»Gute Grundlage«

Ein Expertengutachten schlägt ein nach Leistungsklassen differenziertes Instrumentarium zur Markteinführung stationärer Brennstoffzellen vor. Die Branchenreaktion ist überwiegend positiv.

05. Juni 2007

••• Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erteilte im Dezember 2005 der IZES gGmbH den Auftrag, ein Gutachten zum Thema ›Analyse und Bewertung von Instrumenten zur Markteinführung von stationären Brennstoffzellen‹ zu erstellen.

Im technologischen Vergleich wurden 50 Firmen, davon 15 Firmen mit Standort in Deutschland, untersucht. Zum Status quo heißt es im Gutachten des Instituts für Zukunfts- Energiesysteme: »Bei der Entwicklung von Brennstoffzellenheizgeräten (BZH), die für den Einsatz in Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie im Gewerbe konzipiert sind, weisen japanische Produkte derzeit Vorteile auf.« Eine Markteinführung stehe dort kurz bevor.

Einige deutsche Hersteller hätten bereits langjährige Feldtests durchgeführt, andere befänden sich noch in der Entwicklungsphase oder am Anfang von Feldtests, teilen die beauftragten Saarbrücker Experten in ihrer Zusammenfassung mit. Und: »Bei der Entwicklung von Industrieanwendungen ist Deutschland mit einem Produkt in der Weltspitze vertreten. Die Markteinführung könnte für diese Anlagen kurzfristig anlaufen.«

Generell lägen die Investitionen für stationäre Brennstoffzellen sowohl bei BZH als auch bei BZ-BHKW noch so weit von der Wirtschaftlichkeitsschwelle entfernt, dass ein Markteintritt ohne Markteinführungshilfen nicht möglich sei. Die Untersuchung von Szenarien der Industrie deuten laut Studie darauf hin, dass durch »entsprechende Hilfen in wenigen Jahren die Schwelle der Wirtschaftlichkeit erreichbar wäre«.

Die izes-Gutachter fordern, dass »Brennstoffzellen als dezentrale Stromerzeugungstechnologien faire Chancen gegenüber den traditionellen, zentralen Kraftwerken eingeräumt werden müssen.« Dazu gehörten faire Bedingungen beim Zugang zu den Stromnetzen, faire Bedingungen bei der Nutzung von Stromnetzen sowie ein fairer Zugang zu relevanten Teilmärkten im Stromsektor.

Der izes-Vorschlag für ein Förderprogramm enthält zwei Förderinstrumente:

• Erhöhte Einspeisevergütung nach KWK-Gesetz,

• Festpreisvergütung für die Hersteller pro verkaufter und installierter Anlage.

BZH-Markteinführung bis 2010 möglich

Das konkret durchgerechnete Fördermodell würde es ermöglichen, BZH bereits 2010 zur Markteinführung zu bringen (gegenüber geplant 2012) und damit im Vergleich zu Japan aufzuholen. Gegenüber dem Innovationsprogramm der Bundesregierung ergäbe sich daraus eine Beschleunigung des Markteintritts und eine kürzere Markteintrittsphase.

»BZ-BHKW könnten noch kurzfristiger in den Markt eingeführt werden«, heißt es in der Studie dazu. Im Innovationsprogramm der Bundesregierung sind bereits Mittel vorgesehen. Für das gesamte Förderprogramm wären nach Berechnung der Experten Mittel (Anschubfinanzierung) in Höhe von 560 Mio. € vorzusehen. Zusätzlich seien noch Bonuszahlungen in Höhe von 135 Mio. € über 10 Jahre zusätzlich zu den Vereinbarungen im KWK-Gesetz erforderlich.

Die Potenziale für BZH und für die Industrieanwendung schätzen die VDMA Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzellen (AG BZ) und die Initiative Brennstoffzelle (IBZ) deutlich größer ein als das Gutachten.

In einer gemeinsamen Stellungnahme der beiden Verbände heißt es: »Die vorgeschlagenen Stückzahlen und der Zeitpunkt der Förderung im Bereich Hausenergie differieren zu den Szenarien der Hersteller und Anwender der Hausenergieanlagen, die in der IBZ erarbeitet wurden«.

Konkret sind die Stückzahlen und die Höhe des Investitionskostenzuschusses aus Sicht der Hersteller zu gering, der Zeitpunkt der Markteinführung in der Hausenergieanwendung liegt nach Einschätzung der IBZ zu früh.

Der von den Gutachtern vorgeschlagene frühere Start der Markteinführung für die Hausenergie könnte zur Folge haben, dass die im Zeitraum 2010 und 2012 erforderlichen Demonstrationsprojekte im Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien nicht mehr gefördert würden.

»Dass bei vorzeitigem Einstieg in ein Markteinführungsprogramm die Wirtschaftlichkeit früher erreicht werden könnte, ist umstritten«, so eine Befürchtung.

Industrieanwendung an der Marktschwelle

»Eine Markteinführung ist sinnvoll, sobald Geräte ausreichend getestet und entsprechend ausgereift sind. Die Industrieanwendung steht an der Schwelle der Markteinführung und sollte deshalb so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Insofern ist bezüglich der Markteinführungszeitpunkte sorgfältig zu differenzieren «, heißt es in der Stellungnahme.

Angesichts unterschiedlicher Entwicklungsstände bei der Hausenergie und der Industrie bewerten die Branchenverbände den Vorschlag des Gutachtens positiv, die Stufen der Förderung nicht an definierten Jahreszahlen festzumachen. Insgesamt stelle das Gutachten eine »gute Diskussionsgrundlage für die Gestaltung eines effizienten und effektiven Markteinführungsprogramms in den nächsten Jahren dar«, so das Branchenfazit. (mn) •••

Erschienen in Ausgabe: 02/2007