Gute Chancen für Sparfüchse

Management

Industrie - Die Bundesregierung hat Anreize geschaffen, um die Energieeffizienz in Unternehmen zu steigern. Sie können beispielsweise durch den Spitzenausgleich Stromsteuern erstattet bekommen.

26. November 2013

Die Vergünstigungen sind an Bedingungen geknüpft. So muss ein Unternehmen belegen können, dass es seine Energieeffizienz aktiv steigert. Einzelheiten zu den anerkannten Nachweisen regelt die kürzlich in Kraft gesetzte Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung (SpaEfV).

Sie sieht je nach Unternehmensgröße verschiedene Möglichkeiten vor. Ein Energiemanagementsystem (EnMS) nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS sind für große Unternehmen Pflicht; ebenso für kommunale Unternehmen, wenn mindestens 25 Prozent der Unternehmensanteile oder Stimmrechte von einer staatlichen Stelle oder Körperschaft des öffentlichen Rechts kontrolliert werden. Lediglich kleineren und mittleren Unternehmen ist es gestattet, den Nachweis durch ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 oder ein alternatives System nach Anlage 2 SpaEfV zu erbringen.

Diese Varianten sind mit weniger Aufwand und Kosten verbunden als die Implementierung eines Energiemanagementsystems oder Umweltmanagementsystems. Mit diesen umfassenden Systemen erbringen die großen Unternehmen und Konzerne mit mehr als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 50Mio. € beziehungsweise 43Mio.€ Jahresbilanzsumme den für den Spitzenausgleich erforderlichen Nachweis. Doch so unterschiedlich die Möglichkeiten sind, so einheitlich liegen die Fristen: Ganz gleich, ob Energie- oder Umweltmanagementsystem, Energieaudit oder alternatives System, im Jahr 2015 müssen sie vollständig im Unternehmen integriert und umgesetzt sein.

Übergangsregelung FÜR 2014

Für 2014 als Einführungsphase gelten Übergangsregelungen. So können die komplexen Managementsysteme auch schrittweise integriert werden. Um sich auch für dieses Jahr die Steuervorteile zu sichern, ist es jedoch wichtig, noch 2013 mit der Implementierung zu beginnen und die Konformität zur SpaEfV bestätigen zu lassen.

Auch hierbei stehen den Unternehmen verschiedene Optionen zur Verfügung. Eine Möglichkeit besteht im sogenannten horizontalen Ansatz. Das bedeutet: Für das Jahr 2013 wird ein Nachweis über den Betrieb eines Managementsystems benötigt, das mindestens 25% des gesamten Energieverbrauchs abdeckt. 2014 muss das System auf mindestens 60% ausgeweitet werden. Belegt wird das durch anerkannte Nachweise wie zum Beispiel Jahresrechnungen und Auditberichte, die von einer akkreditierten Stelle geprüft werden. Sind die Vorgaben erfüllt, wird die Konformität auf dem Zollformular 1449 bestätigt.

Alternativ kann ein Unternehmen auch den sogenannten vertikalen Ansatz wählen. Hierbei erklärt die Geschäftsführung verbindlich, eines der anerkannten Managementsysteme einzuführen. Gleichzeitig muss sie einen Energiebeauftragten benennen und erste spezifische Maßnahmen der Normen und Regelwerke umsetzen. Auch bei diesem Ansatz erfolgt der Nachweis per Testat einer akkreditierten Stelle.

Die Unterlagen und Belege werden mit dem Antrag auf Spitzenausgleich beim zuständigen Hauptzollamt eingereicht, wobei die Höhe der Erstattung vom Energieverbrauch und der Mitarbeiteranzahl abhängt.

Alle oben genannten Systeme sind bestens geeignet, die Energieeffizienz eines Unternehmens unmittelbar und nachhaltig zu steigern, weil sie den Energieverbrauch ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Geschäftsführung und Mitarbeitern rücken. Der Bedarf an Strom, Wärme und weiteren Energieträgern wird so transparent, und Einsparpotenziale können gezielt identifiziert und genutzt werden. Das Audit nach DIN EN 16247-1 ist ein erster, wichtiger Schritt. Es eignet sich als Vorstufe zur Implementierung eines Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO 50001 auch für große Unternehmen. Denn die Ergebnisse des Energieaudits können die technischen Voraussetzungen für die energetische Bewertung zur Einführung der Managementnorm schaffen.

