Hände frei fürs Kerngeschäft

E-Werke Wesertal setzt auf SAP-Outsourcing bei CSC Ploenzke

Um „die Hände frei zu haben für das Kerngeschäft“, so IT-Manager Christian Becker, übergab das Versorgungsunternehmen Wesertal GmbH in Hameln den technischen Betrieb seiner SAP-Systeme an CSC Ploenzke. Die Hamelner beziehen jetzt Beratung und Betrieb aus einer Hand. Das mobilisiert Synergien, die heute wertvoller sind als je zuvor.

07. Dezember 2001

Die Wesertal GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der finnischen Fortum-Gruppe, erwirtschaftete im Jahr 1999 einen Umsatz von fast 250 Mio. €, davon 81 % in der Sparte Stromversorgung, 10 % sind der Gasversorgung zuzurechnen und die restlichen 9 % entfallen auf Müllverbrennung und den Öffentlichen Personennahverkehr.

Mitte der 90er Jahre begann die Outsourcing-Beziehung zwischen Wesertal und CSC Ploenzke als Ergebnis einer grundlegenden Neuformulierung der IT-Strategie. Damals ging es um den Übergang von R/2-System auf SAP R/3. In diesem Zusammenhang standen weitreichende Personalentscheidungen an: Die Mehrheit der Mitarbeiter in der IT-Abteilung, die R/2 eingeführt und betrieben hatte, stand vor dem altersbedingten Ausscheiden.

„Für die Umstellung auf eine Client-Server-Struktur hätten wir eine völlig neue Mannschaft aufbauen müssen“, erläutert Christian Becker, Leiter der Informationsverarbeitung und Organisation. „Hinzu kam, dass die Migration mehr Manpower und Qualifikation erfordert, als wir hinterher für den späteren Dauerbetrieb benötigen.“ Noch dazu in einer Zeit, als viele Unternehmen ähnliche Migrationsprojekte in Angriff nahmen und die Personalsituation entsprechend angespannt war. Deshalb entschieden sich die Hamelner damals für ein komplettes Outsourcing - Beratung, Migration und Implementierung von R/3 und später auch Betrieb sollte ein externer Dienstleister übernehmen. „Was heute unter Application Service Providing propagiert wird, haben wir damals eingeführt“, kommentiert Becker und resümiert: „Rückblickend sind wir damit sehr zufrieden.“

Auf Grund guter Erfahrungen bei der Software-Evaluation und der breiten Kompetenz über alle IT-Aspekte beauftragte Wesertal CSC Ploenzke mit dem Outsourcing. Kostengesichtspunkte hätten keine primäre Rolle gespielt, heißt es auf Anwenderseite. Wichtiger waren dem E-Werk Synergien durch Branchenberatung und Systembetrieb aus einer Hand. Becker: „Wir betrachten es nicht als sinnvoll, Leistungen außerhalb unserer Kernkompetenz, die man in hoher Qualität und zu kalkulierbaren Preisen vom Markt beziehen kann, selbst zu erbringen.“

Erfahrungen bei der Erweiterung der IT-Leistungen durch neue SAP-Module bestätigen die Richtigkeit dieser Überlegung. Im ständigen Dialog mit der SAP-Beratung von CSC Ploenzke in Hannover wurde so das Konzept für die Einführung eines zeitgemäßen Instandhaltungsmanagements auf Basis von SAP-PM entwickelt. Dabei konnten sich die Hamelner ganz auf die Gestaltung der internen Prozesse konzentrieren - die Abbildung in SAP und die abschließende Implementierung machten dann die zuständigen Spezialisten von CSC Ploenzke unter sich aus.

Der Outsourcing-Bereich bei der Wesertal GmbH umfasst das gesamte SAP-System einschließlich der dafür benötigten Hardware. Lediglich die SAP-Lizenzen werden von der Wesertal gehalten. Das Hausnetz mit 500 Bildschirmarbeitsplätzen betreiben die Hamelner in Eigenregie, auch der gesamte Druck- und Versandbereich wird von einem weiteren, darauf spezialisierten Dienstleister wahrgenommen. Im Rechenzentrum von Wesertal sind derzeit zehn HP-Netserver für SAP R/3 im Einsatz.

