Grüne Produkte und grüne Dollars

01. Juni 2007

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) entstehen bis zum Jahr 2050 allein hierzulande durch Klimaschäden höhere Energiekosten und notwendige Schutzmaßnahmen Kosten von rund 800 Mrd. €. Klimawandel als Konjunkturkiller und Wirtschaftsbremse? So sehen es die meisten. Aus einer anderen Perspektive betrachtet, könnte der Klimawandel aber durchaus auch als Chance begriffen werden, wie der US-Konzern General Electric (GE) zeigt.

Als GE-Boss Jeffrey R. Immelt im Sommer 2005 erstmals in Deutschland die Initiative ecomagination vorstellte, wurde dies auch mit Verwunderung aufgenommen. Ein amerikanischer Konzern wird grün und präsentiert seinen Wandel zu mehr Umweltbewusstsein gerade im Mutterland der Öko-Bewegungen?

Weit gefehlt, denn der GE-Chef verbindet mit grün vor allem die Farbe von Dollars. ecomagination ist eine weltweite GE Wachstumsstrategie, so Immelt im Sommer 2005 im europäischen Forschungszentrum von GE in Garching bei München. Die aktuellen Diskussionen zum Klimawandel rund um den Globus belegen allerdings, dass Immelt anscheinend bereits vor zwei Jahren das richtige Gespür hatte.

So fuhr der Konzern mit dieser Initiative schon nach nur einem Jahr einen Umsatz von 8 Mrd. € ein. Die Auftragseingänge verdoppelten sich in diesem Zeitraum auf 14 Mrd. €. ecomagination zahlt sich sowohl für unsere Investoren als auch unsere Kunden aus, berichtete der GE-Chef im letzten Jahr angesichts dieser Zahlen. Die Weichen dazu wurden jedoch schon vor Einführung dieser Strategie gestellt.

Bereits im September 2003 nahm im südwalisischen Port Talbot, rund 115 km westlich der Hafenstadt Bristol, das Baglan Bay Kraftwerk seinen kommerziellen Betrieb auf. Herzstück der Anlage ist eine als H-System bezeichnete neue Gasturbinen- Generation.

WIRKUNGSGRAD VON 60 PROZENT

Im Vergleich zu den derzeit effizientesten GuD-Anlagen mit einem thermischen Wirkungsgrad von 57 bis 58 % kann eine mit eine H-System ausgestattete Kombi-Anlage nach Aussagen von GE Energy einen Wirkungsgrad von 60 % erzielen und dabei jährlich erhebliche Brennstoffkosten einsparen. Gleichzeitig soll das System in Relation zu vergleichbaren Anlagen niedrigere CO2- und NOx-Emissionen produzieren.

GE investiert nicht nur in die Entwicklung neuer GuD-Turbinen, sondern modernisiert auch das bestehende Gasturbinenportfolio. So wurde als Reaktion auf den zunehmenden Bedarf an 70-MW Gasturbinen die Frame 6FA-Baureihe grundlegend optimiert. Als Einwellen-Gasturbine liefert die GE Frame 6FA+e eine Ausgangsleistung von 77 MW bei einem thermischen Wirkungsgrad von 35,5 %. Im GuD-Betrieb verfügt die Maschine über eine Ausgangsleistung von 118 MW und einen thermischen Wirkungsgrad von 55 %. Mehr Energieeffizienz bei gleichzeitig geringeren Schadstoff- Emissionen, dies ist das Rezept, mit dem GE beim Bau zukünftiger Kraftwerke punkten will.

Im Bereich erneuerbare Energien hat man indes andere Herausforderungen im Visier. In der europäischen Produktionsstätte für Windkraftanlagen von GE in Salzbergen (Emsland) denkt man schon jetzt angesichts der immer knapper werdenden Flächen für Windparks über Alternativstandorte nach. 2008 soll die Fertigung der 2.5 xl Anlagentechnologie anlaufen. Diese zunächst für den europäischen und asiatischen Markt entwickelten WEA ermöglichen auch den Betrieb an Schwachwindstandorten mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 8,5 m/s. Man habe hier vor allem Standorte im Blick, die sich für Anlagen mit 100 m Nabenhöhe und 100 m Rotordurchmesser eignen, sagt Rainer Bröring, Geschäftführer des Windenergiebereichs von GE Energy für Europa.

Vor dem Hintergrund, dass die 2.5 xl für Schwachwindstandorte konzipiert wurde, meint Bröring hinsichtlich der Vergütung nach dem EEG: Binnenstandorte erhalten in der Regel die volle Vergütung über die geplante Laufzeit von 20 Jahren. Für Top-Standorte mit zu erwartenden hohen Erträgen ist die Laufzeit der Vergütung hingegen deutlich kürzer. Nach Unternehmensangaben versprechen die neuen Anlagen einen im Vergleich zu bisherigen GE-Anlagen um 5 % gesteigerten Leistungsfaktor sowie einen um 12 % höheren jährlichen Energieertrag.

Erschienen in Ausgabe: 06/2007