Energieaudit nach DIN EN 16247-1

Grundlagen für das Energieaudit sind die im Unternehmen vorhandenen Daten zum Energieverbrauch und gegebenenfalls Daten aus Konstruktions-, Betriebs- und Wartungsdokumenten sowie Lieferverträgen. Anhand dieser und weiterer Informationen im Audit bewerten unabhängige Experten wie von TÜV Süd den Energieeinsatz und den Energieverbrauch, und zwar konkret aufgeschlüsselt nach Prozessen, Nutzmitteln und Gebäuden.

Im nächsten Schritt analysieren sie, wo im Unternehmen der Energieeinsatz effizienter gestaltet werden kann. Am Ende des Audits steht ein Bericht des Auditors, der das Vorgehen dokumentiert sowie konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienz enthält – beispielsweise eine priorisierte Liste mit Maßnahmen zur Minderung von Energieverlusten. Diese Maß-nahmen werden mit technischen und wirtschaftlichen Kriterien bewertet. Beispielsweise wird nur der wirtschaftlich sinnvolle Austausch von Komponenten oder die technisch wirkungsvolle Optimierung von Prozessen und Instandhaltung empfohlen, die keine Einschränkungen für Qualität und Sicherheit bedeuten.

Zudem werden ein insgesamt bewussterer Umgang mit den Ressourcen und eine Änderung im Verhalten der Mitarbeiter gefördert. Dies kann beispielsweise durch Schulungen, Workshops und Weiterbildungen erreicht werden.

Weiter und tiefer geht ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001, um den komplexen Anforderungen der großen Unternehmen gerecht zu werden.

Ähnlich wie ein Qualitätsmanagementsystem oder Umweltmanagementsystem wird es fest in die Unternehmensstruktur eingebunden, um die Energieeffizienz effektiv und langfristig zu steigern. Mit der Implementierung werden die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen.

Am Anfang steht, analog zum Audit nach DIN 16247-1, die energetische Bewertung, um den energetischen Status quo im Unternehmens zu ermitteln und diesen mit den Anforderungen der Norm zu vergleichen. Die Anforderungen gehen aber über die Analyse der Energieverbräuche und Effizienzpotenziale hinaus. So müssen ein verantwortlicher Energiemanagement-Beauftragter benannt, ein Energieteam etabliert, ein möglichst großer Mitarbeiterkreis frühzeitig informiert und eingebunden sowie ein Handbuch mit konkreten Anweisungen für den Arbeitsplatz erstellt werden. Dieses System wird nun in der Verantwortung des Unternehmens kontinuierlich verbessert. Hierzu legt die Geschäftsführung jährlich anspruchsvolle Energieziele fest.

Pro Jahr ein neuer Zyklus

Damit diese erreicht werden, orientiert sich die Norm am PDCA-Zyklus, einer gängigen Management-Methode. PDCA steht für plan, do, check, act.

Zunächst wird eine Vision entworfen. Im Zuge des PDCA-Zyklus werden die notwendigen Maßnahmen umgesetzt und evaluiert. So kann überprüft werden, ob die Vision auch tatsächlich erreicht wird. Ist das nicht der Fall, muss die Unternehmensleitung gegensteuern. Der Zyklus beginnt jährlich von vorn. Begleitet wird das durch regelmäßige Überwachungsaudits unabhängiger Dritter.

Durch die Anreize des Gesetzgebers können Unternehmen doppelt profitieren. Damit die Anträge auf Energiesteuervergünstigungen für 2013 fristgerecht eingereicht werden können, muss bis Jahresende mit der Implementierung begonnen werden.

Daniel Böhme & Dr. Michael Bunk

(TÜV Süd)

Erschienen in Ausgabe: 10/2013