Günstige Zuteilung für KWK

CO2-HANDEL - Mitte April erschien der Entwurf des 2. Nationalen Allokationsplans. Der Verband B.KWK skizziert die Auswirkungen.

06. Juni 2006

Gemäß der vorgeschriebenen Beteiligung der Öffentlichkeit konnten Stellungnahmen zum Entwurf des Nationalen Allokationsplans für den Emissionshandel 2008-2012 (NAP II) bis zum 30. Mai 2006 gegenüber dem Bundesumweltministerium (BMU) abgegeben werden. Der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) beklagt, dass generell darauf verzichtet wird, 10 % der Emissionsberechtigungen zu auktionieren und die Zuteilung weitgehend mittels Benchmarks (Vergleich mit guter fachlicher Praxis) vorzunehmen. Damit bleiben wesentliche Möglichkeiten zur Effektivierung ungenutzt.

Die Struktur des NAP II ist geprägt vom Bemühen, im Sinne von Vereinfachung und Transparenz die Anzahl der Sonderregelungen stark zu reduzieren. Zu den entfallenden Regelungen gegenüber dem Zuteilungsgesetz (ZuG) 2007 zählen unter anderem:

• Ex post-Kontrollen und Korrekturen

• Optionsregelung, die eine Zuteilung nach § 11 (Benchmark-Regelung) ermöglichen

• Regelung § 13 für prozessbedingte Emissionen, Erfüllungsfaktor 1

• Sonderzuteilung für KWK-Anlagen

• Sonderzuteilung § 15 bei Einstellung des Betriebs von Kernkraftwerken.

Für Neuanlagen, die im Zeitraum 2008 bis 2012 in Betrieb gehen, gilt eine Regelung ähnlich der des § 11 ZuG 2007: die Zuteilung erfolgt auf der Basis produktbezogener Emissionswerte (Benchmarks) unter Ansatz der Standardauslastungsfaktoren (Anhang 4) für 14 Jahre ohne Erfüllungsfaktor.

Der Benchmark für Strom wird eindeutiger als im ZuG 2007 definiert als 750 g CO2-Äquivalent/kWh; bei Einsatz von Gas gilt abweichend 365 g CO2-Äquivalent/kWh. Der Wärme-Benchmark beträgt für Warmwasser 290 bzw. 215 g CO2/kWh, letzterer Wert gilt bei Einsatz von Gas. Ents prechend gelten für Prozessdampf 345 oder 225 g CO2/kWh.

Für KWK-Anlagen, die im Zeitraum 2003 bis 2012 in Betrieb gingen bzw. gehen, bleibt es bei der günstigen Zuteilung nach Doppelbenchmark, mit der die CO2-Einsparung gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme (in effizienten Kondensations-Kraftwerken und Kesseln) der KWK-Anlage gutgeschrieben wird. Neu ist dabei die eindeutigere Definition der Benchmarks und die Ermittlung der jährlichen Erzeugung mittels Standardauslastungsfaktoren, die (Anhang 4) für KWK-Anlagen zwischen 6.000 und 7.500 Vollbenutzungsstunden pro Jahr betragen.

Altregel überkompensiert

Die positive Bewertung des Doppelbenchmarks für neue KWK-Anlagen wird relativiert durch die Übertragungsregel für Ersatzanlagen. Sie verschafft den bisherigen Betreibern der deutschen Kondensations-Anlagen, und damit im Wesentlichen den Verbundunternehmen, sehr günstige Zuteilungen für den Bau neuer Kondensations-Kraftwerke, auch solchen auf Kohlebasis. Der B.KWK hatte vorgeschlagen, die Übertragungsregel durch einen Doppelbenchmark für KWK-Anlagen zu ergänzen.

Für KWK-Bestandsanlagen, die vor 2003 in Betrieb genommen wurden, entfällt ab 2008 die Sonderzuteilung von 27 t CO2-Äquivalent je GWh in KWK erzeugten Stroms. Dafür wird der privilegierte Erfüllungsfaktor (EF) 98,75 % anstelle des sonst für die Energiewirtschaft geltenden EF 85 % angewendet. Im Vergleich zum derzeit geltenden (zweiten) Erfüllungsfaktor 95,38 % ergibt ab 2008 der Erfüllungsfaktor 98,75 % eine um rund 3,4 % höhere Zuteilung. Damit wird das Entfallen der Sonderzuteilung bei nahezu allen KWK-Bestandsanlagen überkompensiert.

Prof. Klaus Traube, B.KWK

Erschienen in Ausgabe: 06/2006