In Hameln bildet SAP die Infrastruktur für alle betriebswirtschaftlichen Funktionen von der Buchhaltung über Betriebsmittelverwaltung, Einkauf und Vertrieb bis zum SAP-Spezialpaket IS-U für Versorgungsunternehmen, für dessen Hochverfügbarkeit CSC Ploenzke zwei Server geclustert hat. Für die Archivierung von Unterlagen ist ein optisches Speichersystem von System von Ixos angekoppelt. Die Datensicherung der Bestände im R/3 gehört mit zum outgesourcten Betrieb.

Die gesamte Wartung und Betreuung des SAP-Systems erfolgt vom CSC-Service-Center in Koblenz aus. Um für die Nutzer die unterbrechungsfreie Bereitstellung der benötigten Bandbreite ohne zusätzliche Kosten zu gewährleisten, steht die Hardware weiterhin im Rechenzentrum der Wesertal und wird per Remote Access ferngewartet. Hierfür sind mehrfache Fallback-Kanäle vorgesehen.

Selbst wenn einmal alle Strippen reißen sollten, kann der Alltagsbetrieb einige Zeit ohne die Systemadministration in Koblenz auskommen. Auch sonst wissen sich die Hamelner selbst zu helfen: Sie haben ihr eigenes SAP-Competence-Center mit sieben Mitarbeitern im Haus, die sich unbelastet von den Aufgaben des Systembetriebs und in enger Zusammenarbeit mit den SAP-Spezialisten von CSC Ploenzke mit der organisatorischen Seite der SAP-Anwendung beschäftigen: Prozessdesign, Workflow-Optimierung, Business-Warehouse und mehr. Neueste Errungenschaft ist ein Workflow-System, das einen großen Teil der internen Akten transportiert und so die Bearbeitungs- und Reaktionszeiten bei geringerem Personalaufwand verbessert. „Die damit erreichte Verbesserung der Kundenzufriedenheit ist für uns ein lebenswichtiger Wettbewerbsvorteil“, kommentiert Projektleiter Burkhard Menzel.

Die technische Zusammenarbeit zwischen Hameln und dem CSC Service-Center in Koblenz verläuft reibungslos. CSC unterhält in Deutschland ein landesweites WAN, das einen hochperformanten breitbandigen Anschluss an des Service-Center in Koblenz ermöglicht. Auf den Kundensystemen installierte Agenten liefern ständig Informationen über Systemzustände an die Leitwarte in Koblenz. Dabei geht es nicht nur um Fehlermeldungen, sondern um proaktives Systemmanagement: Sind bestimmte Grenzwerte überschritten, werden entweder automatisch Maßnahmen eingeleitet oder es wird ein Alarm in der Leitwarte ausgelöst, der einen Administrator zum rechtzeitigen Eingreifen veranlasst.

Ein wesentliches Element für ein erfolgreiches Outsourcing-Projekt sind Service Level Agreements (SLA), mit denen sich die Partner Klarheit über die vereinbarten Leistungen und die damit verbundenen Kosten verschaffen. Wesertal hat im Rahmen dieses Projektes mit CSC SLAs vereinbart über die

- Systemverfügbarkeit (gemessen in %)

- System-Performance (Antwortzeiten)

- Betreuungszeitraum (Telepräsenz der Administration)

- Betriebszeitraum (Regelung über die Zeiten, zu denen bestimmte Nutzungsarten möglich sind)

- Offline-Betrieb/Service-Zeiten (Zeiten, zu denen der Anwender keinen oder nur eingeschränkten Systemzugang hat)

- Reaktionszeiten (Prioritätensetzung für etwaige Störfälle, höchste Prioritätsstufe verlangt eine Reaktion des Betreibers innerhalb von 30 Minuten, Normalfall ist die sofortige Reaktion)

Die Verträge sehen vor, dass im Falle der Nichteinhaltung der garantierten Leistungen spürbare Penalties fällig werden, doch in der vierjährigen Zusammenarbeit wurde noch kein einziges Mal ein SLA verletzt.

Das Gesamturteil des IT-Verantwortlichen bei Wesertal über die Zusammenarbeit mit CSC Ploenzke fällt rundum positiv aus: „Unsere Erwartungen haben sich in jeder Hinsicht erfüllt“, bilanziert Becker. „Das gilt auch für die Kostenseite. Die Projekte blieben bisher sämtlich im Rahmen der Voranschläge, und bei Hardware-Anschaffungen profitieren wir indirekt noch davon, dass unser Dienstleister als Großabnehmer Sonderkonditionen nutzen kann.“

Erschienen in Ausgabe: 12/2001