Handbuch für energieeffizientere europäische Städte als Ziel

Management

Smart City - Auch wenn für mehr Energieeffizienz in Städten lokal unterschiedlichste Einzelmaßnahmen ergriffen werden, mangelt es für ein EU-weites Herangehen noch an ganzheitlichen Konzepten. An diesem Punkt setzt das EU-Projekt ›PLEEC – Planning for energy efficient cities‹ an.

22. Juli 2015

Die Tools und Maßnahmen, die innerhalb des PLEEC-Projekts entwickelt werden, werden nicht nur den PLEEC-Städten, sondern allen europäischen Städten einen Weg eröffnen, einen ganzheitlicheren Ansatz bei einer energieeffizienten Stadtentwicklung zu verfolgen und damit zu unserem gemeinsamen Ziel beitragen, den Energieverbrauch in Städten zu reduzieren«, so Projektkoordinator Mikael Kullman vom schwedischen Energie- und Wasserversorgungsunternehmen ›Eskilstuna Energy and Environment‹.

Zum Ende des Projekts soll ein Maßnahmenkatalog für nachhaltige und energieeffiziente Stadtplanung entstehen, den die Projektbeteiligten anhand von sechs mittelgroßen europäischen Partnerstädten entwickeln.

Der Schwerpunkt liegt somit auf Städten mit 100.000 bis 250.000 Einwohnern: Als Partnerstädte sind Eskilstuna (Schweden), Santiago de Compostela (Spanien), Turku (Finnland), Tartu (Estland), Jyväskylä (Finnland) und Stoke-on-Trent (UK) mit an Bord. Das weitere Projektkonsortium setzt sich aus drei Industriepartnern und neun Universitäten zusammen. Die Europäische Union fördert das Projekt aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm (FP7). Es läuft seit April 2013 und noch bis Ende März 2016.

Um eine effiziente Umsetzung zu gewährleisten, ist es in sieben verschiedene Arbeitspakete inhaltlicher und koordinativer Art gegliedert. Diese erstrecken sich vom Projektmanagement bis zu Aktionsplänen und Kommunikation (siehe Grafik). So ist zum Beispiel das Forschungs- und Transferzentrum FTZ-ALS der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg für die Verbreitung der Projektergebnisse zuständig.

Im zweiten Arbeitspaket entstehen insbesondere die ›Energy Smart City Profiles‹ der teilnehmenden Städte. Die Partner haben es unter Leitung der Technischen Universität Wien, Department für Raumplanung, bereits erfolgreich abgeschlossen. Sie erarbeiteten individuelle Städte-profile. Hierbei legten die Beteiligten großen Wert darauf, den Status quo in Sachen Energieeffizienz durch Indikatoren zu belegen sowie ein qualitatives Stimmungsbild zum Thema Energieeffizienz in der jeweiligen Stadt zu beschreiben.

Multimodal mit Grünem Travel-Pass

Letzteres wurde auf Basis von zwei Fragebogenrunden umgesetzt, an denen sich verschiedene Stakeholder aus den PLEEC-Städten als auch Experten teilnehmender Universitäten beteiligt hatten. Dabei zeigte sich, wie energieeffizient die Partnerstädte bereits sind und wo ihre Entwicklungs- und Innovationspotenziale liegen.

So setzt Eskilstuna bei der Verbesserung seiner Energieperformance einen Schwerpunkt auf die Mobilität: Denn trotz gut ausgebauter Infrastruktur für öffentliche Verkehrsmittel und Fahrradfahrer könnte die Motivation der Bevölkerung, beim Transport auf nachhaltige Lösungen zurückzugreifen, besser sein. Geplant ist zusätzlich zum Einsatz von zehn elektrischen Bussen ein ›Green Travel Pass‹, der die kombinierte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Carsharing, Fahrgemeinschaften und Fahrrad erleichtert. Außerdem kann anhand eines webbasierten ›local travel advisers‹ verglichen werden, wie viel Zeit, Geld und Kalorien bei der Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel für Fahrten innerhalb der Stadt benötigt und verbraucht werden.

