… haben kleine Versorger keine Lobby?

»Gerade beim Thema Anreizregulierung hat der VDEW keine Stellung zu einem vereinfachten KMU-Verfahren bezogen.«

08. August 2007

Nein, oder zumindest keine sehr starke. Stimmungs- und Meinungsmacher sind die vier börsennotierten Unternehmen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall. Hohe Preise und Gewinne sorgen in der Öffentlichkeit für ein schlechtes Bild der Energieversorger. Dies hat auch auf die kleinen Stadtwerke abgefärbt, die in Wahrheit die einzige wirkliche Konkurrenz zu den Großen darstellen. Den Verbänden VDEW, BGW und VKU ist es nicht gelungen, dieses Bild bei Öffentlichkeit und Politik zurechtzurücken. Stattdessen haben sich insbesondere VDEW und BGW noch vor den Karren der Großen spannen lassen, etwa beim Emissionszertifikatehandel.

Gerade beim wichtigen Thema Anreizregulierung hat der VDEW auf Drängen der Großen keine Stellung zu einem vereinfachten Verfahren für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bezogen. Diese Position musste von den KMU selbst erarbeitet und bei der Politik vertreten werden. Ähnlich ungeschickt agierte der BGW beim Gasnetzzugang. Die Entwürfe der Kooperationsvereinbarung waren eindeutig auf die großen Gasversorger zugeschnitten, die kein Interesse hatten, die KMU am Wettbewerb teilnehmen zu lassen. Erst die Initiative der Stadtwerke Aachen und des Verbandes GEODE brachte die Wende.

Die Verbände haben mittlerweile auf das Drängen der KMU reagiert und im fusionierten Verband einen KMU-Beauftragten installiert. Abzuwarten bleibt, wie die Stelle besetzt wird und welche Befugnisse sie erhält. Um die KMU-Interessen zukünftig gezielt zu vertreten, ist eine eigene Interessenvertretung im Südwesten, wo die meisten Unternehmen ihren Sitz haben, notwendig. Finanziert werden könnte die Vertretung über eine Umleitung der bisherigen Verbandsbeiträge. Durch Zusammenarbeit etwa mit VKU oder GEODE könnte sichergestellt werden, dass die KMU auch in Berlin und Brüssel gehört werden. Eine klar fokussierte Vertretung der KMU-Interessen ist überlebenswichtig für die kleinen Stadtwerke.

Stefan Kleck

Geschäftsführer der Stadtwerke Bretten

Erschienen in Ausgabe: 08/2007