Harmonisierung als Ziel

Die Regeln der Strommärkte in den Ländern Zentralwesteuropas unterscheiden sich stark voneinander. Dadurch kann die Flexibilität im Stromsystem nicht optimal genutzt werden. Das ist Ergebnis einer Studie von Agora Energiewende zum grenzüberschreitendem Stromhandel.

10. August 2016

Im Handel mit Strom zwischen den Ländern Zentralwesteuropas kommt es immer wieder zu systematischen Reibungsverlusten, so Agora Energiewende. Der Grund dafür sei, dass sich die Regeln für die kurzfristigen Strommärkte von Land zu Land deutlich unterscheiden.

„Miteinander harmonierende Marktregeln sind eine wesentliche Voraussetzung für den Strommarkt über Ländergrenzen hinweg“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Denn nur damit lassen sich die in Zentralwesteuropa reichlich vorhandenen Flexibilitätspotenziale optimal nutzen.“

Die Ineffizienz des grenzüberschreitenden Stromhandels steht im Widerspruch zu den gemeinsamen Zielen von Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz, so der Thinktank weiter. Diese Länder arbeiten im so genannten Pentalateralen Energieforum an einer besseren Integration der zentralwesteuropäischen Strommärkte. Dabei geht es vor allem darum, die steigenden Flexibilitätsanforderungen, die mit dem Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen einhergehen, zu erfüllen.

Regelenergiemärkte mit unterschiedlichen Ansätzen

Besonders betroffen sind laut Studie die Märkte für Regelenergie, über welche Unterschiede zwischen der geplanten Stromerzeugung beziehungsweise Stromnachfrage und der tatsächlichen Situation ausgeglichen werden. Hier verfolgen die Länder des Pentalateralen Energieforums allesamt unterschiedliche Ansätze.

Diese sind nicht nur nicht miteinander kompatibel, sondern zeichnen sich auch durch große Unterschiede bei den Preisen für die Regelenergie aus. Darin spiegeln sich die Unterschiede der jeweiligen Marktregeln in den verschiedenen Ländern wider.

  

Handel unter einer Stunde bleibt beschränkt

Ähnlich sieht es laut Studie in den Märkten für den untertätigen Stromhandel aus. So muss in den Niederlanden, Belgien und Frankreich beispielsweise eine Leistung von 1MWH Strom am Intra-Day-Markt in Stundenblöcken angeboten werden. In Österreich, der Schweiz und Deutschland hingegen sind auch Angebote für Viertelstunden möglich.

Durch diesen Unterschied kann zwar Strom aus Erneuerbaren Energien von Frankreich nach Deutschland und umgekehrt gehandelt werden, allerdings nur wenn die Leistung mindestens eine Stunde lang bereitgestellt werden kann, teilt Agora Energiewende weiter mit. Die für Windkraft und Photovoltaik viel relevantere Vermarktung über Viertelstunden bleibe damit letztlich nur auf ein abgegrenztes Marktgebiet beschränkt.

Angleichung der Marktregeln

„Die Angleichung der Marktregeln ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die erneuerbaren Energien erfolgreich und kostengünstig ins europäische Stromsystem integriert werden können. Das ist nötig, um bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren Energien am europäischen Strommix auf rund 50 Prozent zu erhöhen“, so Graichen. „Unsere Studie beschreibt, an welchen Punkten angesetzt werden kann, um die hierfür nötigen Verbesserungen zu erzielen.“ 

Die Studie „Refining Short-Term Electricity Markets to Enhance Flexibility“ wurde von CE Delft (Niederlande) und Microeconomix (Frankreich) erarbeitet. Sie steht zum kostenfreien Download auf www.agora-energiewende.de zur Verfügung.