Grüner Strom aus gammeligem Gemüse

Biokraftwerke: Gute Geschäfte mit "green gas"

Aus biogenen Reststoffen macht das Biokraftwerk Alteno in dem nachgeschalteten Blockheizkraftwerk Biostrom und Biowärme. Mit 86.000 t/a Verwertungskapazität ist die Anlage zur Biogaserzeugung aus Lebensmittelresten eine der größten ihrer Art in Europa.

11. Februar 2003

Mit faulen Äpfeln Autofahren - klingt absurd, ist aber nicht abwegig. Jedenfalls, wenn eine Biogasanlage mit im Spiel ist. In der Brandenburger Gemeinde Alteno zum Beispiel steht eine solche Anlage. In ihr werden biogene Reststoffe durch eine anaerobe Methanisierung zu Biogas. Das ließe sich wegen seines hohen Methangehalts beispielsweise nach einer entsprechenden Aufbereitung zum Autofahren einsetzen oder - wie hier geschehen - zum Betrieb von Blockheizkraftwerken. Und nebenbei entsteht beim Vergären der Abfälle auch noch hochwertiger Dünger.

Feste, pastöse oder flüssige Reststoffe lassen sich in Alteno verwerten. Angeliefert werden sie per Bahn oder im Lkw zum Beispiel von der Lebensmittelindustrie, Supermärkten und von Kommunen, die den Inhalt ihrer Biotonne entsorgen möchten. Da kommt einiges zusammen: Netze voller schimmliger Orangen liegen ebenso im „Wareneingang“ wie gammliges Gemüse oder Küchen- und Kantinenabfälle. Kein Umfeld für empfindliche Nasen, weswegen Arbeiten zum Aussortieren nichtverwertbarer Stoffe auch in einer speziell klimatisierten Sortierkabine stattfinden, denn bevor der Bioabfall vergären darf, muss er zunächst separiert und für die Verwertung vorbereitet werden. Die Stoffe werden nach der Abtrennung aller Störstoffe in einem Stofflöser zu einem Brei vermengt. Dann geht es ab in die Homogenisierung. Dort werden die Stoffe zu einem Brei vermengt, anschließend auf 70 °C erhitzt und diese Temperatur für eine Stunde sicher gestellt. So ist gewährleistet, dass Krankheitskeime keine Chance mehr haben.

Erst jetzt gelangt die Masse in den Mischbehälter und über die Hydrolyse in die zwei Fermenter, die ein Fassungsvermögen von jeweils 3.300 m³ besitzen. In Alteno handelt es sich um ein zweistufiges Verfahren mit vorgezogener Hydrolyse. In etwa 20 Tagen wandeln Mikroorganismen die Biomasse in Biogas mit zirka 65 % Methananteil sowie Gärrestoffe um.

Aus dem, was wenige Tage vorher noch „zum Himmel stank“, wird bei der Nassvergärung Biogas. Es hat einen Methangehalt von 60 bis 75 %, was einem Brennwert von rund 23 MJ/m³. entspricht. Der Energiegehalt von einem Normkubikmeter dieses Brennstoff entspricht also etwa dem von 0,8 l Heizöl. Zum Schluss bleibt ein pumpfähiger Flüssigdünger übrig, der in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann, sowie eine feste Masse, die nach dem Abpressen als Kompost dient.

Das Biogas kann ließe sich nach einer weitergehenden Reinigung oder einer Aufbereitung ins Erdgasnetz einspeisen oder als Kraftstoff verwenden. In Alteno hingegen wird es vor Ort als Brennstoff für ein Blockheizkraftwerk genutzt. Sollte mehr Biogas entstehen, als gerade benötigt wird, gelangt es in einen Gasspeicher. Für den umgekehrten Fall und für den Anfahrbetrieb lässt sich einer der zwei BHKW-Motoren mit Erdgas betreiben.

Zwei auf Biogas abgestimmte Deutz-Motoren vom Typ „TBG 616 V 16K“ mit einer Leistung von 626 kWel und 834 kWth wandeln die im Brennstoff enthaltene Energie in Strom und Wärme um. Der Strom gelangt ins Netz des örtlichen Versorgers, die Wärme wird teilweise zum Beheizen der Hygienisierung genutzt. Da in Alteno kein Wärmenetz existiert, muss der Wärmeüberschuss - insbesondere in den Sommermonaten - durch Kühler abgeführt werden. Die Abgase des Blockheizkraftwerks unterschreiten die nach TA Luft geforderten Werte um etwa ein Viertel.

Die farmatic biotech energy sieht die erfolgreiche Inbetriebnahme des Kraftwerks Alteno als einen weiteren Beitrag, die Technologieführerschaft im Bereich Biogas weiter auszubauen. Gewiss ist, dass weitere Kraftwerke folgen werden. Unter anderem Energieversorgungsunternehmen interessieren sich für die Option, aus „gammeligem Gemüse“ über „green gas“ schließlich „grünen Strom“ und grünen Kraftstoff zu erzeugen.

Erschienen in Ausgabe: 09/2002