziel

Neben dem Katastrophen- und Umweltschutz stand planerisch laut Gessert insbesondere die Mandantenfähigkeit des Rechenzentrums im Vordergrund, um die gesetzlichen Anforderung des Unbundling im europäischen Markt erfüllen zu können.

Die Konsolidierung stellt für den IT-Experten in erster Linie eine »organisatorische Herausforderung« dar. »Es mussten alle IT-Abteilungen, der Rechenzentrums- und Anwendungsbetrieb, die Anwendungsentwicklung sowie die jeweils betroffenen internen Kunden eingebunden werden«, ergänzt Dr. Dirk Hupfeld, Leiter der Unix-Administration. »Wichtig war die Akzeptanz des gemeinsamen Ziels. Technische Probleme lassen sich lösen, zum einen durch eine gründliche Planung im Vorfeld und zum anderen durch eine frühzeitige Erprobung mittels Piloten«, so Hupfeld. Die Leistungsfähigkeit der installierten Applikationen leidet nicht unter der Servervirtualisierung. »Die Server werden durch die Virtualiserungssoftware ›VMware‹ logisch voneinander getrennt«, erklärt Hupfeld. »Identisch zu den physischen Servern haben die virtuellen Server ein eigenes Betriebssystem und eigene Internet-Protokoll-Adressen. Aus Applikationssicht handelt es sich immer noch um unabhängige Server«, so Hupfeld.

Das ›Loadbalancing‹ stellt sicher, dass jedem virtuellen Server ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen: »Ein Ausfall einzelner Rechner wird durch die Verlagerung auf die verbleibenden Server automatisch abgefangen«, führt der IT-Experte aus. Den Projektabschluss für ›One IT‹ hat der Konzern auf den 31. Dezember 2009 gesetzt. Weitere Details können jedoch derzeit noch nicht genannt werden.

Erschienen in Ausgabe: 10/2008