Gute Position im Wettbewerb mit neuen Playern

Management

Interview - Der Markt für intelligente Energien wird durch die neuen Wettbewerber dynamischer. Wir sprachen mit Jens Raschke von der Beratung BearingPoint über Herausforderungen für die Branche.

31. Januar 2011

Der Bereich Smart Energy entwickelt sich teils langsam und oft regulierungsgetrieben. Andererseits wird der Markt durch die Annäherung der Produkte, etwa von Utilities und Telcos, also Telekommunikationsanbietern, zunehmend dynamisiert. Wir gehen davon aus, dass er sich erst in den kommenden fünf bis sieben Jahren nachhaltig verändert.

Wie sind die Energieversorger aufgestellt?

Sie stehen noch am Anfang der Überlegungen. Nachdem sie sich mit den Herausforderungen der Anreizregulierung auseinandergesetzt haben, unternehmen die großen Versorger erste Gehversuche, etwa über die RWE Effizienz. Kleinere EVU befinden sich noch in einer Warteposition. Währenddessen bereiten sich neue Player auf den Markt vor. Neben Telcos und Internetunternehmen sind auch Anbieterkonstellationen von Non-Utilities denkbar, zum Beispiel Kofler Energies.

Wie schnell ist mit den neuen Wettbewerbern zu rechnen?

Wie rasch neue Anbieter auf den Markt drängen, hängt neben politischen Rahmenbedingungen auch davon ab, wie schnell den Kunden der Zusatznutzen vermittelt werden kann. Hier werden Schnelligkeit, Ideenreichtum bezogen auf neue Geschäftsfelder, die Go-to-market-Strategie und Reaktionsfähigkeit über die Marktverteilung entscheiden.

Und welche Strategien sollten Energieversorger verfolgen?

Utilities werden sich leichter tun, wenn sie sich in einem thematisch nahen Umfeld engagieren. Ein Beispiel ist die Kooperation der Mainova mit dem Wohnungs- und Immobilienkonzern ABG Frankfurt Holding zum Bau von Passivhäusern. Der Versorger liefert das Energiekonzept, die ABG das Baukonzept.

Das Ziel der Energieversorger muss sein, sich in zwei bis drei Smart-Energy-Bereichen zu engagieren, die dem jeweiligen Unternehmen auch abgenommen werden. Um eine zeitnahe Markteinführung zu ermöglichen, den Lernaufwand gering zu halten sowie das unternehmerische Risiko zu reduzieren, sollten zu diesem Zweck entsprechende Partner eingebunden werden.

Die erfolgversprechendsten Geschäftsfelder sollten als Feldversuche eingeführt werden – mit dem Ziel, diese möglichst zeitnah und finanziell selbsttragend in den operativen Betrieb zu überführen. Allerdings ist davon auszugehen, dass das Produktportfolio sukzessive ausgebaut werden muss und sich ein rentabler Betrieb, je nach Geschäftsfeld, erst in zwei bis drei Jahren etabliert.

Dann werden die Utilities in einer guten Ausgangsposition im Wettbewerb mit den Telcos sein, die sich bis dahin in dem neuen Geschäftsumfeld etabliert haben. Wer das Geschäftsfeld Smart Energy anführen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Welche Kooperationsmöglichkeit gibt es?

Zwischen den großen Anbietern machen Kooperationen für Smart Energy wenig Sinn. Denkbar sind hier lediglich Bereiche, in denen eine gewisse Infrastruktur flächendeckend zur Verfügung gestellt werden muss – zum Beispiel beim Aufbau von Stromtankstellen.

Bei Regionalversorgern und Stadtwerken hingegen können durch Partnerschaften finanzielle Mittel und Know-how gebündelt werden. Denkbar ist darüber hinaus eine Kooperation mit anderen Produktanbietern. Hier wird entscheidend sein, wer den Service aktiv an den Kunden vermittelt beziehungsweise als primärer Dienstleister gegenüber dem Kunden auftritt.

Eine Kooperation zwischen Utilities und Telcos macht immer dann Sinn, wenn einer der beiden Dienstleistungen anbietet, die der andere Partner nicht im Portfolio trägt oder er diese professioneller abbilden kann.

Worauf ist noch zu achten?

Die Anbieter müssen höhere Kosten, die aufgrund fehlender Standardisierung entstanden sind, durch konsequente Fehlerbeseitigung, Standardisierung und Automatisierung minimieren. Ebenso sollte geprüft werden, welche Teile der Wertschöpfungskette als Kernbestandteil der Utilities interpretiert werden. Ob zum Beispiel die Abrechnungskompetenz dazu zählt oder diese gegebenenfalls an einen dritten Service-Provider ausgelagert werden kann.

Wie sieht es bei den neuen Playern aus: Sind sie auf den Energiemarkt vorbereitet?

Grundsätzlich sind neue Wettbewerber, zum Beispiel als Kooperationspartner in der Sicherheitsindustrie, in ihrem jeweiligen Teilmarkt gut aufgestellt, da sie dort über die notwendige Marktkenntnis und das Verständnis des Kundenbedarfs verfügen und gegebenenfalls sogar Marktführer in ihrem jeweiligen Markt sind.

Telcos haben darüber hinaus in den vergangenen Jahren die Herausforderungen der Liberalisierung bereits meistern müssen, die den Utilities in Teilen noch bevorsteht. Die sekundengenaue Abrechnungskompetenz der Telcos ist unbestritten. Das Kostenniveau mussten sie in der Vergangenheit bereits aktiv optimieren. Den Wert und die Bedeutung eines Kunden können sie darüber hinaus ebenfalls sehr gut einschätzen.

Für mögliche Dienstleistungen, beispielsweise als Messstellendienstleister, verfügen die Telcos darüber hinaus über die entsprechende Infrastruktur und räumliche Abdeckung.

Das Management der individuellen Kundenbeziehung ist sicherlich eine Kernkompetenz der Utilities und qualifiziert sie, den jeweiligen Service, etwa Energieeffizienzberatung gegenüber dem Endkunden, zu intensivieren oder auszubauen.

STUDIE

Ein Datenkonzentrator pro Trafostation

Schmalbandige Powerline Communication (PLC) gilt für Smart Meter als eine der besten Lösungen für den letzten Leitungsabschnitt von der Trafostation bis zum Haushaltsanschluss. Nach einer Studie von E.on Metering, SVO Energie, EVB Energy Solutions und der Echelon Corporation lässt sich als Regel ableiten, dass ein einziger Datenkonzentrator (DC) pro Trafostation ausreicht, um Viertelstunden-Messwerte von mehreren hundert Zählern via Stromnetz zu übertragen – in Viertelstundenintervallen.

In einer gemittelten Testreihe bei einer Standardauslesung mit zwei bis sechs übertragenen Parametern konnten innerhalb von 24h 98% aller rund 550 Lastprofile übertragen werden. Ein weiteres Ergebnis ist, dass jeder Zähler innerhalb von durchschnittlich 2 bis 3s auf Fernabfrage der zentralen Leitstelle anspricht. Die Zeitspanne vom Abschicken der Fernabfrage bis zum Eintreffen am Zähler hängt davon ab, wie viele Zähler gleichzeitig angesprochen werden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2011