Hartholz zum Heizen

Druckerei in Viersen heizt ihre Gebäude mit Einwegpaletten

Nachdem das alte Heizwerk in der Nachbarschaft ausgedient hat, heizt die Viersener Druckerei Quack & Fischer mit Holz. Und das fällt im eigenen Betrieb an - in Form von Einwegpaletten. Ein Contracting-Projekt erschloss das Potenzial zum umweltfreundlichen Heizen.

04. Februar 2004

Für den internen Transport zu bedruckender Kartonbögen verwendet die Druckerei Quack & Fischer, Viersen, Einwegpaletten aus Nadelholz. Die Paletten sind auf das Maß der Bögen zugeschnitten und lassen sich daher nicht wirtschaftlich wieder verwenden. Doch statt sie einfach zu entsorgen werden sie nun verheizt - ihr Holz liefert ausreichend Energie, um den überwiegenden Teil des Wärmebedarfs zu decken. Möglich macht dies ein Contracting-Projekt mit den Stadtwerken Düsseldorf.

Die Liegenschaft besteht aus einem Verwaltungs- und einem Produktionsbereich mit einer zu beheizenden Fläche von etwa 9.300 m². Bei den massiven Bauten sind keine besonderen Wärmedämmmaßnahmen vorhanden. Quack & Fischer fertigt Umverpackungen aus Karton, vorwiegend für Lebensmittel. Die Kartonbögen werden entsprechend bedruckt, geklebt, gefaltet und danach versendet. Die unbedruckten Kartonbögen werden auf Einwegpaletten angeliefert. Diese bestehen aus trockenem und unbehandeltem Nadelholz. Ihre einzelnen Latten sind mit Nägeln miteinander verbunden. Die bedruckten Bögen verbleiben auf den Einwegpaletten bis zum Zeitpunkt des Faltens und Klebens. Dann werden die Einwegpaletten aus dem Produktionsablauf entfernt -früher wurden sie einfach entsorgt.

Die Beheizung erfolgte in der Vergangenheit über ein benachbartes Heizwerk. Dessen Stilllegung machte ein neues Wärmeversorgungskonzept notwendig. Unter Mitwirken der Energieagentur NRW gab Quack & Fischer eine Untersuchung mit dem Ziel in Auftrag, die thermische Nutzung der Einwegpaletten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beleuchten. Die Studie und die folgende Vorplanung des Ingenieurbüros eta-plus aus Köln kamen zu einem positiven Ergebnis. Im weiteren Lauf des Projekts entschied die Druckerei, die neue Anlage im Rahmen eines Contracting-Vertrags durch die Stadtwerke Düsseldorf AG errichten und über zehn Jahre betreiben zu lassen. Die Investition von etwa 300.000 € wurde anteilig durch das Land NRW im Rahmen der Holzabsatzförderrichtlinie gefördert. Nach einer Bauzeit von nur drei Wochen konnte die Anlage im vergangenen Oktober in Betrieb genommen werden.

In der neuen Anlage werden die Einwegpaletten mittels eines Shredders zu Holzhackschnitzeln verarbeitet, dem Brennstoff für die neue Wärmeversorgung. Für Wärme sorgen ein Holzkessel mit 300 kW und ein Gas-Brennwertkessel mit der gleichen Heizleistung. Die Anlagen befinden sich in einem mobilen Heizcontainer. Mobil sind auch die übrigen Komponenten der Anlage wie Brennstoffsilo und Shredderanlage. Die gesamte Anlage wird aus der Ferne überwacht. Das Beschicken mit Paletten übernehmen Mitarbeiter des Kunden.

Jahr für Jahr müssen etwa 22.500 Einwegpaletten entsorgt werden. Mit ihrem Wärmeinhalt lassen sich etwa 70 % des Wärmebedarfs decken - mögliche Einsparungen mit eingerechnet. Dazu werden die Paletten zu Hackschnitzeln weiterverarbeitet und gelagert. Diese Menge von etwa 225 t/a entspricht einer Brennstoffenergie von etwa 900.000 kWh. Somit werden CO2-Emissionen von etwa 203 t/a vermieden, wenn man Erdgas als Vergleichsenergie heranzieht. Der Spitzenwärmebedarf wird mit Erdgas gedeckt. Im Sommer werden das Palettenholz oder die Hackschnitzel weitgehend zwischengelagert.

Erschienen in Ausgabe: 01/2004