Harmonische Problemfälle

»Die aktuelle Euro- Diskussion sorgt dafür, dass sich die Gespräche zwischen den EU-Ländern intensivieren.«

25. Mai 2010

Wie schnell aus einem viel gepriesenen Erfolgsmodell ein Problemfall wird, hat uns die jüngste Geschichte des Euro drastisch vor Augen geführt. Dabei waren die Warnsignale der Experten im Vorfeld deutlich: Die mit unnötiger Eile durchgezogene Währungsunion komme für manche Teilnehmer zu früh und das zugrunde liegende Regelwerk setze nicht die notwendigen Akzente.

Getrieben von der Furcht vor einer übermäßigen Inflation nach den Milliarden-Überweisungen in Richtung Griechenland kommen jetzt wiederum in reflexartiger Geschwindigkeit Gegenvorschläge auf. Ohne die direkten Folgen zu bedenken, werden Alternativen diskutiert, wie die Reanimation der geliebten D-Mark oder die Einführung eines ›Nord-Euro‹ unter Ausschluss der Mittelmeerländer.

Was hat dies aber mit der Energiewirtschaft zu tun? Viel. Denn aus Fehlern wird man (manchmal) klug. Die aktuelle Diskussion sorgt dafür, dass sich die Gespräche zwischen den EU-Ländern intensivieren – auch bei Energiefragen. So will die EU-Kommission etwa vor dem erwarteten großen Elektroauto-Hype Vorgaben zu einheitlichen Standards bei der Lade-infrastruktur machen oder den bisherigen Flickenteppich bei der Förderung der E-Autos harmonisieren, um »den Binnenmarkt nicht zu gefährden«.

Eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts zu Köln zeigt auf, dass eine EU-weite Harmonisierung der Förderinstrumente für erneuerbare Energien die Mitgliedsstaaten von 2008 bis 2020 um 120 Milliarden Euro entlasten würde. Ausgedehnen lässt sich dies auf Marktanreizprogramme wie das für Erneuerbare Wärme. Dessen kürzlich verhängter Stopp hat Folgen für Klima und Wirtschaft. Das Programm hat in 2009 Investitionen von rund drei Milliarden Euro ausgelöst und so reichlich Einnahmen in die Staatskasse gespült – anscheinend tatsächlich ein Erfolgsmodell.

Michael Nallinger

Erschienen in Ausgabe: 05/2010