Guter Start ins Jahr

Das erste Halbjahr 2016 geht mit den höchsten Ausbauzahlen in die Geschichte der Windenergie an Land in Deutschland ein: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 wurde 73% mehr Leistung zugebaut. Das ergeben die im Auftrag der Verbände BWE und VDMA Power Systems erhobenen Zahlen zum aktuellen Status des Windenergieausbaus in Deutschland der Deutschen Windguard.

02. August 2016

Begründet sei der Anstieg durch die erfolgte Umstellung von einer einmaligen Absenkung des Vergütungssatzes am Jahresende zur quartalsweisen Degression, so die Unternehmen.

Im ersten Halbjahr 2016 wurde in Deutschland eine Windenergie-Leistung von netto 1.892 MW an Land zugebaut. Dies entspricht einem Zuwachs um 73 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 1.093 MW. Nimmt man den Abbau hinzu, also die Leistung der im ersten Halbjahr ersetzten Anlagen von 161 MW, so ergibt sich ein Bruttozubau von 2.053 MW.

Insgesamt sind in Deutschland zum 30.06.2016 an Land rund 44 GW an Windenergie installiert.Mit Blick auf die bereits genehmigten Projekte gehen die Verbände VDMA Power Systems und Bundesverband Windenergie BWE von einem Volumen zwischen 4.000 und 4.400 MW netto für das Gesamtjahr aus.

Niedersachen überschreitet Jahreszubau von 2015

Die meisten Windenergieanlagen wurden im ersten Halbjahr 2016 in Niedersachsen errichtet, das mit einem Brutto-Leistungszubau von 421 MW bereits jetzt den Jahreszubau von 2015 überschreitet. Schleswig-Holstein und Brandenburg bekleiden mit 322 MW und 254 MW die Ränge zwei und drei. Die Bundesländer im Norden Deutschlands vereinen so mit 876 MW insgesamt 42,7% des Gesamtzubaus auf sich. Baden Württemberg steigerte sich mit einem Zubau von 186 MW und kletterte von Platz zehn im Vorjahr auf Platz fünf der Rangliste.

"Weniger starke Konzentration auf Küstenländer"

Der starke Zubau im ersten Halbjahr 2016 ist getrieben durch die Bereitstellung von Eignungs- und Vorrangflächen, so die beiden Verbände. Noch wirken die Flächenausweisungen in den Bundesländern nach, die dort in den letzten Jahren vorgenommen wurden, auch wenn diese durch politische Entscheidungen in Bayern oder gerichtliche Entscheidungen in Schleswig-Holstein teilweise zurückgenommen wurden.

Die Verfügbarkeit von Flächen erkläre auch die regional teils deutlichen Schwankungen. „Der deutsche Markt konzentriert sich weniger stark auf die Küstenländer, sondern entfaltet sich zunehmend ausgeglichener. Die gute Entwicklung in typischen Binnenländern unterstreicht dies. Die Begrenzung des Ausbaus in Regionen mit Netzengpässen muss deshalb durch die Bundesregierung bereits 2018 einer Evaluation unterzogen werden, um dieses Instrument gegebenenfalls wieder aufzugeben“, so Hermann Albers, Präsident des BWE.

Prognose 2017 und 2018

Für 2017 rechnet die Branche mit einem Zubau auf vergleichbarem Niveau wie in diesem Jahr. Ende Mai waren Projekte mit einem Volumen von etwa 3.200 MW genehmigt. Ein großer Teil davon wird bis zum Ende dieses Jahres realisiert. Bis dahin erwarten Betreiber und Behörden einen weiteren Schub bei Genehmigungen, so die beiden Verbände. Denn wer sich noch vor dem Jahresende eine solche sichere und in 2017 oder 2018 baut, bekommt für den Strom noch gesetzlich definierte Vergütungssätze.

Die Sonderdegression ab März 2017 und vor allem die verschärfte Degression ab dem darauf folgenden Oktober machen den Ausbau weniger attraktiv. „Wir werden zwar über das Jahr einen deutlich abnehmenden Neubau sehen, das hat aber voraussichtlich kaum Auswirkungen auf das Gesamt-Volumen der Leistung, die 2017 installiert werden wird. Grund dafür ist, dass die sinkenden Vergütungen teilweise durch höhere Erträge der Anlagen kompensiert werden“, sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems.

2018, im zweiten Übergangsjahr, sei aber von einem deutlich niedrigeren Zubau auszugehen, sagt er weiter: „Wir gehen davon aus, dass die allermeisten Ende 2016 genehmigten Projekte im Jahr 2017 realisiert und nicht an Ausschreibungen teilnehmen werden. Somit wird der Zubau 2018 im Wesentlichen aus den Zuschlägen der Ausschreibungen in 2017 realisiert.“

 "Ausschreibung prinzipiell positiv"

Während bei Projektträgern noch Unsicherheiten bestehen, bewerten die Hersteller die Mengensteuerung durch Ausschreibungen prinzipiell positiv, wenn sie einen kontinuierlichen Ausbau sichert und zu mehr Wettbewerb und Marktnähe beiträgt. Produktion und Produktentwicklung werden sich auf ein Marktvolumen von zunächst 2.800 MW jährlich einstellen können. Es gelte darauf zu achten, dass die gesetzlich festgelegte Ausschreibungsmenge nicht dazu führt, dass die bislang positive Entwicklung der Windindustrie in Deutschland stagniere.

Langfristig seien ein ambitionierter Ausbau und ein lebendiger, auch in der Menge relevanter Markt erforderlich, damit die Hersteller ihre Technologierführerschaft und Produktionskapazitäten am Standort Deutschland erhalten können. Bislang verdanken die Hersteller ihre starke Position auch am Weltmarkt der Tatsache, dass die Technik im deutschen Heimatmarkt weiter vorangetrieben wurde. „Das ist kein Selbstläufer. Innovationskraft muss in der Industrie schon immer hart erarbeitet werden. Jetzt eben umso härter“, sagt Zelinger.

Die Nachfrage der internationalen Märkte nach führenden Anlagentechnologien Made in Germany sei auf einem unverändert hohen Niveau. VDMA Power Systems prognostiziert einen Weltmarkt für Windenergieanlagen an Land in einer Größenordnung von 55.000 MW im Jahr 2016, was sich in den Folgejahren fortsetzen wird.

 Begründet sei der Anstieg durch die erfolgte Umstellung von einer einmaligen Absenkung des Vergütungssatzes am Jahresende zur quartalsweisen Degression, so die Unternehmen.