Die spanische Pilgerstadt Santiago de Compostela sieht beim Thema Wasser- und Abfallmanagement großes Potenzial für Verbesserungen. Hier könnten die Erfahrungen von Stoke-on-Trent hilfreich sein: Die Stadt hat im Bereich Ressourcen-, Abfall- und Abwassermanagement exzellente Noten erhalten.

LED-Umrüstung für Laternen

Tartu legt bei der weiteren Arbeit einen Fokus auf effiziente Strategien für die öffentliche Beleuchtung: Die Stadt plant, 10.000 Straßenbeleuchtungen durch funkgesteuerte LED-Lampen zu ersetzen und ein neues Managementsystem zu implementieren. Die Lampen enthalten integrierte Regler, die präzises Dimmen und die Programmierung des Lichtmodus ermöglichen.

Das Feld der Energieeffizienz umfasst verschiedenste Bereiche der Stadtentwicklung. Für die Forschungsarbeit im Arbeitspaket zwei wurde dieses breite Feld in fünf ›Key Fields‹ untergliedert: Green Buildings and Land Use, Mobility and Transport, Technical Infrastructure, Production and Consumption sowie Energy Supply. Diese teilen sich in 16 Domains (Aktivitätsfelder), welche wiederum mit Hilfe von 49 Indikatoren beschrieben werden. Im Bereich technische Infrastruktur wären solche Domains zum Beispiel öffentliche Beleuchtung und Stromnetze. Alle Städteprofile sind online kostenlos erhältlich.

Eine wichtige Erkenntnis aus dem Arbeitspaket: Jede Stadt ist individuell, weist eigene Voraussetzungen auf und muss auf dem Weg zu einer energieeffizienten Smart City individuell angepasste Lösungen und Konzepte finden. »Eine klar strukturierte Bewertung der einzelnen Aktivitätsfelder durch lokale Stakeholder zeigt, dass die Problemlagen in den sechs Partnerstädten sehr unterschiedlich sind. Einheitliche rein technische Lösungsansätze sind daher ungeeignet«, so der Leiter des Arbeitspakets, Professor Rudolf Giffinger vom Fachbereich Stadt- und Regionalforschung der TU Wien. »Maßnahmen zur energieeffizienten Stadtentwicklung sind problemorientiert und unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessenlagen beteiligter Akteure herauszuarbeiten. Nicht zuletzt soll ein Indikatorensystem für das Monitoring einer energieeffizienten Stadtentwicklung festgelegt und mit Hilfe der Städte implementiert werden.«

Drei Effizienz-Bereiche im Fokus

In den sich anschließenden Arbeitspaketen drei bis fünf, welche unter der Leitung der Universität Kopenhagen, der Universität Mälardalen und Fachhochschule Turku laufen, werden bestehende energieeffiziente Maßnahmen verglichen und Best-Practice-Beispiele identifiziert. Diese konzentrieren sich auf drei verschiedene Bereiche: Während sich die Uni Mälardalen mit technologiebasierter Energieeffizienz befasst, konzentriert sich die Uni Kopenhagen auf stadtplanerische Aspekte. Turku liefert Empfehlungen für verhaltensbasierte Energieeffizienz. Zum Ende dieser Arbeitspakete können die Forscher konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz aus der jeweiligen Perspektive empfehlen und für jede PLEEC-Stadt die passendsten Methoden und Strategien identifizieren.

Individueller Aktionsplan

Auf Basis dieser Ergebnisse entwickeln die Partner im sechsten Arbeitspaket einen umfassenden Maßnahmenkatalog für nachhaltige Stadtentwicklung und für jede Stadt einen individuellen ›Action Plan‹, der mit den Städten erarbeitet und zum Projektende den Entscheidungsträgern vorgelegt wird. Im November sollen die ersten Versionen der Aktionspläne vorliegen.

Ende Juni erfolgte eine Darstellung und Diskussion der Projektzwischenergebnisse in Wien, um spezifische Erfahrungen von Smart Cities in Österreich einzuholen; im September werden die Fortschritte des Projekts auf dem dritten ›PLEEC Energy Efficiency Forum‹ in der Partnerstadt Tartu vorgestellt. Die Abschlusskonferenz des Projekts findet Anfang 2016 in Brüssel statt.

Julia Haselberger (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)

Erschienen in Ausgabe: 06/2015